Krieg in der Türkei? – Mehrere Tote bei Anschlägen: Kurdenpartei ruft zu Waffenstillstand auf

Epoch Times10. August 2015 Aktualisiert: 10. August 2015 11:12
In der türkischen Metropole Istanbul kam es am Wochenende zu mehreren Anschlägen. Es gab Tote und Verletzte. Seitdem der türkische Präsident Kurdenstellungen im Irak und in Syrien bombardieren lässt kommt es zu Ausschreitungen.

Trotz Friedensappellen der Oppositionen stehen die Zeichen in der Türkei auf Eskalation. In Istanbul wurden am Wochenende bei vier Anschlägen mindestens vier Menschen getötet und es gab zahlreiche Verletzte. 

In einem Vorort von Istanbul wurden bei einem Bombenanschlag auf eine Polizeistation drei Polizisten getötet und zehn Menschen verletzt, berichtet die Nachrichtenagentur Dogan. Die Bombe war im Stadtteil Sultanbeyli explodiert und hatte ein Feuer verursacht, das Teile der Polizeiwache zum Einsturz brachte. Wer für den Anschlag verantwortlich ist, blieb zunächst unklar. 

Unterdessen wurde auf einem Militärposten südlich von Mardin ein Polizist getötet.

Am Montagmorgen kam es dann zu weiteren Übergriffen. Vor dem amerikanischen Konsulat gab es einen Schusswechsel zwischen der Polizei und Bewaffneten. Verletzt wurde niemand.

Darüber hinaus griffen Unbekannte im Zentrum von Istanbul das Hauptquartier der regierenden AKP, Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, an. Bei diesem Anschlag wurde sieben Personen verletzt. 

Keine Deeskalation in Sicht

Der Co-Vorsitzende der Demokratischen Partei der Völker (HDP), Selahattin Demirtas, appellierte am Wochenende bei einer Friedenskundgebung in Istanbul an die Vernunft der Kriegsparteien. Der kurdische Politiker forderte einen sofortigen Waffenstillstand und die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen, berichtet die Neue Züricher Zeitung.

Eine Deeskalation der Situation ist aber nicht in Sicht. Weder die PKK noch die AKP sind zu Gesprächen bereit.

Unterdessen setzt die Regierung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan alles daran die HDP und die PKK, die in der Türkei als Terrororganisation gilt, in Verbindung zu bringen. Der amtierende Regierungschef Ahmet Davutoglu sagte, dass "die HDP alle Strukturen beseitigen soll, welche die Bevölkerung bedrohten". 

Laut Experten fürchtet der türkische Präsident und seine Partei den Aufschwung der HDP, was der wahre Grund für die Angriffe auf die Kurden sei. 

Der Politikwissenschaftler Prof. Michael Werz sagte unlängst im ZDF Heute Journal, dass Erdoğan wohl noch eine Rechnung mit der pro-kurdischen Partei offen habe. Sie kosteten ihn bei der letzten nationalen Wahl die Mehrheit im türkischen Parlament. Die HDP kam auf 6 Millionen türkische Wähler.

Die Wahl sei ein politisches Misstrauensvotum an Erdoğan gewesen, so Werz. Erdoğan stehe unter Druck. Seine Regierung sei nur eine Übergangsregierung in der Türkei. Den von ihm angezettelten Krieg gegen die Kurden nutze Erdoğan, um seinen Gegnern, vor allem der im Parlament mit 13,1 Prozent repräsentierten kurdischen Partei HDP, nun zu schaden, erklärt der Politikwissenschaftler. Sein Ziel seien Neuwahlen, welche ihm dann wieder die absolute Mehrheit bringen könnten. (so) 

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN
Schlagworte, , , ,
Themen
Newsticker