Ministerpräsidenten vom Punjab, Pakistan, in Berlin

Von 26. Januar 2012 Aktualisiert: 26. Januar 2012 0:04

Der Ministerpräsident vom Punjab in Pakistan, Mian Muhammad Shahbaz Sharif, besuchte die „Grüne Woche“ in Berlin. Der Journalist und Terrorismusexperte Shams Ul Haq sprach mit ihm.

Shams Ul Haq: Herr Ministerpräsident, wie kommen Sie auf die Idee auf solch einer internationalen großen Messe wie die „Grüne Woche“, Pakistan als Land zu präsentieren?

Mian Muhammad Shahbaz Sharif: Ja, ich denke solche Vorstellungen gehen jedem einmal durch den Kopf, an solch einer „Grünen Woche“ teilzuhaben, da Pakistan in der Landwirtschaft ein sehr wichtiger Partner ist, zum Beispiel für Reis, Getreide und viele weitere Produkte. Es werden unter anderem Gemüse und Obst, wie Mangos, Orangen und Äpfel massenhaft in Pakistan geerntet.

Pakistan ist außerdem das viertgrößte Land auf der Welt für die Herstellung von Milch. Um all diese Produkte und Fähigkeiten richtig anzuwenden, braucht man auch bestimmte Techniken. Wir müssen unser Wissen und unsere Fähigkeiten miteinander teilen. Daher haben wir uns entschlossen, dieses Jahr an der Grünen Woche Berlin teilzunehmen. Hier möchte ich erwähnen, dass die Deutsche Firma Metro uns dabei sehr großzügig unterstützt hat. In Zusammenarbeit mit Metro haben wir es geschafft, dass aus Pakistan 21 Unternehmer auf der Grüne Woche Berlin ihre Produkte präsentieren dürfen.

Haq: Welche Erwartungen haben Sie an diese Messe für Ihr Land? Wie Sie sagten, haben Sie sehr viel vorgearbeitet; aber die Frage ist, was es für die deutsch-pakistanischen Unternehmen und insbesondere für Pakistan an Nutzen bringt.

Shabaz Sharif: Zum ersten Mal können wir der Welt beweisen, dass Pakistan in der Lage ist, Lebensmittel nach europäischen Standards hier nach Europa zu bringen. Ebenso haben zum ersten Mal die deutschen Unternehmen die Möglichkeit, Kontakte mit pakistanischen Firmen aufzunehmen und zu sehen, was für Produkte Pakistan nach Deutschland liefern kann. Daher werden wir von der Messe sehr viel Positives mitnehmen. Das wird in Zukunft sehr viel Erfolg nach Pakistan bringen.

Haq: Aber wie Sie wissen, gibt es in Pakistan sehr viele Schwierigkeiten, die Wirtschaft zu stabilisieren, da Strom- und Gasherstellung ein großes Problem für Ihr Land sind, wie wollen Sie das beseitigen?

Shabaz Sharif: Da gebe ich Ihnen Recht, unglücklicherweise gibt es bei uns große Probleme, was Gas und Strom betrifft. Aber ich kann ihnen sagen, dass wir sehr stark daran arbeiten. Ich habe mich letzte Woche in der Türkei mit dem türkischen Ministerpräsidenten persönlich darüber unterhalten, dass sie uns die neueste Technologie zu Verfügung stellen sollen, damit wir dieses Problem so schnell wie möglich in unserem Land beseitigen können. In den letzten drei Jahren wurde von der pakistanischen Regierung zu dem Problem Strom und Gas nicht viel unternommen, wobei die Lage heute anders wäre, wenn sie sich intensiv damit beschäftigt hätten.

Haq: Wie Sie wissen, hat das Pakistan in Europa und Deutschland einen sehr schlechten Ruf, Pakistan wird immer wieder mit dem Terror in Verbindung gebracht. Wie würden Sie das verbessern?

Shabaz Sharif: Das stimmt. Pakistan hat einen schlechten Ruf in der Welt, insbesondere in Deutschland. Ich möchte hier erwähnen, dass ich gegenüber Deutschland einen großen Respekt empfinde, da es ein wichtiger Partner für uns ist.

Wir müssen genauso schwer gegen den Terror kämpfen, es ist für uns ein großer Berg von verschiedenen Schwierigkeiten, unter anderem wegen der radikalen Islamisten, die bereits seit den 80er Jahren in Pakistan Fuß gefasst haben. Deshalb müssen wir leider heute noch in den sauren Apfel beißen, es ist für uns eine große Katastrophe.

Pakistan ist davon überzeugt, solange wir das Gift von Terror aus unserem Land nicht entfernen, werden wir nicht erfolgreich in der Welt sein. Wie Sie wissen, hat Pakistan in den letzten Jahren mehr als 30.000 Menschen opfern müssen für die Bekämpfung des Terrors. Das ist ein großer Beweis, dass kein Land auf dieser Welt so viel gegen den Terror unternimmt wie Pakistan. Wir werden – Inshaallah (wenn Gott es möchte) – es schaffen, den Terror im unseren Land zu bekämpfen, natürlich auch mit der Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland.

Haq: Sie haben das Thema Terror erwähnt, was denken Sie über das Drama Usama Bin Laden, war es ein Schachspiel von den Amerikanern oder ist hier wirklich mehr dran gewesen?

Shabaz Sharif: Ich weiß es nicht (sagte der Minister auf Deutsch) Usama Bin Laden existiert nicht mehr und wir müssen weiterhin gegen den Terror kämpfen.

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Haq: Wenn Sie die „Mullahs“ in Pakistan in den Griff bekommen, die die falsche Lehre des Islams in der Menschheit verbreiten, können Sie auch so den Terror bekämpfen?

Shabaz Sharif: Man muss als erstes definieren können, was man unter „die Mullahs“ versteht. Es gibt in allen Religionen der Welt eine positive Wirkung von „Mullahs“, die eine sehr gute Lehre ihrer Religionen verbreiten. Genauso gibt es in Pakistan sehr gute davon, die wirklich die wahre Lehre des Islams verbreiten, sie unterrichten, dass alle Religionen der Welt Frieden unter den Menschen bringen sollen. Sie sprechen hier von einer kleinen Anzahl der radikalen Mullahs, die Hass unter den Menschen verbreiten, gegen diese müssen wir kämpfen und solche Menschen gehören sofort hinter Gitter.

Haq: Will Pakistan wirklich, dass die Terroristen aus dem Land verjagt werden? Solange die Bomben in Pakistan explodieren, gibt es immer Geld von den Amerikanern und der Welt. Ich glaube, Sie möchten keinen Frieden herstellen, denn dann würden Sie keine Gelder mehr von den Amerikanern und der Welt bekommen.

Shabaz Sharif: Ihr Gedanke ist verkehrt. Es kann sein, dass es in Pakistan eine kleine Gruppe von verrückten Menschen gibt, die so denken wie Sie, aber es ist vollkommen falsch. Mit solcher Unterstützung kann Pakistan langfristig nicht erfolgreich sein. Die Geldunterstützer, die aus der gesamten Welt kommen, herrschen wie Krebs in dem Körper, solange dieses nicht bekämpft wird, hat Pakistan keine strahlende Zukunft.

Haq: Nicht als Ministerpräsident von Punjab frage ich Sie jetzt, sondern was ist Ihre persönliche Meinung über die chaotische aktuelle politische Lage in Pakistan vor den Wahlen?

Shabaz Sharif: Es herrscht zurzeit unter den pakistanischen Politikern sehr viel Durcheinander und die Bevölkerung ist auch unruhig über die aktuelle politische Lage im Land. Es wird für die Menschen nicht viel unternommen, immer wieder werden leere Versprechen von den Politikern bei allen Wahlen gemacht. Die Korruption nimmt jeden Tag zu, die Menschen bekommen keine Rechte nach dem pakistanischen Grundgesetz, es wird auch kein Gesetz respektiert. Inshaallah bin ich davon überzeugt, dass wir sämtliche Probleme der Bevölkerung Schritt für Schritt lösen müssen.

Haq: Sie möchten damit sagen, dass die jetzige Regierung keine Demokratie in den letzten dreieinhalb Jahren geschaffen hat?

Shabaz Sharif: Eine wahre Demokratie ist der Name, aber hier von einem Zugfahrer, der mit Korruption voll ist und nicht in der Lage, den Zug an das richtige Ziel zu bringen, das heißt nicht, dass alle Insassen des Zuges darunter leiden müssen. Man muss den Zugfahrer ersetzen, dann herrscht auch volle Demokratie unter den Insassen.

Haq: Sie haben bereits den Punkt Korruption angesprochen, gegen Ihre Partei PMN (Pakistan Muslim League-N) gibt es sehr viele Vorwürfe über Korruption, genauso laufen gegen Sie und Ihren älteren Bruder Anzeigen in dem „Supreme Court of Pakistan“, was haben Sie hierzu zu äußern?

Shabaz Sharif: Wir sind alle Menschen, wenn wir in gewisser Weise einen Fehler begangen haben, so weiß ich jedenfalls davon nichts. Aber beweisen Sie mir in meiner dreieinhalbjährigen Amtszeit einen Fall von Korruption gegen mich, dann werde ich hier und sofort meine Rücktrittserklärung unterschreiben. Ich sage nicht, dass es in Pakistan in den unteren Schichten keine Korruption gibt, aber zum heutigen Zeitpunkt und in den kommenden Wahlen können wir großen Politiker uns keine Fehler mehr von Korruption erlauben, sonst werden wir nicht mehr gewählt.

Zur Person:

Mian Shabaz Sharif, geboren 1951, wurde im Februar 1997 erstmals Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten pakistanischen Bundeslands Punjab und ist Präsident der größten Oppositionspartei „Pakistani Muslim League-Nawaz“. Nachdem sein älterer Bruder und zweimaliger Ex-Premierminister, Mian Muhammad Nawaz Sharif, im Oktober 1999 in einem Militärputsch gestürzt wurde, verbrachten beide Brüder einige Jahre im Exil. Nach seiner Rückkehr 2007 gelang Mian Shabaz Sharif bei der Wahl im Juni 2008 zusammen mit der Pakistanischen Volkspartei PPP (Pakistani Peoples Party) eine Koalitionsregierung und er wurde erneut Ministerpräsident von Punjab.