Nahost-Experte gibt im ZDF-Interview den USA die Schuld am Syrien-Desaster

Von 17. Dezember 2016 Aktualisiert: 18. Dezember 2016 8:27
Was ist alles falsch gelaufen in Syrien? Nahost- Experte Günther Meyer macht im heute.de Interview die USA für die Not der Menschen in Syrien verantwortlich. Meyer nimmt Bezug auf den ehemaligen Oberkommandeur der NATO: General Wesley Clark.

Während die Welt den Worten des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama lauscht, der Putin die Haupt- Schuld am Desaster des syrischen Volkes gibt, finden wir ein analytisches wahrhaftiges Interview auf heute.de, welches leider nicht zu den besten Sendezeiten im TV ausgestrahlt wird.

Doch, sie wissen was sie tun: Während in den großen öffentlich-rechtlichen Sendern Tag ein Tag aus zu den besten Sendezeiten immer wieder die Bösen in Syrien Assad und Putin sind, gibt das Interview mit dem Nahost-Experten Prof. Günther Meyer von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz auf der Internetseite vom öffentlich-rechtlichen „heute.de“ konkreten Aufschluss über die Hintergründe des Syrienkonfliktes.

Was ist alles falsch gelaufen in Syrien? Nahost- Experte Günther Meyer macht im heute.de-Interview die USA für die Not der Menschen in Syrien verantwortlich.

Ohne Russlands Hilfe ab September 2015 hätten längst die islamistischen Extremisten, wie die zum Al-Kaida-Netzwerk gehörende Nusra-Front und der von der internationalen Allianz unter US-Führung bekämpfte Islamische Staat (IS), die Macht in Syrien übernommen. Laut Meyer hatten israelische Politiker erklärt, eine solche Terrorherrschaft sei ihnen lieber als das Assad-Regime. Also kann Putin folgerichtig vorgeworfen werden eine solche Terrorherrschaft verhindert zu haben.

Ein NATO General über geplanten Regimewechsel

Meyer nimmt Bezug auf den ehemaligen Oberkommandeur der NATO: General Wesley Clark. Clark habe erklärt, unmittelbar nach den Terrorschlägen am 11. September 2001 begann die US-Regierung mit den Planungen des Regimewechsels in sieben Ländern, die von den USA als Gegner angesehen wurden, darunter Irak, Libyen und auch Syrien.

Bereits ab 2005 wurden die Rahmenbedingungen geschaffen. Neben gezielten medialen Propagandaaktionen gegen das Assad-Regime wurde eine Armee von Terroristen zum Sturz der Regierungen in Damaskus und Theran gebildet.

Journalist über Ausbildung und Finanzierung der Terroristen

Das Interview nimmt Bezug auf den renommierten Journalisten Seymour Hersh, der bereits 2007 die Beteiligung Israels und Saudi-Arabiens zur Ausbildung und Finanzierung der „Armee von Terroristen“ nachgewiesen habe. Auch die USA haben die aufständischen Dschihadisten mit Waffen versorgt und teilweise auch ausgebildet.

Materielle und personelle Logistik wurde besonders über die Türkei abgewickelt. Saudi-Arabien und Katar wünschen eine radikal-islamistische Regierung. Die Eroberung Aleppos 2012 war für die Dschihadisten ein wichtiger Schritt.

Laut Meyer könne derzeit niemand das gegenwärtige funktionierende staatliche Ordnungssystem in Syrien ersetzen. Es sei davon auszugehen, dass mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung hinter Assad stehe. Dazu gehören nicht nur die religiösen Minderheiten wie Christen, Alawiten und andere schiitische Gruppierungen, die unter der Herrschaft sunnitischer Extremisten keine Überlebenschance in Syrien hätten – die Forderung „Christen nach Beirut, Alawiten ins Grab“ werde von den Dschihadisten nach wie vor erhoben. Doch auch ein Großteil der Sunniten, insbesondere aus der städtischen Mittelschicht, stehe immer noch auf der Seite von Assad.

Die völkerrechtswidrige Invasion der USA im Irak

Meyer gibt zu bedenken, dass sogenannte gemäßigte Rebellengruppen keine Rolle im Konflikt spielen. Rebellen, die von den USA ausgebildet und mit Waffen ausgestattet wurden, seien größtenteils zu den radikalen Dschihadisten übergelaufen. Unter Bezug auf die völkerrechtswidrige Invasion im Irak habe die USA die Rahmenbedingungen für die Entstehung des IS geschaffen.

Wie Michael Flynn, der ehemalige Leiter des militärischen Geheimdienstes DIA (Defense Intelligence Agency) erklärt habe, sei „die Unterstützung und Expansion des Islamischen Staates auf eine bewusste Entscheidung der amerikanischen Regierung zurückzuführen“. Oberstes Ziel war also der Sturz Assads.

Verhängnisvolle EU-Sanktionen

Da Assad die stärkste Position nach den jetzigen militärischen Erfolgen habe, müssten in einem gemeinsamen Lösungsansatz mit den vereinten Nationen und Russland die Bedingungen von Assad größtenteils akzeptiert werden. Assad habe in der Vergangfenheit immer auf einen innersyrischen Dialog gesetzt, der Westen hingegen konzentrierte sich auf die syrische Auslandsopposition, obwohl diese in Syrien keinen Rückhalt habe.

Unter Bezug auf christliche Bischöfe in Syrien benennt Meyer als größten Fehler der EU die Verhängung von Sanktionen gegen Syrien. Die Sanktionen seien hauptverantwortlich für die gravierend schlechte Versorgungssituation der Bevölkerung insgesamt.

Laut Meyer sei die einflussreiche US Regierung mit Blick auf den Regierungswechsel derzeit weitestgehend handlungsunfähig. Trump wolle den Kampf gegen den IS sowie andere islamistische Terroristen verstärken. Der Gewinner wäre in diesem Fall Assad.

Offen bleibe, ob Trump halte, was er im Wahlkampf versprochen habe. In der Analyse Meyers sind die stärksten oppositionellen Kräfte in Syrien die islamistischen Extremisten, wie die zum Al-Kaida gehörende Nusra-Front und der von der internationalen Allianz unter US-Führung bekämpfte Islamische Staat.

Quelle: heute.de/interview

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