Neue Eskalationsstufe: Abbas friert Beziehungen zu Israel ein – 6 Menschen auf beiden Seiten getötet

Epoch Times22. Juli 2017 Aktualisiert: 22. Juli 2017 7:48
Neue Eskalationsstufe: Die Palästinensische Autonomiebehörde setzte am Freitag ihre Beziehungen zu Israel aus, zudem gab es mehrere Tote auf beiden Seiten.

Der Streit über verschärfte Kontrollen am Jerusalemer Tempelberg hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die Palästinensische Autonomiebehörde setzte am Freitag ihre Beziehungen zu Israel aus, zudem gab es mehrere Tote auf beiden Seiten.

Bei Zusammenstößen nach dem Freitagsgebet wurden drei Palästinenser von israelischen Sicherheitskräften getötet und hunderte weitere verletzt. In einer Siedlung im Westjordanland erstach ein Angreifer drei Israelis.

Abbas: Kontakt zu Israel ist „auf allen Ebenen“ auf Eis gelegt

Die Autonomiebehörde lege die Kontakte zu Israel „auf allen Ebenen“ auf Eis, sagte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in einer Rede. Das werde solange gelten, bei die israelischen Maßnahmen ausgesetzt sind. Israel stelle sie „fälschlich als Sicherheitsmaßnahmen dar, um die Kontrolle über die Al-Aksa-Moschee zu bekommen“.

Der in der Jerusalemer Altstadt gelegene Tempelberg (Arabisch: Al-Haram Al-Scharif) beherbergt unter anderem die Al-Aksa-Moschee – das drittwichtigste Heiligtum des Islams nach Mekka und Medina.

Metalldetektoren am Tempelberg

Vergangene Woche hatten die israelischen Behörden Metalldetektoren am Zugang zum Tempelberg aufgestellt, nachdem drei arabische Israelis in der Jerusalemer Altstadt zwei israelische Polizisten erschossen hatten.

Am Freitag entschied die israelische Regierung, die Detektoren stehen zu lassen. Für zusätzliche Wut sorgte bei den Palästinensern außerdem, dass Männern unter 50 Jahren der Zugang zur Altstadt verwehrt wurde.

Drei Palästinenser bei Zusammenstößen getötet

Nach dem Freitagsgebet entlud sich der Zorn über die verschärften Kontrollen in Protesten in Ost-Jerusalem und in der Stadt Abu Dis im Westjordanland. Bei Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften wurden nach palästinensischen Behördenangaben drei Palästinensergetötet. Etwa 400 weitere Personen wurden den Angaben zufolge in verletzt.

Drei Israelis bei Messerangriff getötet

Am Abend meldete die israelische Armee einen tödlichen Messerangriff in der jüdischen Siedlung Neve Zuf nordwestlich von Ramallah. Ein Angreifer sei in ein Haus eingedrungen und habe auf vier israelische Zivilisten eingestochen. Drei von ihnen seien gestorben, ein weiterer sei verletzt.

Die Armee hatte zunächst von zwei Toten und zwei Verletzten gesprochen. Wenig später erklärte sie, eines der Opfer sei seinen Verletzungen erlegen. Der Täter sei erschossen worden. Angaben zu dessen Identität machte die Armee nicht.

Arabische Liga wirft Israel Ausübung „exzessiver Gewalt“ vor

Die Arabische Liga warf Israel die Ausübung „exzessiver Gewalt“ vor. Der Vorsitzende des Statenbundes, Ahmed Abul Gheit, verurteilte laut einem Sprecher die israelischen Sicherheitskräfte. Diese seien „mit exzessiver Gewalt und scharfer Munition gegen unbewaffnete Zivilisten“ vorgegangen.

Die aktuellen Spannungen „öffnen die Tür zu einer weiteren Eskalation“. Dabei könnte sich die ohnehin bestehenden „Wut der Palästinenser, Araber und Muslime über die Gewalt und neuen Maßnahmen der israelischen Behörden“ entladen.

Ägypten: Israel soll Gewalt beenden

Das ägyptische Außenministerium forderte Israel auf, die Gewalt zu beenden und Vernunft walten zu lassen, um ein Abgleiten in einen „gefährlichen und schwierigen Sumpf“ zu verhindern.

Aussetzung der diplomatischen Beziehungen – Folgen nicht vorhersehbar

Welche Folgen die Aussetzung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israelis und der Palästinensischen Autonomiebehörde haben würde, war zunächst unklar.

Bislang hatten beide Seiten ihre Sicherheitsmaßnahmen koordiniert, was als ein Grund dafür gesehen wird, dass die Gewalt in den vergangenen Jahren nicht weiter eskaliert ist. Beide Seiten haben Kontakte in verschiedenen weiteren Bereichen. Einigungen gab es zuletzt zu Fragen der Wasser- und Stromversorgung. Die Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung stehen allerdings seit Jahren still. (afp/dts)

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