Nobelpreisträger: „Luftschläge werden den IS nie besiegen“

Epoch Times17. November 2015 Aktualisiert: 17. November 2015 17:35
Die Weigerung der Länder Bodentruppen nach Syrien zu schicken, bezeichnet der Nobelpreisträger und Ex-Vizepräsident Ägyptens El Baradei als "kriminell". Das Drama in Syrien könne nur durch einen Einmarsch beendet werden.

Nach den Terroranschlägen in Paris holt die französische Regierung nun zum Gegenschlag aus. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich zu den Attentaten in Frankreich bei denen 129 Menschen ums Leben gekommen sind. Diese Tat will die französische Regierung mit verstärkten Angriffen auf IS-Stellungen in Syrien vergelten. 

Frankreich, als Teil der US-geführten Koalition, fliegt schon seit über einem Jahr Angriffe auf den IS in Syrien und dem Irak. Jetzt intensivieren die Franzosen ihr Kampf-Engagement. Auch Amerika will seine Bombardements in Syrien ausweiten. Dies würde sich nur auf Luftangriffe beschränken. 

Doch wie Effektiv sind die westlichen Bombardements aus der Luft? 

Am Sonntag flog Frankreich mindestens 30 Luftangriffe auf Rakka. Dabei wurden laut Verteidigungsministerium eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen zerstört. Die Dschihadisten erklärten aber über ihren Radiosender Al-Bajan, die französischen Kampfjets hätten nur leere Stellungen getroffen. Es gebe keine Verletzten unter den IS-Anhängern, berichtet die "Tagesschau". Da sich die Extremisten oft inmitten der Zivilbevölkerung aufhalten sind gezielte Angriffe aus der Luft oft schwierig. 

IS – Überbleibsel der Saddam Hussein-Armee

Der Islamische Staat ist eine neue Bedrohung der auch in Europa Angst und Schrecken verbreitet, sagte der Träger des Friedensnobelpreises und ehemaliger Vizepräsident Ägyptens Mohammed El Baradei im Interview mit der Zeitung  "Schweiz am Sonntag". 

Die Möglichkeiten der Dschihadisten sogar ein russisches Flugzeug abschießen zu können, überraschen El Baradei nicht.  

"Der IS ist inzwischen eine hochprofessionelle Organisation. Sein Kern stammt aus der Armee des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein. Darüber spricht man zu wenig: Die Entstehung des IS ist gewissermassen ein Kollateralschaden des Einmarsches der Amerikaner im Irak. Heute verfügt er über enorm viel Geld", so der Nobelpreisträger zur Zeitung. 

Seine finanziellen Mittel würde sich der Islamische Staat vor allem durch dem Verkauf von Öl beschaffen. Die radikalen Islamisten würden ein sehr großes Gebiet kontrollieren, größer als England. In diesen Regionen wäre das Ölvorkommen sehr hoch. Außerdem verstehe es der IS, rund um den Globus Geld und Personal zu beschaffen. Der IS rekrutierte bislang 30 000 Kämpfer aus über 100 Ländern. El Baradei sieht kein Ende des Aufstiegs der Extremisten. 

"IS nicht durch Luftangriffe zu besiegen"

Die Luftangriffe würden den Islamischen Staat nicht zerstören können, ist sich El Baradei sicher.

"Die USA bekämpfen den IS, Russland ebenso, auch die Europäer und viele arabische Staaten. Warum gelingt es dieser geballten politischen und militärischen Macht nicht, die Terrororganisation zu vernichten? Der Islamische Staat wird sich mit Luftschlägen nie besiegen lassen. Dazu bräuchte es Bodentruppen. Denn die IS-Kämpfer leben in Dörfern und Städten, inmitten der Zivilbevölkerung. Bomben aus der Luft funktionieren hier nicht, da gibt es keinen "clean war". 

Bodentruppen wolle aber kein Staat nach Syrien entsenden. 

"Diese Weigerung ist ein grosser Fehler, ja sie ist kriminell!", kritisiert El Baradei. Er fügt hinzu, dass nur ein Einmarsch dieses Drama beenden kann.

"Vier Jahre dauert es nun, und noch immer hat man nichts daraus gelernt. Unterdessen ist die halbe Bevölkerung Syriens auf der Flucht: 4 Millionen Menschen haben das Land verlassen, 7 Millionen sind innerhalb Syriens geflüchtet. Zum militärischen kommt das politische Versagen: Dass die internationale Staatengemeinschaft keine Strategie hat, um den Zerfall Syriens zu stoppen, ist unfassbar. Das jüngste Kapitel dieses Versagens ist, dass die sogenannte ‚moderate‘ Opposition in Syrien, die vier Jahre lang unterstützt wurde, sich nun dem IS angeschlossen hat".

Ein internationaler Militärschlag in Syrien wäre momentan aber auch unmöglich, da dies ein Mandat des UNO-Sicherheitsrats benötige. El Baradei meint, dass Russland sich querstellen würde, "es hat, wie die anderen vier ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, ein Vetorecht". 

IS – Ein Fall für die UNO 

Wegen des Vetorechts wäre die UNO komplett lahmgelegt, kritisiert der ehemalige Politiker. Und der Syrienkonflikt wäre seiner Meinung nach ein klarer Fall für die UNO. "Aber sie funktioniert in Sicherheitsfragen – ausgerechnet in Sicherheitsfragen! – überhaupt nicht. Das Versagen der UNO ist mörderisch: Jeden Tag sterben unschuldige Menschen. Weil die UNO zurzeit nicht reformiert werden kann, bleibt nur ein Ausweg: Man muss Russland an Bord holen." 

El Baradei meint auch, ohne die Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran werde es keine Lösung im Syrienkonflikt geben. 

"Natürlich hat Russland auf der Krim, in der Ost-Ukraine und auch mit seinem Verhalten in Syrien Probleme geschaffen. Aber ob es uns passt oder nicht: Ohne Russland gibt es in Nahost keine Lösung. Ohne den Iran übrigens auch nicht. Die Iraner haben die Hisbollah unterstützt, und sie unterstützen Assad mit Bodentruppen. Sie können jede Lösung vergessen ohne Russland und den Iran!," ist sich der Nobelpreisträger sicher.  

Außerdem brauche es eine grosse Nahost-Konferenz mit allen Beteiligten um den Konflikt in den Griff zu kriegen. Eine solche Konferenz könnte eine Allianz von drei bis fünf neutralen Staaten erwirken, so El Baradei. Bei diesem Meeting müsse man alle Themen auf die Agenda setzten: Den Syrienkonflikt, Libyen, Jemen, die Palästina-Frage, einfach alles. (so) 

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