Österreichs „Wunderwuzzi“ steuert ins Kanzleramt – Wird Kurz der jüngste Regierungschef Europas?

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz steuert bei der Parlamentswahl in Österreich am kommenden Wochenende auf einen Sieg zu und könnte damit jüngster Regierungschef in einem EU-Land werden.
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Jung und schlank: Sebastian Kurz (ÖVP), Außenminister von Österreich.Foto: JOE KLAMAR/AFP/Getty Images
Epoch Times10. Oktober 2017

Staatssekretär mit 24, Außenminister mit 27, Parteichef mit 30 – und bald vielleicht Kanzler mit 31: Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz steuert bei der Parlamentswahl in Österreich am kommenden Wochenende auf einen Sieg zu und könnte damit jüngster Regierungschef in einem EU-Land werden.

In Österreich hat er sich mit seinem rasanten Aufstieg den Spitznamen „Wunderwuzzi“ verdient – das österreichische Pendant zum Tausendsassa.

Kurz gilt als eines der größten Politik-Talente Österreichs. Geboren am 27. August 1986 als Sohn einer Lehrerin und eines Ingenieurs in Wien, schließt er sich schon als Schüler der Jungen ÖVP an, 2008 wird er deren Landesvorsitzender in der Hauptstadt und 2009 sogar Bundesvorsitzender der konservativen Partei.

Landesweit bekannt wird der Jung-Politiker bei der Wiener Landtagswahl 2010, bei der er mit dem „Geil-o-Mobil“, einem schwarzen Geländewagen, durch die Hauptstadt kurvt. Für die Kampagne handelt sich Kurz zwar viel Spott und Häme ein – er sichert sich aber sein erstes Abgeordnetenmandat im Wiener Gemeinderat.

Auch seine Ernennung zum Staatssekretär für Integration im Innenministerium im April 2011 sorgt zunächst für Skepsis und Kritik. Für den Karrieresprung bricht der 24-Jährige sein Jura-Studium ab, Kritiker bemängeln seine mangelnde Erfahrung und sein mal schnöseliges, mal draufgängerisches Auftreten.

Doch der zur Nachwuchshoffnung der ÖVP avancierte Wiener überrascht seine Kritiker durch auffallend gutes Benehmen – und einige vorweisbare Erfolge wie den Ausbau der Sprachförderung in Kindergärten. Im März 2014 übernimmt der Studienabbrecher, der über keinerlei diplomatische Erfahrung verfügt, das Außenministerium. Der 27-Jährige ist damit der jüngste Außenminister in der EU.

Wieder gibt es viele Zweifel und Vorbehalte, doch Kurz erarbeitet sich als Chefdiplomat schnell einen guten Ruf: Er gilt als pragmatisch, freundlich und immer gut vorbereitet.

Gleichzeitig geht er forsch an seine neue Aufgabe heran: In der Flüchtlingskrise gibt Kurz sich als Hardliner. Er kritisiert die deutsche Willkommenskultur, setzt in Österreich eine Obergrenze für Flüchtlinge und schließlich die Schließung der Balkanroute durch.

Im Sommer 2016 schlägt er sogar vor, Flüchtlinge im Mittelmeer abzufangen und sie direkt in ihre Heimat zurückzuschicken oder auf Inseln zu internieren – nach dem Vorbild der umstrittenen australischen Asylpolitik.

Auch in der Türkei-Politik bevorzugt Kurz scharfe Töne: Er spricht sich gegen das Flüchtlingsabkommen der EU mit Ankara aus und fordert wiederholt einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlung mit der Türkei.

Seine kontroversen Forderungen bringen dem Jungpolitiker viel Aufmerksamkeit ein, bei den österreichischen Wählern ist er populär. Als der bisherige ÖVP-Chef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner im Mai zurücktritt, wittert Kurz seine Chance und wird neuer Parteichef.

Seither formte Kurz die Partei ganz nach seinem Gusto um, verpasste ihr eine neue Farbe – türkis -, und auf Wahlplakaten taucht der Parteiname nur noch klein auf. Stattdessen werben seine Anhänger mit „Team Kurz“-Luftballons.

Mit Kurz an der Spitze führt die ÖVP inzwischen in den Umfragen, gefolgt von der FPÖ und der sozialdemokratischen SPÖ. Vor allem seine harte Haltung in Einwanderungsfragen scheint ihm dabei die Wähler zuzutreiben.

Dank eines Skandals deutlich abgekühlt ist dagegen das Verhältnis zu den Sozialdemokraten. Nach Enthüllungen über eine geheime Schmutzkampagne gegen Kurz musste deren Wahlkampfleiter zurücktreten. Eine Wiederauflage der derzeit regierenden großen Koalition aus ÖVP und SPÖ erscheint nicht sehr wahrscheinlich. Als ein möglicher Koalitionspartner gilt dagegen die FPÖ. (afp)



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