Oscar Pistorius Mordprozess: Fünf Punkte welche die Richterin bei der Urteilsfällung beachten muss (+Fotos)

Epoch Times25. August 2014 Aktualisiert: 25. August 2014 12:51

Ob Oscar Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp in Folge eines Streits oder aus Versehen erschossen hat, weiß im Moment nur der Blade Runner selbst. 

Die Anklage behauptet, dass Pistorius seine Freundin am Valentinstag im vergangenen Jahr absichtlich erschoss, während die Verteidigung von einem Unfall ausgeht. Der Athlet soll seine Freundin mit einem Einbrecher verwechselt haben und sie durch die Badezimmertür unabsichtlich erschossen haben.

Die Anwälte haben bereits ihr Schlussplädoyer gehalten. Das Urteil soll am 11. September von Richterin Thokozile Masipa verkündet werden.

Nachfolgend einige Punkte welche die Richterin berücksichtigen muss: 

Warum hat er geschossen? 

Die Anklage erhebt den Vorwurf, dass Pistorius gewusst hat, dass Steenkamp im Badezimmer war und er während eines Streits seine Pistole holte und vier Mal auf seine Freundin durch die Badezimmertür feuerte. Aus diesem Grund ist der Star-Athlet des vorsätzlichen Mordes schuldig, so die Staatsanwaltschaft.

Pistorius‘ Verteidiger Barry Roux, sagt, dass sein Mandant sehr ängstlich wäre und er dachte, dass sich in seinem Haus ein Eindringling befände. Aus diesem Grund hat der 27-jährige auf die Badezimmertür geschossen. Pistorius hätte bereits seit Jahren Angst vor Übergriffen. Er habe aus "Reflex" gehandelt, da er beinamputiert ist und bei einem Angriff nicht fliehen könnte, so Roux. 

Wann hat er geschossen?  

Die Verteidigung sagt, Pistorius erschoss Steenkamp um circa 03.12 Uhr (Ortszeit). Aber anscheinend feuerte Pistorius die tödlichen Schüsse erst um 03.17 Uhr ab. Diese fünf Minuten sind deshalb entscheidend, da Zeugen aussagten, sie hätten Steenkamp genau zu dieser Zeit schreien hören. 

Wenn die Richterin die Tatzeit der Verteidigung anerkennt, dann wäre dies jedoch die Zeit bevor die Zeugen Steenkamp schreien hörten. Dies würde die Behauptung der Verteidigung, dass Pistorius mit hoher Stimme um Hilfe gerufen hätte unterstützen. 

Wenn die Anklage die Richterin davon überzeugen konnte, dass Steenkamp bevor oder währenddessen die Schüsse fielen, geschrien hat, dann würde das bedeuten, dass die beiden einen Streit hatten und den Vorwurf des vorsätzlichen Mordes unterstützen.

[–Schlüsselbeweis–]

Die Zusammenfassung der Schlussargumente der Anklage und Verteidigung ist ein 352 Seiten schweres Dokument. Die Beweise die dem Gericht in diesen 41 Tagen überreicht wurden, belaufen sich auf mehrere tausend Seiten. 

Der Oberstaatsanwalt Gerrie Nel weist darauf hin, dass Steenkamp vollständig bekleidet war als sie erschossen wurde. Sie stand aufrecht und in der Nähe der Tür. Er argumentiert, dass dies nicht die Position von jemandem war, der Pistorius wegen eines Einbrechers schreien hörte. Die Schüsse vielen dicht hintereinander, sagt Nel. Das zeigt, dass die Schüsse gezielt abgefeuert wurden und nicht aus Angst "wild darauf losgeschossen" wurde, so der Oberstaatsanwalt.

Die Verteidigung konzentrierte sich in ihrem Schlussplädoyer auf die Chronologie der Ereignisse von 03.12 bis 03.27 Uhr. Die Anwälte sagen, dass die Aufzeichnungen der Telefongesprächen zwischen Pistorius und den Nachbarn genau mit Pistorius‘ Geschichte übereinstimmten. Die Verteidigung argumentiert weiters, dass die Zeitangabe der Staatsanwaltschaft keinen Raum dafür lässt, dass Pistorius die Bazezimmertür mit einem Cricket-Schläger eingeschlagen hat. Die Experten sind sich jedoch einig, dass Pistorius die Tür einschlug. 

Polizei Manipulationen vs Pistorius Lügen 

Pistorius erzählte, dass er in der Tatnacht aus dem Schlafzimmer ging um zwei Ventilatoren zu holen. Das wäre der Grund dafür gewesen, dass er nicht bemerkte, dass Steenkamp aus dem Schlafzimmer und ins Bad ging.

Die Staatsanwälte sagten jedoch, dass seine Ventilatoren-Geschichte eine Lüge wäre. Er hätte diese erfunden um die Behauptung, dass er Steenkamp für einen Eindringling hielt, zu untermauern. 

Der Chef Verteidiger Barry Roux besteht darauf, dass polizeiliche Ermittler einige Möbel im Schlafzimmer verschoben hätten. Roux sagte, dass auch andere Beweise von den Polizisten zerstört wurden.  

Optionen der Richterin  

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Richterin Masipa könnte Pistorius wegen vorsätzlichen Mord verurteilen. Sie könnte ihn aber auch wegen fahrlässiger Tötung verurteilen. Wenn Masipa glaubt, dass er nicht die Absicht hatte seine Freundin zu töten könnte sie ihn auch völlig frei sprechen.

In Südafrika erhält man für einen vorsätzlichen Mord eine Mindesthaftstrafe von 25 Jahren bis lebenslänglich. Mord ohne Vorsatz würde 15 Jahre Haft bedeuten und fahrlässige Tötung mit einer Schusswaffe mindestens fünf Jahre Gefängnis. 

Rechtsexperten sagen, dass eine Verurteilung wegen Fahrlässigkeit für Pistorius jedoch eine längere Haftzeit als fünf Jahre bedeuten würde, da er seine Waffe mehrmals hintereinander auf einen kleinen Raum abfeuerte. (so)  

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