Politische Inzucht: Harvard-Professor fürchtet um Qualität linkslastiger Bildungseinrichtungen

Von 20. September 2018 Aktualisiert: 20. September 2018 19:31
Harvard-Juraprofessor Cass R. Sunstein hat in einem Kommentar für "Bloomberg" vor einer zunehmenden politischen Einseitigkeit an US-amerikanischen Universitäten gewarnt. Je mehr diese zu linksliberalen Echokammern würden, umso mehr leide deren Qualität und umso weniger gewinne man talentierte Mitarbeiter.

In einem Kommentar für das Nachrichtenportal „Bloomberg“ zitiert Cass R. Sunstein, Professor für Rechtswissenschaften an der Universität Harvard, Studien, die belegen, dass höhere Bildungsstätten in den USA immer mehr zu ideologischen Echokammern werden. Dies, so befürchtet Sunstein, könne auf die Qualität der dortigen Forschung und Lehre erheblich nachteilige Auswirkungen haben.

Eine vor einigen Monaten präsentierte Studie von Mitchell Langbert vom betriebswirtschaftlichen Institut am Brooklyn College unterstreicht die zunehmende Sorge über eine einseitige linkslastige Ausrichtung von Hochschulen und Universitäten. Im Zuge dieser Erhebung wurden die politischen Affinitäten von Fakultätsmitgliedern an 51 der 66 medial bestgereihten Einrichtungen des Jahres 2017 untersucht.

Das Ergebnis war eindeutig: Das Verhältnis zwischen bekennenden Demokraten und Republikanern war in fast allen Bereichen deutlich ungleichmäßig.

Ausgerechnet in Religionswissenschaften war das Verhältnis zwischen den als areligiös geltenden Demokraten und den von streng gläubigen Menschen überdurchschnittlich gewählten Republikanern 70 zu 1. In Musik lag es bei 33:1, in Biologie bei 21:1, in Philosophie, Geschichte und Psychologie bei 17:1 und bei den Politikwissenschaften 8:1.

Naturwissenschaftliche Bereiche und Militärakademien ausgewogener besetzt

Ausgewogener ist die Relation nur in naturwissenschaftlichen Bereichen wie Physik oder Mathematik (6:1) sowie Chemie (5:1), ähnlich sieht es bei den Wirtschaftswissenschaften aus. Mit 1,6:1 am ausgewogensten ist das Verhältnis bei den Ingenieurswissenschaften. Die Relationen berücksichtigen keine Teilnehmer, die sich nicht deklariert haben und weichen zum Teil dramatisch voneinander ab, je nach Einrichtung.

Sie reichen von 120:1 und höher an den Einrichtungen in Wellesley, Williams und Swarthmore bis zu 2,3 oder 1,3 zu 1 an den Militärakademien Annapolis und West Point. In mehr als einem Drittel der untersuchten Bildungseinrichtungen bekannte sich überhaupt kein Beschäftigter zu den Republikanern.

Sunstein hält dieses Missverhältnis vor allem aus zwei Gründen für alarmierend. Zum einen, so meint er, könnte dies auf eine mögliche politische motivierte Diskriminierung bei Einstellungen hindeuten. Diese müsse nicht einmal auf einer eindeutigen Absicht beruhen, es könnte vielfach eine unterbewusste Abwertung von Menschen eine Rolle spielen, die sich nicht in die dominante Sichtweise fügen:

Zum Beispiel könnten junge Historiker, die eine kritische Auffassung zum New Deal von Franklin Roosevelt vertreten, keine Jobangebote erhalten. Oder talentierte Menschen steuern von vornherein keine akademische Karriere an, weil sie befürchten, ihre potenziellen Professoren könnten ihre Arbeit nicht wertschätzen.“

Dazu käme, dass die Qualität der Ausbildung leide und Fakultätsmitglieder mit größerer Wahrscheinlichkeit nichts voneinander lernen, wenn es eine vorherrschende politische Orthodoxie gibt. Es bilden sich Informationskokons. Eine Abteilung für politische Wissenschaft mit 24:2 Demokraten lasse Zweifel, ob Studenten tatsächlich eine angemessene Bandbreite an Meinungen kennen lernen.

Ideologische Monotonie verhindert Weiterentwicklung

In manchen Bereichen spiele die politische Zugehörigkeit schlichtweg keine Rolle, betont Sunstein. Es sei völlig irrelevant, ob ein Chemiker, Mathematiker, Ingenieur oder Physiker Demokrat oder Republikaner sei. Auch bei der Bewerberauswahl werde dort in erster Linie darauf geachtet, ob jemand fachlich geeignet sei.

In einer Reihe anderer Zweige wie Geisteswissenschaften, Politikwissenschaften oder auch Rechtswissenschaften mache ein politischer Bias hingegen durchaus einen Unterschied:

Wenn akademische Stellenbesetzung entlang ideologischer Linien erfolgt, wird der Marsch in die Uniformität eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Potenzielle Professoren haben dann einen Anreiz, sich der vorherrschenden Orthodoxie zu fügen – oder zumindest so zu tun, als ob.“

Selbstverständlich könne, so Sunstein, nicht verlangt werden, dass Fakultäten nach Quoten besetzt werden sollten, um Amerika so abzubilden, wie es tatsächlich sei. Es sei aber ein Imperativ für alle Lehrenden in Bereichen ohne ideologische Vielfalt, andere Standpunkte zumindest auf eine faire und respektvolle Weise darzulegen. Zum anderen sei es wichtig, sich um Sprecher, Professoren oder Mitarbeiter mit abweichenden Auffassungen zumindest zu bemühen. Von Fakultäten, so Sunstein, könne zwar nicht erwartet werden, dass sie ein Spiegel der Gesellschaft seien, Studenten und Lehrer sollten aber auch nicht Echokammern leben.

Der Harvard-Professor zitiert dazu John Stuart Mill mit dessen Worten:

„Man kann es kaum hoch genug bewerten, … Menschen in Kontakt mit Personen zu bringen, die anders sind als sie selbst und die Denk- und Handlungsweisen zeigen, die den anderen nicht vertraut sind. Eine solche Form der Kommunikation war und ist vor allem heute eine der bedeutsamsten Quellen des Fortschritts.“

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