Politisches Gewitter? Gipfeltreffen der BRICS-Staaten in Ufa ab Mittwoch

Epoch Times8. Juli 2015 Aktualisiert: 8. Juli 2015 10:05
Die wichtigsten politischen Treffen des Jahres beginnen am Mittwoch in Ufa: Die Präsidenten der BRICS-Staaten und die der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (Russland, China, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan) beraten über den weiteren Weg.

Die wichtigsten Gipfeltreffen des Jahres beginnen am Mittwoch in Ufa. Die Präsidenten der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) und die der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO / Russland, China, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan) treffen sich vom 8. – 10. Juli. Das Jugendtreffen findet vorher vom 4. – 7. Juli in Kazan, 530 Kilometer entfernt von Ufa, statt.

Livestream: ufa2015.com

Ob es ebenso extremen Sicherheitsmaßnahmen unterliegt wie die Bilderberger und der G7-Gipfel, kann man nicht sagen. Jedoch kann man jetzt schon sagen, dass große Politik gemacht wird. Sie verhandeln ohne die USA und die EU und viele Menschen setzen große Hoffnung darein. Bisher wird es von den Leitmedien dezent und auffällig zugleich verschwiegen.

Einige Eckpunkte in Vorbereitung des BRICS-Treffens

Russland und China haben sich gegen die Einkreisungspolitik, die die USA gegen sie betreibt, zu einer Art Kernallianz zusammengetan. Beide wollen ihre wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit ausbauen und die Differenzen, die es zwischen ihnen gibt, am Verhandlungstisch lösen.

Russland kann problemlos seine Rohstoffe in China verkaufen, aber die Preise, die vor 30 Jahren ausgehandelt wurden, sind zwar für China sehr günstig, für Russland nicht mehr. Auch für die neuen Ölpipelines, die geplant sind, muss Russland in Vorleistung gehen.

China seinerseits investiert Milliarden in neue Verkehrsverbindungen in Zentralasien, was in Konkurrenz zu dem Verhältnis zwischen Russland und Turkmenistan bzw. Kasachstan stehen kann. Bisher waren diese Länder zum Export ihrer Öl- und Gasvorkommen auf russische Ölpipelines angewiesen, das wird sich bald ändern.

Die Gründung der AIIB mit einer Teilnehmerzahl von 57 Staaten stellt die Zusammenarbeit aller auf eine neue Ebene. die Bank agiert nicht in Dollar, was die USA als Angriff empfinden.

China und Russland werden in lokalen Währungen handeln

Mittlerweile sind die BRICS-Staaten ein Gegenpol zu den USA und Europa: rund 40 Prozent der Weltbevölkerung und ca. 20 Prozent der Weltwirtschaftsleistung werden hier gebracht.

Das wirtschaftliche Schwergewicht darin ist China, Indien hat extreme Bedeutung für den IT-Bereich, in dem sie Weltmaßstab sind. Russland, Brasilien und Südafrika verlassen sich bisher mehr auf ihre gewaltige Rohstoffbasis. Brasilien und Südafrika konzentrieren sich mehr auf ein Aufholen der Entwicklung im eigenen Land. Indien bemüht sich, zu Moskau, Peking und Washington gute Beziehung aufrecht zu erhalten.

Keines der BRICS-Länder hat sich den Sanktionen von USA und EU gegen Russland angeschlossen. Ganz im Gegenteil, Brasilien übernahm einen Teil der Marktlücke, die im Bereich der Agrarprodukte entstanden ist.

BRICS – der Name an sich – entstand aus dem Slang der Investmentbanker. Der Chefvolkswirt von Goldmann Sachs benannte 2001 die vier aus Investorensicht interessantesten Länder auf diese Art und Weise. Es waren Märkte, die halbkapitalistisch waren, aufholende Länder mit großen Metropolen, in denen überdurchschnittliche Wachstumszahlen erwartet wurden.

Eine politische Zusammenarbeit zwischen diesen vier Ländern gab es damals noch nicht. 2006, am Rande der UNO-Vollversammlung trafen sich die vier Außenminister und mit geübter russischer Diplomatie und vielen Ideen vereinbarten sie ihre gemeinsame Arbeit. 2010 wurde auf chinesischen Wunsch hin Südafrika hinzugenommen.

SCO – Rückversicherungspakt gegen westlich inspirierte Regimewechsel

Die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit vereint Russland, China und die vier ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan. Ihnen ist gemeinsam, dass sie Ziele der Islamisten geworden sind, der afghanische Krieg droht immer wieder nach Tadschikistan überzugreifen.

Ihr Hauptziel ist, den Terrorismus zu bekämpfen und die innere Sicherheit – ohne fremde Einmischung – zu gewährleisten.

„Die SCO ist im Grunde ein Rückversicherungspakt gegen westlich inspirierten »Regime change« in Eurasien. Mehrere andere Staaten der Region von der Türkei über Iran bis zur Mongolei haben Interesse an einer Mitarbeit geäußert, doch eine überhastete Erweiterung der SCO scheint nicht vorgesehen zu sein.“ Schreibt die Zeitung Junge Welt am Wochenende.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN

Indien und Pakistan haben beide Beobachterstatus in der SCO. Es wäre in der asiatischen Welt ein Novum, wenn beide Länder beitreten und ihre Region auf diese Weise stabilisieren. Denkbar ist es oder wird es.

Die SCO hat das Potential, gegen die Strategie der USA im asiatischen Bereich zu agieren – einfach, indem ein weiteres unabhängiges Machtzentrum entsteht.

Ufa – die Gastgeberstadt

Beide Treffen finden parallel in Ufa, am südlichen Ural und damit an der Grenze zwischen Europa und Asien, statt.

Ufa ist Hauptstand der Republik Baschkortostan (früher: Baschkirien) und eine wohlhabende und florierende Region. Es ist ein moderner Industriestandort (Chemie, Raffinerien, Rüstungsindustrie) auf der Basis von Ölvorkommen.

Nebenbei befindet sich in Ufa der Sitz der »Geistlichen Hauptverwaltung« für die russischen Muslime, die sich ihrerseits bemühen, den Islam so zu leben, dass er einerseits staatstragend, andererseits mit einer multikulturellen Gesellschaft – der russischen – vereinbar ist.

BRICS-Jugendgipfel findet vom 4.-7. Juli 530 Kilometer entfernt in Kazan statt

Vom 4. bis 7. Juli treffen sich bereits mehr als 300 Teilnehmer zum ersten BRICS Jugendgipfel. Die Staaten wollen gemeinsam eine Netzwerkuniversität etablieren, um einheitliche Bildungsstandards, Programme und Ansätze der Lehre einzuführen.

Sie werden und haben bereits über „Wirtschaft, Politik, Information, Wissenschaft, Technologie und Energiezusammenarbeit" gesprochen, wie eine offizielle Erklärung berichtete.  

Die Vereinten Nationen drängen die BRICS-Staaten, sich auf die Schaffung von Arbeitsplätzen für die Jugend zu konzentrieren. Der Hintergrund ist, dass es 2014 weltweit mehr als 1,2 Milliarden Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren gab.

Es gibt mehrere Programme, um Arbeitsplätze für junge Menschen in den BRICS-Ländern zu fördern. Sie unterteilen sich in Workfare, Technische oder Berufliche Ausbildung und die Schaffung von Krediten in die Selbstständigkeit und damit die Förderung von Unternehmertum. (ks)

Weitere Artikel:

BRICS-Staaten unterzeichnen Abkommen für Forschung und Innovation

Viertgrößter in der AIIB: Deutschland

AIIB Gründung in Peking: 57 Staaten starteten Chinas neue Weltbank

SPIEF 2015-Liveticker: Asiatisch-Pazifischer Raum – wichtigste Quelle der weltweit wachsenden Nachfrage nach Waren und Dienstleitungen