Richtige Vorhersagen wurden ignoriert

Von 14. Mai 2008 Aktualisiert: 14. Mai 2008 18:21
Der chinesische Seismologe Geng Qingguo hat die Pekinger Regierung bereits im April auf das bevorstehende Erdbeben in Sichuan hingewiesen. Seine Vorhersage über konkrete Zeit, Ort und Grad dieses Erdbebens wurde, genauso wie seine Vorhersage über die Erdbeben in Tangshan vor 30 Jahren, völlig ignoriert. Die chinesische Bevölkerung richtet ihre Kritik auf die Regierungsverantwortlichen.

„Der Seismologe Geng Qingguo ist in tiefste Trauer geraten, sein Herz blutet“, schrieb der Geologe Li Shihui in seinem Blog in der Nacht am 12. Mai, dem ersten Tag des Bebens.

„Am 27. und 28. April 2008 hatte das Komitee für die Vorhersage von Katastrophen in der chinesischen Akademie der Geophysik nach gemeinsamer Diskussion die Einschätzung getroffen, dass zwischen Mai 2008 und April 2009 in dem Gebiet südlich von Lanzhou, an der gemeinsamen Grenze der Provinzen Sichuan, Gansu und Qinghai Erdbeben mit einer Stärke sechs bis sieben möglicherweise vorkommen würden. Dieser Report des Komitees wurde am 30. April als Geheimdokument an das staatliche Büro für Erdbeben weitergegeben.“

„Der Seismologe Geng hat bereits im Jahr 2006 konkret vorhergesagt, dass die Gefahrenphase eines Erdbebens mit einer Stärke von über sieben in der Region Aba in der Provinz Sichuan am 8. Mai 2008 (plus minus 10 Tage) liegt.“ Geng ist Wissenschaftler des staatlichen Büros für Erdbeben und stellvertretener Leiter des Komitees für die Vorhersage von Katastrophen in der chinesischen Akademie der Geophysik.

Vorhersage über das Erdbeben in Tangshan

„Nach seiner Methode sagte er im Jahr 1972 das große Erdbeben in Tangshan im Jahr 1976 voraus. Damals kamen 240.000 Menschen ums Leben. Sein Forschungsergebnis störte die Interessen einiger Funktionäre, weswegen Geng aus dem Vorhersage-Arbeitsteam ausgeschlossen wurde, man versetzte ihn in den Zeitungsverlag für Erdbeben“, schrieb der Geophysiker Li Shihui weiter im Blog.

Reaktion im chinesischen Blog

Das Schreiben von Herrn Li Shihui löst eine sofortige Kritik einer großen Anzahl chinesischer Blogger gegen die Ignoranz und Unverantwortlichkeit der Regierung aus:

„Ich bin ein Überlebende des Tangshan Erdbebens. Hier haben Menschen in Tangshan alle eine grosse Abneigung gegen das staatliche Erdbebenbüro. Starke Erdbeben wurden nicht vorhersagt, mindestens 240.000 Menschen sind in Tangshan gestorben. 32 Jahre später wurde wieder nicht vor einem starken Erdbeben gewarnt. Wozu sollen wir mit unserem Steuergeld ein so unverantwortliches und unfähiges Erdbebenbüro leisten? Die Verantwortlichen müssen zurücktreten!“

„Wenn wir ein bisschen früher von diesen Erdbeben erfahren könnten, würden nicht soviele Menschen sterben!“

„In China gibt es nur korrupte Beamte, warum kümmert sich niemand um uns? Zu dunkel! Zu traurig! Ist dieses Erdbeben eine Naturkatastrophe oder doch ein menschliches Versagen?“

„Ich bin auch ein Ingenieur und habe ein Gewissen als Naturwissenschaftler. Als ich sah, wie heute bei der Pressekonferenz die Beamten vom Seismologischen Büro immer nur mit Wortspielen antworteten, fühlte ich mich lächerlich gemacht. Die chinesische Bevölkerung ist nicht dumm, ich finde es ekelhaft, dass es in China solche Beamten gibt!“

Nach offiziellen Angaben hat das grosse Erdbeben im Nordwesten der chinesischen Provinz Sichuan bis heute 19 Uhr Peking Zeit den Tod von mehr als 12.000 Menschen verursacht. Die Anzahl steigt noch weiter.

Das Beben von Tangshan am 28. Juli 1976 in der Provinz Hebei war mit einer Stärke von 8,2 auf der Richter-Skala und geschätzten 800.000 Todesopfern die schlimmste Naturkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Nach offiziellen Angaben Chinas kamen bei einer Bebenstärke von 7,8 insgesamt 242.419 Menschen ums Leben.

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