Risiko Alibaba-Aktie: Bizarre Hintergründe über Jack Ma und seine mächtigen Freunde aus China

Von 25. September 2014 Aktualisiert: 25. September 2014 17:55

Wer die Alibaba-Aktie kauft, sieht mit großer Wahrscheinlichkeit sein Geld nie wieder. Dies haben amerikanische Experten weit deutlicher ausgesprochen als die deutsche Presse, welche derzeit nahezu unkritisch über den Alibaba-Börsengang berichtet.

Verdienen wird am „größten Börsengang aller Zeiten“ vor allem Chinas roter Kommunisten-Adel. Und dies ist im Fall von Alibaba eine Personengruppe, der zu Hause das Wasser bis zum Hals steht – Leute, die großes Interesse daran haben, ihr Vermögen ins Ausland zu schleusen und an Geld in Form von Dollars zu kommen. Der Alibaba-Börsengang ist dazu ein legaler Kanal. Schon im IPO-Antrag, den Alibaba bei der Security and Exchange Commission (SEC) in New York einreichte, stehen ein paar Dinge, die denkende Börsianer stutzig machen sollten.

IPO ohne Sperrfrist, nanu?

So gab es beim Alibaba-IPO zum Beispiel keine Sperrfrist für institutionelle Anleger. In Deutschland ist eine Sperrfrist zwischen 6 und 18 Monaten üblich, damit der Kurs der neu ausgegebenen Aktien nicht durch den sofortigen Verkauf großer Pakete fällt.

Beim Alibaba-IPO gab es kein Verkaufsverbot für diese Großaktionäre, was ungewöhnlich ist. Vor dem Börsengang gehörten diesen Senior-Anteilseignern Alibaba-Aktien im Wert von rund 8 Milliarden Dollar, was ein Drittel des gesamten Aktienvolumes ausmachte.

Ein Hongkonger Funds-Manager, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber EPOCH TIMES dazu: „Die Maßnahme, auf die Sperrfrist zu verzichten, ist für die Alibaba-Geschäftspartner wie maßgeschneidert. Es sieht so aus, als wollte man dadurch schnelles Geld verdienen – ohne Rücksicht auf die Stabilität der Aktie. Dies ist den anderen Investoren gegenüber sehr unverantwortlich.“

Und das verdienen die Alibaba-Macher

Einige der Großaktionäre und ihre Verkaufsabsichten wurden bereits im IPO-Antrag von Alibaba genannt – und die Personen haben illustren politischen Hintergrund. Der 28-jährige Enkel von Chinas 88-jährigem Ex-Staatschef Jiang Zemin ist da noch der kleinste Fisch im Haifischbecken: Alvin Jiang möchte über seine Firma Yubo Capital 1,28 Millionen Alibaba-Aktien verkaufen, was ihn beim geplanten Ausgabe-Preis von 65,86 US-Dollar auf einen Schlag 84,31 Millionen Dollar reicher macht. Realiter lag der Ausgabepreis sogar bei 68 Dollar.

Doch es gibt noch zwei größere Anteilseigner mit monumentalen Verkaufsabsichten: Die Investment-Firma CITIC Capital zum Beispiel, deren Geschäftsführerin die Schwiegertochter des legendären chinesischen Generals Zhang Zhen ist, der demnächst 100 Jahre alt wird und zusammen mit Mao den blutigen Bürgerkrieg gewann, der zur Gründung der kommunistischen „Volksrepublik China“ führte. Chen Xiao Ying beabsichtigt, durch CITIC ganze 4,91 Millionen Alibaba-Aktien zu verkaufen und würde dadurch rund 320 Millionen Dollar einstreichen.

Ein weiterer Alibaba-Eigner ist CDB Capital, eine Tochter der China Development Bank. Der Ex-Chef dieser Investment-Firma war ein gewisser Chen Yuan, Sohn von Chen Yun, einem der einflussreichsten Kader der KP-Geschichte und treuer Deng Xiaoping-Genosse. Beim Sturz des KP-Politstars Bo Xilai im Jahr 2012 verließ Chen Yuan das Unternehmen. Seine Beziehung zur Familie Bo war wirklich eng. So eng, dass seine Tochter die Freundin von Bos Sprössling Bo Guagua war. Diese Romanze wurde jedoch noch rechtzeitig vor Bos Sturz beendet.

Nun plant CDB Capital den Verkauf von 5,48 Millionen Alibaba-Aktien. Erwartete Einnahmen: Über 360 Millionen US-Dollar.

Politische Verstrickungen

Da Alibaba solch tiefverzweigte politische Hintergründe besitzt, vermuteten chinesische Beobachter, dass der IPO nichts anderes ist, als eine gigantische Kapitalflucht-Aktion. Denn was gibt es Praktischeres, als einen fiktiven Wert (Aktie) zu verkaufen und dafür bares Geld in Dollar zu bekommen? Richtig problematisch ist die Sache jedoch auch wegen der internen politischen Situation in China. Da die Alibaba-Leute alle zur Clique des 88-jährigen Ex-Staatschef Jiang Zemin gehören, stehen sie potentiell alle auf der Abschuss-Liste des amtierenden Staatschefs Xi Jinping. Xis Strategie bei der Beseitigung seiner politischen Gegner ist derzeit der „Kampf gegen die Korruption“. Als Freunden von Jiang Zemin droht den Alibaba-Machern die ganz reale Gefahr, selbst als „korrupt“ eingestuft zu werden und sich enteignet im Gefängnis wieder zu finden. Und dann wäre das Geld der Investoren endgültig weg …

Jack Ma, dessen Karriere vom arbeitslosen Englischlehrer zum reichsten Mann Chinas derzeit niemand wirklich zu wundern scheint, lächelt jedoch all diese Probleme im Blitzlichtgewitter hinweg. Und die Medien kaufen ihm seine erstaunliche Erklärung für den „Erfolg“ von Alibaba unhinterfragt ab: Schon 2006 sagte Ma: Er habe viele Freunde, die für die Regierung arbeiteten, doch Geschäfte mache er nicht mit dem Staat. „Die Regierung liebt uns, weil wir Arbeitsplätze schaffen und Menschen helfen, Geld zu verdienen.“

Wo bei Alibaba bereits gemogelt wurde

Auch in anderer Hinsicht bekommt der Deal „Wir geben euch Alibaba-Aktien – und ihr gebt uns dafür euer Geld …“ einen unschönen Beigeschmack. Denn die Frage ist: Was ist die Alibaba-Aktie tatsächlich wert?

Am 2. September berichtete die Financial Times (FT), dass die immer neuen Umsatz-Rekorde von Chinas Ecommerce-Branche gar nicht auf realen Geschäften basieren: Die Online-Anbieter Tmall und Taobao veranlassen nämlich ihre eigenen Freunde und Familienangehörigen, Bestellungen aufzugeben! Diese Fake-Bestellungen machten laut der FT bis zu 10-25 Prozent der Unternehmensumsätze aus. Tmall und Taobao sind Alibaba-Töchter, die in China derzeit einen Marktanteil von 80 Prozent haben. Ob also die Umsatzzahlen stimmen, die Alibaba bei der SEC in seinem IPO-Werbeprospekt angab, darf bezweifelt werden. Dort hatte es geheißen, dass bis zum 30. Juni 2014 insgesamt 14,5 Milliarden Bestellungen abgewickelt worden seien. Der Gesamtwert dieser Geschäfte habe 296,6 Milliarden Dollar betragen, das 3,5-fache des weltweiten Ebay-Geschäftes.

So wurden Hongkonger Aktionäre 2011 enteignet

Focus Money erinnerte in einer aktuellen Analyse über „Die Schattenseiten des Internet-Giganten Alibaba“, dass Jack Ma und die Konzernspitze schon einmal Aktionäre über den Tisch gezogen haben: Im Jahr 2011 enteigneten sie still und heimlich die Aktionäre des Online-Payment-Anbieters Alipay an der Hongkonger Börse, indem sie den Dienst diskret aus dem Unternehmen ausgliederten. Nicht mal der Großaktionär Yahoo wurde damals über diesen Schritt informiert und erst nach lautstarken Protesten und zähen Verhandlungen erhielt der US-Konzern eine Entschädigung in Form von Verwertungsrechten an Alipay.

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