Verurteilung: Gericht spricht russischen Starregisseur Serebrennikow in umstrittenem Betrugsfall schuldig

Epoch Times26. Juni 2020 Aktualisiert: 26. Juni 2020 14:51
Ein Gericht in Moskau hat den Starregisseur Kirill Serebrennikow wegen angeblicher Unterschlagung öffentlicher Gelder schuldig gesprochen. Serebrennikow und zwei Mitangeklagte hätten "einen Betrug in besonders großem Ausmaß begangen", urteilte der zuständige Richter.

Ein Gericht in Moskau hat den Starregisseur Kirill Serebrennikow wegen angeblicher Unterschlagung öffentlicher Gelder schuldig gesprochen. Serebrennikow und zwei Mitangeklagte hätten „einen Betrug in besonders großem Ausmaß begangen“, sagte der Richter bei der Verlesung des Urteilsspruchs am Freitag. Das Strafmaß gab er noch nicht bekannt. Das Verfahren hatte in Russland und international für Kritik gesorgt.

Der 50-jährige Serebrennikow soll laut Anklageschrift zusammen mit Kollegen eine kriminelle Vereinigung gebildet und umgerechnet mehr als 1,7 Millionen Euro an staatlichen Geldern unterschlagen haben, die für ein Theaterprojekt gedacht waren. Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag sechs Jahre Gefängnis für den prominenten Regisseur gefordert.

Serebrennikow hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und die Anklage als „absurd“ bezeichnet. Das Geld sei korrekt verwendet worden.

Serebrennikow war im August 2017 festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Erst im April 2019 durfte der Regisseur seine Moskauer Wohnung wieder unbeschränkt verlassen, ihm wurde allerdings ein Ausreise-Verbot auferlegt.

Vorgehen der Justiz gegen Regisseur als politisch motiviert kritisiert

Das Vorgehen der Justiz gegen den bekannten Regisseur wurde als politisch motiviert kritisiert. Russische und internationale Künstler protestierten gegen den Strafprozess gegen Serebrennikow, darunter der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff und die Schauspielerin Nina Hoss.

2012 hatte Serebrennikow die Leitung des kleinen, staatlich geförderten Gogol-Zentrums in Moskau übernommen und es zu einem der angesagtesten Theater der Stadt gemacht. Obszöne Sprache und Nacktheit auf der Bühne sowie die moderne Umsetzung alter Klassiker brachten ihm jedoch auch Ärger konservativer Kreise ein.

Kanzlerin Merkel sowie internationale Stars hatten sich für Filme- und Theatermacher eingesetzt

Das Verfahren steht international als politischer Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland in der Kritik. Auch Kanzlerin Angela Merkel sowie internationale Stars hatten sich für den Filme- und Theatermacher eingesetzt.

Der mit vielen Preisen ausgezeichnete Regisseur hatte zuletzt im März in Abwesenheit für das Deutsche Theater in Berlin das Stück „Decamerone“ inszeniert. Die russische Justiz wirft dem Chef des Moskauer Gogol-Zentrums vor, Fördergelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Mit ihm sind drei weitere Mitarbeiter angeklagt. Sie sollen nach dem Willen der Anklagebehörde vier beziehungsweise fünf Jahre ins Gefängnis. Der Regisseur beteuerte stets seine Unschuld.

Der Strafprozess wird von zahlreichen russischen und internationalen Kulturschaffenden als Rachefeldzug ultrakonservativer Kreise gegen den liberalen Künstler gesehen. Auch die politisch einflussreiche russisch-orthodoxe Kirche stört sich an seinen bisweilen gesellschaftskritischen Filmen. Tausende prominente Kulturschaffende in Russland forderten die Kulturministerin Olga Ljubimowa auf, die Anschuldigungen gegen Serebrennikow und sein Team fallenzulassen.

Serebrennikow hat auch in Stuttgart und Hamburg inszeniert

In dem Verfahren gab es immer wieder Wendungen. Im vergangenen Jahr kam Serebrennikow nach mehr als anderthalb Jahren im Hausarrest auf freien Fuß. Er durfte zwar arbeiten, aber die Stadt nicht verlassen. Im September hatte eine Richterin den Fall wegen Widersprüchen und fehlender Details in der Anklage an die Generalstaatsanwaltschaft zurückgegeben. Diese hatte daraufhin Berufung eingelegt und sich durchgesetzt, dass ein anderes Gericht den Fall verhandelt.

Serebrennikow, der auch in Stuttgart und Hamburg inszeniert hat, wurde im Sommer 2017 wegen angeblicher Veruntreuung festgenommen. Im Sommer vorigen Jahres hatte ein Gutachten Serebrennikow entlastet. (dpa/afp)

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN

Eine Buchempfehlung vom Verlag der Epoch Times

Wer hat die Weltherrschaft? Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Immer klarer wird, dass die Geschichte der Menschheit nicht so ablief, wie sie heutzutage gelehrt wird. Das Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ gibt die lange gesuchten Antworten. Das sozialistische System in Osteuropa war voll und ganz ein Produkt der Sowjetunion. Als die Sowjetunion nur ein wenig locker ließ, begann der Sozialismus in Osteuropa sofort zu verschwinden.

Das Paradebeispiel ist der Fall der Berliner Mauer. Am 6. Oktober 1989 hielten viele Städte in Ostdeutschland massive Proteste und Märsche ab und stießen mit der Polizei zusammen. Zu der Zeit war gerade Gorbatschow zu Besuch in Berlin und erklärte dem Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Erich Honecker: „Der einzige Ausweg besteht darin, die Chance zu ergreifen und zu reformieren.“

Sofort im Anschluss lockerte Ostdeutschland die Reisebedingungen nach Ungarn und in die Tschechoslowakei sowie nach Polen. So konnten sehr viele Menschen über die Tschechoslowakei nach Westdeutschland überlaufen. Selbst die Berliner Mauer konnte die Wellen von fliehenden Staatsbürgern nicht mehr länger aufhalten. Am 9. November gab der Osten die Teilung auf, so dass Zehntausende über die Mauer kletterten und damit nach West-Berlin gelangten, wobei sie die Mauer zertrümmerten. Das Symbol des kommunistischen eisernen Vorhangs, das Jahrzehnte gestanden hatte, verschwand in der Geschichte.

Hier weitere Informationen und Leseproben.

ISBN Band 1: 978-3-9810462-1-2, Band 2: 978-3-9810462-2-9, Band 3: 978-3-9810462-3-6, Drei Bände 1-3: 978-3-9810462-6-7. Einzeln kostet jeder Band 19,90 Euro (zzgl. 2,70 Euro Versandkosten), alle drei Bände gemeinsam sind im Moment noch zum Sonderpreis von 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands) zu erwerben. Das Buch hat insgesamt 1008 Seiten und über 1200 Stichworte im Indexverzeichnis.

Bestellmöglichkeiten: Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich in unserem neuen Online-Buch-Shop, bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Das Buch gibt es auch als E-Book und als Hörbuch

Das E-Book gibt es in den Formaten PDF, EPUB oder MOBI. Das Hörbuch bieten wir im MP3-Format zum Download an. Einzeln kostet jeder Band 17,90 Euro, alle drei Bände sind im Moment noch zum Sonderpreis von 43,00 Euro zu erwerben. E-Books und Hörbücher sind in unserem neuen Online-Buch-Shop oder direkt beim Verlag der Epoch Times bestellbar – Tel: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Schlagworte, ,