Russland: Atom-U-Boote müssen warten – Unfall wirft Hyperschall-Programm zurück

Von 14. August 2019 Aktualisiert: 14. August 2019 19:33
Die mutmaßliche Explosion eines atomaren Antriebs für eine Riesendrohne des Typs Burewestnik bedeutet einen Rückschlag für die Ambitionen der Russischen Föderation, sich selbst im Bereich der Hyperschalltechnologie abzusetzen. Nach dem Vorfall wurde in einer nahe gelegenen Stadt erhöhte Radioaktivität festgestellt.

Einen gravierenden Rückschlag für das ambitionierte Rüstungsprogramm, das Präsident Wladimir Putin im März des Vorjahres in seiner Rede zur Lage der Nation angekündigt hatte, hat die Russische Föderation mit der Explosion der Riesendrohne Burewestnik [„Sturmvogel“, in der NATO wird vom Projekt „Skyfall“ gesprochen; d. Red.] in der Vorwoche hinnehmen müssen.

Wie am Donnerstag der Vorwoche erstmals bekannt wurde, starben mindestens sieben Menschen, darunter fünf Experten des staatlichen Atomtechnologieunternehmens Rosatom, als bei einem Test in der Arktis ein geheimer Antrieb für einen der Lenkflugkörper explodierte. Darüber hinaus soll Radioaktivität freigesetzt worden sein.

In der 30 Kilometer vom Testgelände Nyonoska entfernten 200 000-Einwohner-Stadt Sewerodwinsk soll es über eine halbe Stunde hinweg zu einer Verzwanzigfachung der gemessenen natürlichen Radioaktivität gekommen sein. Menschen deckten sich mit Jodtabletten ein, vereinzelt wurden Szenarien ähnlich der Situation nach dem Unglück 1986 im Sowjet-Reaktor Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Pripjat deutlich. Nach zwei Stunden sei die erhöhte Radioaktivität jedoch wieder abgeklungen.

Burewestnik sollte noch in diesem Jahr Atom-U-Booten zur Verfügung stehen

Wie „Daily Mail“ berichtet, sollte der in der Testphase befindliche Burewestnik eine Testreihe durchlaufen, ehe er an die Marine des Landes zum Zwecke der Bestückung russischer Atom-U-Boote ausgeliefert werden soll.

Der Lenkflugkörper soll auf Grund seiner Ausstattung mit einem Atomantrieb als Hyperschallwaffe in der Lage sein, sich mit einer Geschwindigkeit von 11 000 Stundenkilometern, also etwa neunfacher Schallgeschwindigkeit, Zielen annähern zu können. Konventionelle Abwehrsysteme sollen nicht in der Lage sein, einen solchen Flugkörper rechtzeitig genug zu bemerken, um ihn noch abfangen zu können. Noch in diesem Jahr sollte die Lenkwaffe der russischen Armee zur Verfügung stehen.

Im Vorjahr hatte Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt, führende Militärs und Vertreter der russischen Rüstungsindustrie wären über die vorangegangenen Jahre in der Lage gewesen, eine Reihe von neuen Waffentypen entwickelt zu haben, deren Schwerpunkt Luftverteidigung und Hyperschalltechnologie wären. Die Systeme reichten dabei von Hyperschallgleitern, die ihrerseits Hyperschallraketen oder konventionelle Waffen transportieren können, bis zu kleineren taktischen Gefechtsfeldwaffen.

Auf diese Weise sei man in der Lage gewesen, ein strategisches Gleichgewicht mit den USA wiederherzustellen. Im Bereich der Hyperschallwaffen sei man den Amerikanern sogar um Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte voraus. Spätestens ab 2020 sollten diese Systeme voll einsatzfähig sein.

Keine Änderung an „neuer Bedrohungslage“

In seiner Rede zur Lage der Nation nahm Putin auf sechs neue Waffen bezog, unter anderem die 200 Tonnen schwere Atomrakete „Sarmat“, die flugzeuggestützte und mit zehnfacher Schallgeschwindigkeit fliegende Rakete „Kinschal“ mit einer Reichweite von 2000 Kilometern und eben auch den Burewestnik als neuartige Lenkwaffe.

Die ausgefeiltesten Modelle der russischen Hyperschallwaffen sollen Reichweiten von deutlich mehr als 20 000 Kilometern aufweisen und auf diese Weise in der Lage sein, jeden Punkt der Erde anzuvisieren. Es soll bereits eine zweistellige Anzahl an Testflügen gegeben haben. Allerdings gibt es keine belastbaren Angaben darüber, ob und gegebenenfalls wie oft dabei bislang auch der Atomantrieb zum Einsatz gekommen sein soll.

Weiterhin sickern Details über die exakte Ursache der Explosion und deren Auswirkungen nur langsam durch. In Summe zeichnet sich jedoch ab, dass dieser Vorfall dazu führen könnte, dass Lieferungszusagen bezüglich der neuen Hyperschallwaffensysteme nicht eingehalten werden können.

An der „neuen Bedrohungslage“, die das russische Hyperschallwaffenprogramm für die USA und ihre Verbündeten bedeuten kann, ändert der Vorfall jedoch wenig. Wie die „Welt“ schildert, sei es bezüglich der Atom-Cruise-Missiles unabhängig davon möglich, die schätzungsweise zehn Meter langen und fünf bis sechs Tonnen schweren Riesendrohnen aus großen Transportkanistern zunächst mit einem Feststoffraketenmotor in die Luft zu bringen, wo anschließend der Atomantrieb anlaufen kann.

Amerikaner könnten ebenfalls weitergeforscht haben

Dabei seien westlichen Branchenexperten zufolge zumindest Geschwindigkeiten von Mach 0,8 bis 0,9 erzielbar. Den Russen könnten dabei Erfahrungen aus der Arbeit mit Klein-Atomreaktoren des Typs Topaz II zugutekommen.

Gerhard Hegmann schreibt in der „Welt“:

Die Leistungen der Atomreaktoren könnten inzwischen um das 40-Fache auf mehr als fünf Megawatt gesteigert worden sein, bis zu 3,5 Tonnen wiegen und 1,5 Meter lang sein. Das Funktionsprinzip soll auf der hohen Wärmeleistung des Atomreaktors zum Antrieb eines Turbojet-Triebwerks beruhen.“

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US-Präsident Donald Trump erklärte in einer Reaktion auf Twitter, die USA forschten ebenfalls im Bereich von Drohnen mit Atomantrieb. „Wir haben eine ähnliche, wenn auch fortgeschrittenere Technologie“, erklärte Trump.

Tatsächlich hatten die USA bereits Anfang der 1960er Jahre an Riesendrohnen mit fast 27 Meter Länge und einer Masse von 27,5 Tonnen experimentiert. Später sei der rüstungstechnische Schwerpunkt jedoch auf Interkontinentalraketen verlagert worden. Es ist jedoch ohne Weiteres denkbar, dass die Amerikaner auf geheimen Testgeländen – das bekannteste davon in die sagenumwobene „Area 51“ in der Wüste von Nevada – auch an der Weiterentwicklung dieser Technologie gearbeitet hatten. Spätestens die russischen Ankündigungen vom Vorjahr hätten einen allfälligen Aufwand gerechtfertigt.