Russland verbietet Scientology – Organisation muss Moskau binnen sechs Monaten verlassen

Epoch Times26. November 2015 Aktualisiert: 26. November 2015 15:12
In Deutschland kann Scientology relativ frei agieren. In anderen Ländern wie Russland und Griechenland steht man der von Kritikern als Sekte bezeichneten Organisation äußert kritisch gegenüber. Die Moskauer Zentrale soll nun auf Beschluss des Justizministeriums geschlossen werden.

In Russland wurde die Organisation Scientology nun verboten. Das Moskauer Amtsgericht ordnete am Montag auf Antrag des russischen Justizministeriums an, die Moskauer Filiale von Scientology zu schließen, berichtet "RT" unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti.2.

Demnach würde die umstrittene Organisation die Religionsfreiheit für andere Zwecke missbrauchen. Die Registrierung der Kirche mit dem US-amerikanischer Markennamen "Scientology" könne nicht als religiöse Organisation angesehen werden, argumentierte das Justizministerium. 

"Die Vertreter von Scientology haben selbst viele rechtliche Konflikte geschaffen, als sie die religiöse Freiheit durch den Gebrauch von Markennamen einschränkten", heißt es laut "RT" aus dem Ministerium. "Es stellt sich heraus, dass eine geschäftliche Partnerschaft die Religion verbreitet hat, obwohl Religion nur durch religiöse Organisationen verbreitet werden kann."

Die Organisation müsse vielmehr durch Gesetze des Verbraucherschutzes reguliert werden, fügte das Ministerium hinzu. Die Scientologen haben nun sechs Monate Zeit, die Niederlassung in Moskau zu räumen. 

Die Anhänger der von Kritikern als Sekte bezeichneten Organisation, wollen den Bescheid anfechten. Sie meinen, dies wäre "anti-religiös" und sie wollen gegen den Entscheid des Moskauer Gerichts beim Obersten Gericht Berufung einlegen. 

Vor einem Jahr hatte die Polizei die Scientology-Zentrale in Moskau durchsucht. Dies geschah, nachdem verschiedene Medien aufgedeckt hatten, dass die Scientologen ihre Mitglieder ausspionierten, um sie danach mit ihren Geheimnissen zu erpressen. Seitdem herrscht ein Rechtsstreit zwischen der Organisation und der russischen Regierung. 

Die dunkle Seite von Scientology – Aussteiger berichten 

Es gibt unzählige Berichte von ehemaligen Mitgliedern der Organisation, die von Erpressung, sozialer Isolation und kompletter Abhängigkeit berichten, die durch Scientology verursacht werde. 

https://youtube.com/watch?v=LzWreU-Khz8
 

Jeannette Schweitzer, eine Aussteigerin, berichtete in einem Interview mit "Der Welt" im Jahr 2007 über ihre Erlebnisse. Sie ist eine der Wenigen, die sich trauen über die Vorgänge innerhalb der Organisation zu sprechen.

Von 1989 bis 1992 war Schweitzer Mitglied von Scientology. Danach wurde sie zu einer anerkannten Scientology-Expertin.

"Das Wasser wird sich mit deinem Blut mischen, wenn du über Scientology sprichst," drohte man Schweitzer nach ihrem Ausstieg. 

Das machte ihr Angst, aber trotzdem entschied sie sich, über die gefährlichen Psychotechniken, innere Zwänge und die englische Scientology-Zentrale Saint Hill zu sprechen, jenen Ort, der laut Kritikern das "Straflager" für ungehorsame Mitglieder ist.

Wie Jeannette Schweitzer der "Welt" berichtete, leben in der Zentrale die scientologischen Hardliner, die sogenannten Sea-Org. Laut Sabine Weber, der Vizepräsidentin von Scientology Deutschland, ist Saint Hill eine Lehreinrichtung, die Kurse für Scientologen anbietet. Es gebe dort auch "Rehabilitationsprojekte" für Sea-Org-Mitglieder, die die Richtlinien von Scientology verletzten. Dies könne unter anderem Gartenarbeit sein, sagte Weber der Zeitung. 

"Architekten, Künstler, Immobilienmakler, Ingenieure flehten um Absolution"

Doch das ehemalige Mitglied beschrieb die Lage anders: "Ich sah, wie sie Gräben ausschaufelten – schweigend, zwölf Stunden am Tag. Abends mussten sie noch fünf Stunden Bücher von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard studieren. Die Sträflinge tragen mausgraue Overalls, sie gelten als wertlos. Am Arm haben sie ein Band, an dessen Farbe der Strafzustand abzulesen ist. Diejenigen, die ein graues Band tragen, darf man nicht anschauen oder gar ansprechen. Man soll nicht einmal an sie denken. Ein gelbes Bändchen heißt: weniger kritisch gegenüber Scientology, mehr Pausen bei der Strafarbeit."

Schweitzer wurde nach Saint Hill beordert, da sie sich weigerte, Schwarzgelder zu verbuchen. Ihr ehemaliger Scientology-Chef schrieb ihr einen Zettel auf dem Stand: "Kommen Sie sofort nach Saint Hill."

"Ich wurde in eine Zelle gesteckt, eineinhalb Meter lang, genauso breit. Ein Tisch stand drin und ein Stuhl. Ich musste aufschreiben, was sich in der Firma zugetragen hatte. Damit ging ich zu einem der Dutzend Offiziere in marineblauer Uniform. Er sollte den Bericht unterschreiben, dann wäre die Sache beendet gewesen. Aber er tat es nicht. Ich erkannte keine Fehler, fragte nach, bekam keine Antwort, schrieb wieder und wieder auf, was passiert war, stundenlang…

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"Ich war übermüdet, verzweifelt, machtlos. Manchmal war ich nur übers Wochenende in Saint Hill, manchmal länger. Jeden Tag wurde es schlimmer. Und nicht nur für mich. Ich habe dort bekannte Manager kennengelernt, Architekten, Künstler, Immobilienmakler, Ingenieure. Ich habe Männer auf Knien betteln gesehen. Sie haben um Absolution gefleht, geweint wie Kinder. Keiner von ihnen kann mir heute in die Augen sehen," fügte sie hinzu.

Hollywood-Größen verteidigen Scientology

In der Öffentlichkeit sind sowohl der Religionscharakter als auch die Methoden der Organisation überaus umstritten. Dies gilt auch in Deutschland. In der Bundesrepublik wird die Scientology-Kirche in mehreren Bundesländern aufgrund eines Beschlusses der Innenministerkonferenz durch den Verfassungsschutz beobachtet.

Trotz Beobachtung des Verfassungsschutzes schaffte es die Organisation, mit einem Offenen Brief an den damaligen Bundeskanzler Hemlut Kohl in 1996 ihren Einfluss in Deutschland auszubauen. Rund drei Dutzend Hollywood-Prominente schrieben damals, dass die vermeintliche "Diskriminierung" von Scientologen mit der Judenverfolgung im Dritten Reich zu vergleichen wäre.

"In den dreißiger Jahren waren es die Juden, heute sind es die Scientologen," hieß es in dem Brief.   

Deshalb kann die Organisation in Deutschland nun relativ frei operieren. In Griechenland wurde Scientology in 1993 zum "Staatsfeind" erklärt. (so)