Schach ohne Weltmeisterin: Anna Musytschuk weigert sich, in Riad eine Abaya zu tragen

Von 27. Dezember 2017 Aktualisiert: 28. Dezember 2017 6:49
Seit dem 24. Dezember findet in Riad die WM im Blitzschach statt. Doch es fehlen viele Spieler: Sie erhielten kein Visum. Auch die Frauen-Weltmeisterin fehlt – Anna Musytschuk weigert sich, einen Schleier zu tragen.

Schach! Schach? Seit dem 24. Dezember finden in Saudi-Arabien die Blitzschach-Weltmeisterschaften statt. Jedoch ist der Ort umstritten und einige Spieler bekamen kein Visum, mehrere Profispieler aus Israel, Katar oder Iran durften nicht einreisen, andere sagten von sich aus ab.

Auch die Frauen-Weltmeisterin fehlt: Anna Musytschuk weigert sich, die Abaya, ein islamisches Überkleid für Frauen, zu tragen. Sie gewann die letzte Frauen-WM in den Kategorien „Rapid“ und „Blitz“.

Sie erklärte am Samstag: „In ein paar Tagen werde ich meine beiden Weltmeistertitel verlieren … Ich will keine Abaya tragen oder nicht alleine nach draußen gehen dürfen oder mich generell wie eine Kreatur zweiter Klasse fühlen“. Und:

Dort hätte ich in fünf Tagen mehr verdient als in einem Dutzend anderer Veranstaltungen zusammengenommen.“

Den Schachspielerinnen wird bei ihrer Ankunft eine Abaya, die über der Kleidung zu tragen ist, gegeben. Diese islamische Kleidung müssten sie außerhalb des Veranstaltungsortes tragen, jedoch nicht während des Turniers.

Es ist für Ausländerinnen nicht zwingend vorgeschrieben, sich in Saudi-Arabien zu verschleiern. Manche Profispielerinnen ließen sich darauf ein, manche nicht. Anna Musytschuk will ihre Prinzipien nicht verraten und bleibt der WM fern. Ein Kopftuch, wie sie bei einem Turnier im Iran 2017 trug, wäre ok gewesen, eine Abaya ist es nicht.

Neben der Schnell- und Blitz-Titelverteidigerin Anna Muzychuk kommt auch der Schnellschach-Experte und Favorit der Herren, Hikaru Nakamura, nicht, schreibt der Weltschachverband auf der Webseite „chess.com“.

Viele israelische Profispieler versuchten gar nicht erst, ein Visum zu erhalten oder gaben es später auf. Der einzige Spieler aus dem Iran, der sich qualifiziert hatte, versuchte es ebenfalls nicht. Andere Topspieler wie Magnus Carlsen, Levon Aronian oder Sergej Karjakin reisten nach Riad.

2 Millionen US-Dollar Preisgeld

Der Schachverband FIDE hat mit Riad einen Drei-Jahresvertrag abgeschlossen, auch 2018 und 2019 findet diese WM in Saudi-Arabien statt. Saudi-Arabien war das einzige Land, das die Ausrichtung der WM anbot. Jedoch wird die Rechtmäßigkeit bezweifelt.

Das Abkommen mit Riad ist finanziell sehr lukrativ. Insgesamt verfügen die World Rapid und Blitz Championships über einen Fond für Preisgelder von 2 Millionen US-Dollar, von denen 20 Prozent an die Schachorganisation ausgezahlt werden.

Die Rechtmäßigkeit des Vertrages könne jedoch in Frage gestellt werden, meint Israel Gelfer nun auf chess.com. Drei Tage vor der Eröffnung des Turniers im Apex Convention Centre in Riad warten Spieler aus Israel und Katar (Länder ohne diplomatische Beziehungen zu Saudi-Arabien) noch immer auf ihre Visa.

„In diesem Stadium werden die Visa nicht mehr kommen. Und das steht im Widerspruch zu Absatz 1.2 der FIDE-Statuten“, stellt Gelfer fest. Darin steht: „1.2…. FIDE-Veranstaltungen (Wettbewerbe, Kongresse, Tagungen) dürfen nur von Verbänden ausgerichtet werden, bei denen der freie Zugang für Vertreter aller Verbände generell gewährleistet ist.“

Die Israelische Schachföderation erklärte nun, dass sie eine Entschädigung von den Organisatoren eines Turniers in Saudi-Arabien erwartet, nachdem der Golfstaat es abgelehnt hat, Visa für seine Spieler auszustellen.

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