Schweden: Kurdischer Vater weigert sich Töchter zu ermorden, weil sie Jungs die Hand geschüttelt haben – Nun ist er selbst tot

Von 23. August 2017 Aktualisiert: 24. August 2017 18:41
Seine Töchter hätten die Hände von Jungen geschüttelt – damit hätten sie die Ehre der Familie beschmutzt und sollten sterben. Ihr Vater wollte den Ehrenmord aber nicht begehen und wurde selbst zum Opfer. Sein Cousin schnitt ihm mit einer Schere den Hals auf.

Ende Mai wurde ein 46-jähriger Mann an einem See im schwedischen Falun tot aufgefunden. Schnittwunden am Hals führten zu seinem Tod – sein mutmaßlicher Mörder hatte ihm diese mit einer Schere zugefügt.

Noch am Tatort wurde der 50-jährige Cousin des Getöteten verhaftet. Nächsten Mittwoch beginnt der Mordprozess gegen den Mann. Die schwedische Zeitung „SVT Nyheter“ berichtete.

Hände von Jungen geschüttelt: Verwandte fordern Ehrenmord

Im Vorfeld des Gerichtsverfahrens werden brisante Details über die Familie der beiden Männer bekannt: Anscheinend habe der Mann seine beiden Töchter töten sollen, wie die Witwe des 46-Jährigen berichtet. Die beiden Mädchen sollen bei der Kurdischen Neujahrsfeier ihren männlichen Klassenkameraden die Hände geschüttelt haben.

Außerdem hätte es weitere Gerüchte über das unsittliche Verhalten der Mädchen gegeben. Die Verwandten des Getöteten sahen die Familienehre beschmutzt und forderten einen Ehrenmord, so die Witwe.

„Er liebte seine Kinder“, meint die Frau des 46-Jährigen. Deswegen stellte er sich auf die Seite seiner Töchter und verweigerte den Ehrenmord. Dafür musste er sterben.

Witwe: Familienvater wurde zum Fischen an See gelockt

Am Tag seines Todes sei der Familienvater mit einem Freund zum Fischen an den See gefahren. Hätte er gewusst, dass der 50-Jährige dort sein würde, wäre er zu Hause geblieben, glaubt die Witwe.

Wegen ihrer Aussagen befürchtet die Frau des Ermordeten nun Konsequenzen: „Sie werden alles, was ich gesagt habe, bestreiten. Niemand wird mir glauben“, so die Frau laut „SVT“.

50-Jähriger: „Es war kein Ehrenmord“

Der 50-Jährige bestreitet, einen Ehrenmord begangen zu haben. Er bedauere den Tod seines Cousins. „Getan ist getan, was kann ich tun?“, so der Mann.

Doch es gebe viele Beweise für einen Ehrenmord, meint die Staatsanwältin Gun-Britt Strøm. „SVT“ berichtete letzte Woche.

Ehrenmord an Fadime Sahindal in 2002 – Opfer und Täter mit Mädchen verwandt

Ehrenmorde in der Familie gab es schon in der Vergangenheit. 2002 erschütterte der Mord an der 26-jährigen Fadime Sahindal  Schweden und rückte das bis dahin ungekannte Thema Ehrenmorde in den Fokus der gesellschaftlichen Debatte. Die beiden Männer seien mit der vor 15 Jahren ermordeten jungen Frau verwandt, berichtete „SVT“.

Die junge Kurdin wurde 2002 vor den Augen ihrer Schwestern und ihrer Mutter ermordet. Der Grund: Sie hatte einen schwedischen Freund. Der Vater der 26-Jährigen richtete sie mit mehreren Schüssen hin, wie „Radio Schweden“ damals berichtete.

Einige Stunden später wurde er festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt. 2015 wurde die Haftstrafe auf 24 Jahre Haft reduziert. 2016 kam er frei.

Ende letzten Jahres ermordete ein anderes Mitglied der Familie den neuen Freund seiner Ex-Frau. „SVT“ berichtete. Dafür wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Die Ex-Frau des Mörders sowie die Witwe des ermordeten Familienvaters wollen den Ehrenmorden in der Sahindal-Familie nun ein Ende bereiten, meint die Anwältin der beiden Frauen, Evin Cetin.

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