Innenminister Horst Seehofer, 3. Januar 2019.Foto: MATTHIAS BALK/AFP/Getty Images

Seehofer will vor Rückkehr von IS-Anhängern „jeden Einzelfall“ vor Ort prüfen

Epoch Times19. Februar 2019 Aktualisiert: 19. Februar 2019 19:34
Bundesinnenminister Horst Seehofer nannte erste Bedingungen für die Rückkehr deutscher Dschihadisten und ihrer Familien nach Deutschland genannt.

Vor der Rückkehr deutscher Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) „jeden Einzelfall“ prüfen. Seehofer stellte in der „Süddeutschen Zeitung“ zudem klar, dass als gefährlich eingeschätzte Rückkehrer in Deutschland wieder in Haft kommen sollen. Auch IS-Frauen und ihren Kindern werde die Bundesregierung „keinen Blankoscheck“ ausstellen.

Die Bundesregierung prüft derzeit, wie nach Syrien und in den Irak ausgereiste Dschihadisten in Deutschland vor Gericht gestellt werden können. US-Präsident Donald Trump hatte europäische Länder aufgerufen, in Syrien gefangene IS-Kämpfer wieder aufzunehmen und ihnen den Prozess zu machen.

Die Bundesregierung stellt dies vor große Schwierigkeiten. Zwar haben deutsche Staatsbürger ein Recht auf eine Rückkehr, die deutschen Behörden sehen die IS-Anhänger aber als Sicherheitsrisiko. Zudem lassen sich in den Kampfgebieten möglicherweise begangene Gräueltaten nur schwer nachweisen. Erschwerend kommt hinzu, dass Deutschland in dem Bürgerkriegsland Syrien keine diplomatische Vertretung mehr unterhält.

„Wir können nicht einfach einen Staatsanwalt oder Polizeibeamte da vor Ort hinschicken und Zeugenbefragungen machen“, beschrieb Seehofers parlamentarischer Staatssekretär Günter Krings (CDU) im RBB-Inforadio die Lage. Es gebe aber bereits Ermittlungsverfahren und auch Haftbefehle.

Seehofer will ein Abtauchen der Rückkehrer in Deutschland verhindern

SPD-Chefin Andrea Nahles forderte Seehofer am Dienstag auf, ein mögliches Vorgehen darzulegen. „Im Interesse der Sicherheit unseres Landes muss die Bundesregierung für die Rückkehr von ehemaligen IS-Kämpfern, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, Bedingungen setzen“, sagte Seehofer daraufhin der „SZ“. Diese könnten nur zurückkehren, wenn ihre Identität zweifelsfrei feststehe und sie kein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko darstellten.

„Jeder Einzelfall muss vor Ort geklärt werden, bevor irgendjemand ins Flugzeug gesetzt wird“, stellte Seehofer klar. Schon vor der Rückkehr müsse es Klarheit über jede Personalie und über Strafverfolgungsansprüche anderer Staaten geben.

Zudem will Seehofer verhindern, dass IS-Kämpfer, die schwerer Straftaten verdächtigt werden, in Deutschland abtauchen. „Wir müssen klipp und klar wissen, welche Ermittlungsergebnisse es in Deutschland gegen die jeweilige Person gibt“, sagte der Innenminister. „Ich möchte keine gefährlichen Leute aufnehmen, wenn wir nicht die Sicherheit gewährleisten können, dass wir sie hier zum Beispiel wieder in Haft nehmen können, weil sie mit einem Haftbefehl gesucht werden.“

„Gut 1050 Personen“ betroffen

Seehofer zeigte sich aber grundsätzlich zur Aufnahme der Dschihad-Anhänger bereit. „Wir erwarten von der ganzen Welt, dass Asylbewerber, die in Deutschland Straftaten begangen haben oder Gefährder, von ihren Herkunftsländern zurückgenommen werden“, sagte er. „Da können wir nicht im Gegenzug sagen: Wir nehmen solche Leute nicht zurück.“

Aus Deutschland sind nach Angaben des Innenministeriums seit 2013 „gut 1050 Personen“ in die Kriegsgebiete in Syrien und dem Irak aufgebrochen, um sich dort Dschihadisten-Milizen anzuschließen. Rund ein Drittel davon ist bereits nach Deutschland zurückgekehrt. Rund 200 Personen sind vermutlich ums Leben gekommen. Ein weiteres Drittel dieser Personengruppe hat keinen deutschen Pass. (afp)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion