„Sie sind nicht ehrlich“: Syriens Präsident Assad traut keinem US-Präsidenten – „USA und Verbündete unterstützen Terroristen“

Von 8. November 2016 Aktualisiert: 8. November 2016 15:25
Der syrische Präsident Baschar al-Assad traut keinem der beiden US-Präsidentschaftskandidaten. Weder Hillary Clinton noch Donald Trump. Denn die Erfahrung mit den amerikanischen Beamten und Politikern hätten gezeigt, "dass man ihnen nicht trauen kann", so Assad. Die US-Politik würde von Lobbys und verschiedenen politischen Bewegungen gesteuert werden. Deshalb seien beide Kandidaten "nicht gut für Syrien". Zudem wirft Assad dem Westen vor, die Terroristen in Syrien zu unterstützen und unter dem Deckmantel der "Humanität" Kriege zu führen.

Syriens Staatsoberhaupt Baschar al-Assad wirft dem „Westen“ vor, die Terroristen gezielt zu unterstützen. Die Waffenruhen würden immer nur dann ausgerufen, wenn die Anti-Regierungskräfte in Bedrängnis gerieten.

Der Westen, „vor allem die Vereinigten Staaten“, hätten Druck in Bezug auf den Waffenstillstand gemacht, „und sie verlangen immer nur dann eine Waffenruhe, wenn die Terroristen in einer schlechten Situation sind, nicht für die Zivilbevölkerung. Sie versuchen, diese Waffenstillstände zu nutzen, um die Terroristen zu unterstützen, ihnen logistische Unterstützung, Rüstung, Geld und alles das zu bringen, was sie brauchen, damit sie wieder angreifen können und wieder stärker werden“, sagt der syrische Präsident im Interview mit der serbischen Zeitung „Politika“, berichtet „RT“.

Dies habe aber nun aber nicht mehr funktioniert. Deshalb hätten die USA die Terroristen gebeten, die Waffenruhe zum Scheitern zu bringen oder wieder anzugreifen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten, die westlichen Länder, seien Schuld an der aktuellen Situation in Syrien, „denn die Terroristen und der Terrorismus sind für sie eine Karte, die sie in der syrischen Arena ausspielen wollen. Sie sind nicht gegen Terroristen,“ so Assad.

Das Ziel der US-geführten Koalition sei es mittels der Terroristen „einen Zermürbungskrieg gegen Syrien, gegen den Iran und gegen Russland“ zu führen, sagt Syriens Staatschef. „Deshalb ist es nicht nur dieser Waffenstillstand, für dessen Scheitern die USA verantwortlich sind, sondern sie sind das für jeden Misserfolg in diesen Dingen, jeden Versuch in Bezug auf einen Waffenstillstand oder eine politische Bewegung und Initiative.“

Terroristen-Unterstützer sind „Saudi-Arabien, Katar und die Türkei“

Im Interview macht Assad deutlich, dass Saudi-Arabien, Katar und die Türkei die Anti-Regierungskräfte aktiv unterstützen. Die Terroristen seien durch direkte Unterstützung der türkischen Regierung nach Syrien gekommen.

Anfangs habe die türkische Regierung den Terroristen „grünes Licht“ gegeben nach Syrien einzureisen. Danach hätten die Amerikaner und ihre Verbündeten mittels ihren Drohnen gesehen, dass die Anhänger des Isalmischen Staates die syrischen Ölfelder nutzten und das Öl in Fässern mit Lastwagen in die Türkei brachten.

„Es gelangte aus Syrien in die Türkei, unter der Aufsicht ihrer Satelliten und Drohnen, ohne dass sie etwas taten, bis die Russen eingriffen und begannen, IS-Konvois, -Positionen und -Festungen anzugreifen,“ so Syriens Präsident.

Seit dem Eingreifen Russlands Ende 2015 musste der IS schwere Niederlagen hinnehmen. Die US-geführte Koalition konnte hingegen im ihrem zweijährigen Kampf gegen den Islamischen Staat keine nennenswerten Erfolge erzielen.

Assad erklärt sich diesen Umstand so, dass es nicht im Interesse der USA läge, den IS zu vernichten. Im Gegenteil: Amerika habe der Türkei, Saudi-Arabien und Katar „grünes Licht“ gegeben um die Terroristen in Syrien zu etablieren. „Die Türkei und der IS sind Partner. Ein Teil des Geldes geht zum IS, weil dieser so Kämpfer anwerben und bezahlen kann. Deshalb wuchs der IS vor der russischen Intervention. Er expandierte in Syrien und im Irak. Und ein Teil des Geldes geht an die türkischen Regierungsbeamten, hauptsächlich an Erdogan selbst und seine Familie“, fährt Assad fort.

Im Gegensatz zur USA und deren Verbündeten, hätte Russland ein echtes Interesse daran den Terrorismus in Syrien zu bekämpfen. Deshalb werde es, so Assad, wahrscheinlich zu keiner Einigung zwischen den USA, Russland und Syrien kommen.

USA bombardierten „syrische Armee vorsätzlich“

Im September bombardierten die amerikanischen Streitkräfte in der Nähe des Flughafens in Deir ez-Zor die syrische Armee. Die USA entschuldigte sich später für die „unbeabsichtigten“ Angriffe.

Baschar al-Assad glaubt aber, dass die US-Luftwaffe die Bombardements vorsätzlich durchgeführt hatte: „Weil der IS aufgrund der syrischen, russischen und iranischen Zusammenarbeit stetig schrumpfte und weil al-Nusra, die al-Qaida-Gruppe, in vielen Gebieten Syriens besiegt worden war. Die Amerikaner wollten die Stellung der syrischen Armee untergraben und griffen unsere Armee in Deir ez-Zor an. Es war nicht zufällig, weil der Überfall länger als eine Stunde andauerte, und sie kamen viele Male“.

Die US-Luftwaffe habe mehrere „Überfälle“ auf syrische Position verübt. „Sie griffen zu der Zeit ein sehr großes Gebiet an, aber kein Gebäude, um dann sagen zu können: ‚Wir haben einen Fehler gemacht'“, beklagt der syrische Staatschef. Nur eine Stunde nach den US-Bombardements habe der IS angegriffen und das Gebiet wieder einnehmen können.

Konvoi des Roten Halbmonds „von Terroristen beschossen“

Weiters sagt Assad, dass „terroristische Gruppen in Aleppo“ den UN-Konvoi im September beschossen hätten. Die USA hingegen wirft Russland und Syrien vor, für den Beschuss verantwortlich zu sein. „Als wir den Waffenstillstand in Aleppo verkündeten, weigerten sie [die Terroristen] sich, diesen zu akzeptieren. Sie sagten: ‚Nein, wir wollen keinen Waffenstillstand.‘ Sie weigerten sich, irgendwelche Konvois ins östliche Aleppo zu lassen und das öffentlich“, bekräftigt Assad seinen Vorwurf. „Das ist nicht unsere Propaganda, das sind nicht unsere Behauptungen.“

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Das Verhalten der Rebellen und Terroristen habe deutlich gezeigt, dass sie ein Interesse daran gehabt haben, diesen Konvoi anzugreifen. „Wir waren das nicht. Er befand sich in einem Gebiet, wo es keine syrischen Truppen gibt, und zu dieser Zeit sind auch keine syrischen oder russischen Flugzeuge in diesem Bereich geflogen. Aber der Westen nutzte die Geschichte als Teil seiner Propaganda, als Teil seiner großen Erzählung gegen Syrien“, betont Assad.

Vorwand: „Humanitärer Krieg“

Der Westen würde propagieren, dass Syrien oder Russland den Konvoi angegriffen hätten, um dann ihren „humanitären Krieg“ in Syrien zu rechtfertigen. „Sie verwenden die humanitäre Maske, um eine Ausrede zu haben, damit sie noch stärker in Syrien eingreifen können, und wenn ich sage, dass sie eingreifen, bedeutet das militärisch oder durch die Unterstützung der Terroristen,“ so Assad.

Er verglich die Lage in Syrien mit dem Angriffskrieg im ehemaligen Jugoslawien, in Bosnien und Herzegowina und im Kosovo, auch dort habe es diese humanitären Vorwände gegeben.

Der Vorwurf, Assad würde Fassbomben gegen die eigene Bevölkerung einsetzen, sei auch ein Propagandamittel des Westens. Damit zeige der Westen auf: „Sehr, sehr schlechter Typ gegen einen sehr, sehr guten Kerl. Es ist wie bei den Erzählungen von George W. Bush während des Irak- und Afghanistan-Krieges. Sie nutzten diese Schlagzeilen oder jene Begriffe in ihren Erzählungen, um Emotionen in der Öffentlichkeit ihrer Länder zu erzeugen. So würde die öffentliche Meinung sie unterstützen, wenn sie entweder direkt durch militärische Angriffe oder durch Unterstützung ihrer Stellvertreter, die in unserem Land die Terroristen sind, eingreifen wollen,“ so Assad.

Andersgläubige, Christen und Muslimen sind „Teil der syrischen Gesellschaft“

In Syrien könne sich jeder Bürger frei fühlen seinen Glauben auszuleben, betont Syriens Präsident. „Ohne die verschiedenen Farben der Gesellschaft – Christen, Muslime und die verschiedenen Religionsgemeinschaften und Ethnien – wäre es nicht Syrien.“

Die Menschen müssten ihren Glauben frei ausleben können, „damit es ein stabiles Land sein kann“. Muslime und Christen lebten schon seit Jahrhunderten in Syrien zusammen und sie seien im täglichen Leben fest integriert, „sie leben nicht in Gettos“.

In Syrien gebe es einige Schulen, die zur Kirche gehörten, die aber voll von Muslimen seien und umgekehrt, fährt Assad fort. Darin sehe man, dass es in Syrien keine Trennung von Religionen und ethnischen Gruppen gebe. Eine Trennung wolle die syrische Regierung auch nicht, denn „das wäre sehr gefährlich“.

„Die Menschen mögen es, miteinander zu sein, ob in Schulen, an beliebigen Orten, in Organisationen oder in der Regierung. Das ist natürlich und darum ist Syrien säkular. Nicht durch die Regierung, sondern die syrische Gesellschaft ist im Laufe der Geschichte immer säkular gewesen,“ so Assad.

Durch den Krieg sei Syrien homogener geworden, als noch vor dem Krieg. Die Menschen verstünden durch „den Krieg, durch die Zerstörung und durch den schweren Preis, den jeder Syrer zahlen musste“, dass das Land nur „beschützt und bewahrt“ werden könne, wenn es homogen sei, „indem man miteinander lebt, sich integriert und einander akzeptiert“.

Deshalb habe der Krieg, trotz aller schlechten Aspekte, „diesen positiven Aspekt für die syrische Gesellschaft. Also, ich mache mir keine Sorgen über die Struktur der syrischen Gesellschaft nach dem Krieg. Ich denke, sie wird gesünder,“ so der syrische Präsident.

Assad traut weder Clinton noch Trump

In Syrien würde man nicht darüber debattieren, wer als US-Präsident besser sei. Clinton oder Trump? In Syrien diskutiere man darüber, wer schlechter sei, so Assad. Der syrische Staatschef glaubt, dass keiner von beiden gut für Syrien sei. Denn die Erfahrung mit den amerikanischen Beamten und Politikern seien bislang so gewesen, „dass man ihnen nicht trauen kann“, betont der syrische Präsident. „Sie sind nicht ehrlich“.

Es hänge alles von den Lobbys und von dem Einfluss verschiedener politischer Bewegungen in ihrem Land ab, wie sie ihre Politik nach den Wahlen definieren werden, fährt Assad fort. Man könne nur abwarten, welche Politik sie in Zukunft machen werden.

„Wir sehen keine positiven Anzeichen dafür, dass die Vereinigten Staaten ihre Politik drastisch verändern werden in Bezug darauf, was in der Welt passiert, dass sie fair sein werden, sich dem Völkerrecht beugen oder der Charta der Vereinten Nationen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass wir das in naher Zukunft sehen werden,“ zeigt sich Assad pessimistisch. Der Unterschied der politischen Handlungen von den beiden Kandidaten „wird nur sehr minimal sein“.