„Wir brauchen die Menschen zurück“: Südafrikas Ex-Präsident über seine Sicht der Flüchtlingskrise

Epoch Times1. November 2015 Aktualisiert: 1. November 2015 19:36
Südafrikas Ex-Präsident Kgalema Motlanthe hat in einem Interview die Weltgemeinschaft zum Handeln aufgefordert: Flüchtlinge aufnehmen und versorgen sei nur der humane Teil der Krisenbewältigung. Man müsse aber dringend nach Lösungen suchen, um Stabilität in den Herkunftsländern zu schaffen. Nur das verhindere langfristig, dass Menschen fliehen.

Südafrikas Ex-Präsident Kgalema Motlanthe hat in einem Focus-Interview Europa und die internationale Gemeinschaft aufgefordert, die aktuelle Migrationskrise nicht als Problem zu betrachten, welches sich kurzfristig lösen lässt. Motlanthe war von 2008 bis 2009 Präsident und bis 2014 Vizepräsident Südafrikas. Während Europas Politiker "Willkommen" sagen, sagt er: Wir brauchen die Menschen zurück."

Durch seine eigene Herkunft weiß er, dass Menschen schon immer gewandert sind. Zu seinem Land gehören Holländer, Franzosen, Hugenotten, Inder. Migration als solche sei nicht das Problem. „Schwierig wird es, wenn sich Menschen gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen, weil die politischen Verhältnisse instabil sind. Das ist leider in vielen Staaten Afrikas und des Mittleren Ostens im Moment der Fall“, so der Politiker.

Wir brauchen die Menschen zurück“

Deshalb schlägt er vor: Anstatt Migranten lediglich aufzunehmen, müssten Europa und die Weltgemeinschaft dringend nach Lösungen suchen, um Stabilität in den Herkunftsländern zu schaffen.

„Wenn die besten Talente weggehen, wird der Wiederaufbau dieser Länder um einiges schwieriger. Wir brauchen die Menschen zurück. Unser Kontinent blutet aus“, so der Afrikaner.

Bezüglich der Konflikte sagt Motlanthe: „Nur weil es schwierig ist, darf man den Prozess nicht auf die lange Bank schieben. Die Vereinten Nationen und der Weltsicherheitsrat sollten große Anstrengungen unternehmen, für Frieden in Afrika und dem Mittleren Osten zu sorgen. Denn sobald Frieden und Stabilität einkehren, werden viele, die jetzt fliehen, zurückkehren wollen und ihre Länder wieder aufbauen.“

Er sagt, dass häufig ethnische und religiöse Auseinandersetzungen der Kern der aktuellen Probleme seien. Diese seien noch ein Erbe der Kolonialzeit, weil die Grenzen der afrikanischen Staaten künstlich gezogen wurden und Afrikas Führer, welche auf die Kolonialmächte folgten, diese Grenzen beibehielten – in der vergeblichen Hoffnung, damit Konflikt vermeiden zu können.

Lebensbedingungen verbessern, um Exodus zu verhindern

Motlanthe steht mit seiner Sicht nicht allein. Die Zeitung Welt zitierte neulich in einer Reportage einen Experten aus der malinesischen Hauptstadt Bamako. Bakary Doumbia ist Chef der dortigen Migranten-Organisation IOM.

„Wir sind mit einer Situation konfrontiert, welche die internationale Gemeinschaft zum Handeln zwingt", so Doumbia. Damit Afrika nicht die Bevölkerung davon läuft, müsste man deren Lebensbedingungen verbessern und Konflikte schlichten. Auch die beste Aufklärungskampagne über die geringe Chance, legal nach Europa zu kommen, hält den Menschenstrom nicht auf, wenn nicht zusätzlich das Leben in den Herkunftsländern besser wird. Den Leuten nur ein paar Mal zu sagen „geht nicht!“ oder „gefährlich!“ reiche einfach nicht.

Durch Angela Merkels Willkommens-Politik wurde Deutschland als Zielland auch für Westafrikaner attraktiv, die bisher nicht über das Auswandern nachdachten. Mehr dazu unter: "Aufbruchstimmung: Jetzt wollen auch Westafrikaner nach Deutschland" Aber nicht nur die Fernsehbilder, auch die Schlepper tragen dazu bei, dass Menschen sich falsche Hoffnungen vom Wohlstandsparadies Deutschland machen.

Siehe: „Interview mit einer Asylkoordinatorin: Flüchtlinge fragen oft: Wann bekomme ich mein Haus und mein Auto?“

(rf)

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