Syrien: IS-Angehörige gehen in Gefangenschaft und streben Heimkehr an – ohne Reue zu zeigen

Von 13. März 2019 Aktualisiert: 13. März 2019 18:59
In den Internierungslagern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ist zurzeit eine fünfstellige Anzahl an IS-Angehörigen untergebracht, darunter Frauen und Kinder. Nur wenige zeigen Reue oder auch nur Empathie für die Opfer. Dennoch wollen deutsche Politiker sie zurückholen.

Der tragende Narrativ der 68er Generation lautete einst, man müsse mit einer Elterngeneration brechen, die sich nicht nur vom nationalsozialistischen Totalitarismus habe verführen lassen, sondern es auch verabsäumt hätte, mit den Verantwortlichen für dessen Menschheitsverbrechen abzurechnen.

Was den ersten Vorwurf anbelangt, meinen Kritiker, dieser hätte authentischer gewirkt, wäre er nicht von Studenten gekommen, die ihrerseits mit dem Konterfei Mao Zedongs oder Ho Chi-Minhs auf die Straßen gezogen wären. Was den zweiten anbelangt, haben die mittlerweile an zentrale Machtpositionen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gerückten „Kulturrevolutionäre“ von damals jetzt die Möglichkeit, zu demonstrieren, wie die Bundesrepublik Deutschland der Adenauer-Ära mit NS-Tätern und Mitläufern ihrer Ansicht nach besser hätte umgehen können. 

Die Aufgabe ist zumindest zahlenmäßig überschaubarer. Es geht nicht mehr um hunderttausende oft ganz normale Bürger, die an einem arbeitsteiligen industriellen Massenmord teilnahmen, als Mitglieder von Polizeibataillonen im besetzten Polen Dörfer ausradierten, sich im Hamburger Hafen um Raubgut deportierter Juden prügelten oder die Kreisleitungen der Gestapo mit Denunziationsschreiben eindeckten – weil sie es für gerechtfertigt oder opportun hielten. Die genaue Zahl der Täter, Mitläufer und Profiteure des Nationalsozialismus, mit denen man nach 1945 eine Demokratie aufbauen sollte, ist bis heute schwer einzuschätzen.

Ausgezogen, um zu töten

Die Zahl der IS-Dschihadtouristen, die sich jetzt noch in der Zeltstadt Baghuz befinden, soll den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), den kurdisch dominierten Bodentruppen der US-geführten Antiterroraktion zufolge wieder um bis zu 2000 Personen gesunken sein. Kämpfer und ihre Familien hätten sich ergeben und befinden sich nun im Gewahrsam der SDF. 

Die Angaben über die Zahl der Insassen des Internierungslagers Al-Hol, in dem gefangene IS-Kämpfer und dessen Angehörige untergebracht sind, schwankt zwischen 12 000 (BBC) und 55 000 (AFP/APA). UNICEF spricht dabei von 3000 Kindern aus 43 Staaten.

Wie viele davon auch den Pass eines EU-Mitgliedstaates haben mögen: Es handelt sich um Personen, die mit der Intention nach Syrien und in den Irak gegangen sind, „Ungläubige“ zu töten, um zu vergewaltigen, zu plündern, zu brandschatzen, zu foltern und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen. Nicht wenige davon fanden ausreichend Gelegenheit dazu und haben ausgiebig davon Gebrauch gemacht. Anders als in den meisten Fällen gewöhnlicher Bürger, die in der Nazi-Ära erst Verbrechen begingen, als sie die Gelegenheit dazu vorfanden, haben die IS-Dschihadtouristen die Gelegenheit dazu von vornherein gezielt gesucht.

Von den Ankündigungen bekannter deutscher IS-Kader wie Christian Emde, der von Mossul aus gedroht hatte, auch Europa einzunehmen und alle zu töten, die nicht zum Islam konvertieren wollen, ist nicht mehr viel geblieben. Emde selbst soll Ende 2018 bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommen sein. Viele sind rechtzeitig geflohen und weitergezogen, als sich abzeichnete, dass die Anti-IS-Koalition den Ring um die letzten IS-Rückzugsorte an der Grenze zum Irak bald schließen würde.

IS-Frauen pöbeln gegen Unverschleierte und rechtfertigen Genozid an Jesiden

Die letzten in Baghuz eingeschlossenen Terroristen haben nur noch die Wahl zwischen Kapitulation und Tod – und ungeachtet der jahrelang gepflegten Rhetorik innerhalb des islamistischen Todeskultes entscheidet sich der Großteil der Betroffenen für die Gefangennahme.

Unrechtsbewusstsein oder Reue bekunden die gefangenen Dschihad-Touristen nur in den seltensten Fällen, und diesbezüglich gibt es kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Sie hatten sich über Jahre hinweg in den vom IS eroberten Gebieten ihr islamistisches Disneyland geschaffen, mit Moralpolizei, öffentlichen Hinrichtungen, sadistischen Folterungen, barbarischen Morden und Sklaverei. Kinder wurden in Familien ebenso wie in Schulen zum Hass und zur Bereitschaft zum Töten erzogen. „Daily Mail“ dokumentierte ein Video, in dem Frauen, die sich in Gefangenschaft begaben, noch gegen Nichtverhüllte pöbelten und dem IS ihre Loyalität schworen.

Eine der Aktivistinnen erklärte, warum es ihrer Meinung nach durch den Koran gerechtfertigt gewesen sei, jesidische Frauen zu vergewaltigen, zu versklaven und zu ermorden. Empathie für die Opfer des IS steht auch unter anderen Gefangenen nicht auf der Tagesordnung. 

Mitte Februar, so meldete die „Schweriner Volkszeitung“ unter Berufung auf die dpa, waren es laut IS-Experte Peter Neumann vom Londoner Kings College „einige Dutzend bis 100 Deutsche“, inklusive Frauen und Kinder, die sich als Angehörige der Terrororganisation in der Gefangenschaft der SDF befanden. Wie viele seither noch dazugekommen sind, ist unklar.

Berlins Innensenator will Muslimbrüder als Bewährungshelfer

Wie die Schweriner Volkszeitung damals erklärte, sei eine konsularische Betreuung deutscher Staatsbürger auf syrischem Gebiet nicht möglich, weil Deutschland 2012 seine Botschaft in Damaskus geschlossen hatte und die kurdische Selbstverwaltung im Norden des Landes nicht anerkennt. Allerdings könnten Betroffene über die Grenze in die Türkei oder in den Irak gebracht werden. Dem Auswärtigen Amt in Berlin zufolge prüfe die Bundesregierung Optionen, um deutschen Staatsangehörigen besonders in humanitären Fällen eine Ausreise aus Syrien zu ermöglichen, notfalls mithilfe von BND-Kontakten vor Ort.

Ob Berlin solche Optionen auch im Fall von IS-Touristen nützen würde, ist unklar. Grüne und Linke fordern, in den Kurdengebieten festgehaltene Kämpfer zurückzuholen, um sie hier „zur Rechenschaft zu ziehen“. NRW-Innenminister Herbert Reul meint, Deutschland bleibe bei eigenen Staatsangehörigen keine andere Wahl. Dabei gehen jetzt schon zahlreiche Experten davon aus, dass es Schwierigkeiten bei der Beweisführung geben könnte, wenn es darum geht, die Extremisten in Untersuchungshaft zu nehmen oder sie anzuklagen.

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Die Kurdenverbände fordern ein internationales Tribunal vor Ort. Berlins Innensenator Andreas Geisel hingegen denkt schon einen Schritt weiter. Er will die fanatisierten und vom Hass auf die hiesige Gesellschaft erfüllten Extremisten integrieren, indem er sie in extremistische, aber „legalistische“ Moscheegemeinden der Muslimbrüder oder der Milli Görüs dirigiert. Mit diesen solle der Staat dann kooperieren, um sie vor dem neuerlichen Weg in die Gewalt abzuhalten.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.