Ein syrischer T-72-Panzer lauert in einer Kampfpause in Aleppo.Foto: Michael Alaeddin/Sputnik/dpa

Chaos in Syrien: Türkei droht Kurden mit weiteren Angriffen – Syrische Armee erobert Daraja

Epoch Times29. August 2016 Aktualisiert: 29. August 2016 22:43
Die Lage in Syrien ist kompliziert: Die Türken kämpfen mit Anti-Regierungsrebellen gegen syrische Kurden. Die Kurden kämpfen mit Unterstützung der USA sowie Deutschlands gegen die Terror-Miliz Islamischer Staat - aber auch gegen die Türken. Die Russen wiederum kämpfen mit der Regierungsarmee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gegen die Anti-Regierungsrebellen und gegen die IS-Terroristen. Und die USA und ihre Verbündeten kämpfen gegen die syrische Regierung, und die Dschihadisten...

Die Türkei droht den Kurden in Syrien mit weiteren Militärschlägen, sollten sich diese nicht nach Osten zurückziehen. Die Kurdenmiliz YPG müsse wie zugesagt „augenblicklich“ auf das Gebiet östlich des Flusses Euphrat abrücken, sagte der türkische Außenminister Cavusoglu.

Zuvor stießen im Norden des Landes von der Türkei unterstützte syrische Rebellen mit Kämpfern des von Kurden angeführten Militärbündnisses Demokratische Kräfte Syriens (SDF) zusammen. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, auch türkische Panzer seien an den Kämpfen beteiligt gewesen. Es waren demnach die ersten direkten Zusammenstöße zwischen der türkischen Armee und den von Kurden angeführten Kräften.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Samstagabend, bei einem Angriff der YPG im Norden Syriens sei ein türkischer Soldat getötet und drei weitere verletzt worden. Ziel der Attacke seien zwei Panzer gewesen. Die YPG soll dabei eine deutsche Panzerabwehrwaffe des Typs MILAN eingesetzt haben.

Die türkische Armee habe darauf mit Artilleriefeuer reagiert, hieß es ohne weitere Details. Es ist der erste Bericht über türkische Opfer seit dem Start des türkischen Militäreinsatzes in Nordsyrien am Mittwoch.

Kurden gegen IS – Türkei gegen Kurden – USA Nato-Verbündeter der Türkei hilft Kurden

Bei den Demokratischen Kräften Syriens handelt es sich um ein von der Kurdenmiliz YPG angeführtes Bündnis, das vor allem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft. Unterstützt wird es dabei von Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition.

Die Kurden kontrollieren bereits große Gebiete an der Grenze zur Türkei und haben dort eine Selbstverwaltung errichtet. Die türkische Regierung will verhindern, dass die Kurden noch mehr Gebiete unter ihre Kontrolle bringen. Sie befürchtet Auswirkungen auf die kurdischen Autonomiebestrebungen im eigenen Land. Die Kurdenpartei PYD und die Miliz YPG sind eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte der „Welt am Sonntag“, nachdem die Türkei das Ziel der Ablösung Assads vorerst aufgegeben habe, sollte der Westen diesem Beispiel folgen. „Die Fakten sind einfach so. Wir können sie nicht ignorieren.“ Moralisch und politisch sei das außerordentlich bedauerlich, so Ischinger. „Denn es ist ja richtig, dass man einen Massenmörder bekämpfen sollte. Aber dann muss man eben auch etwas dafür tun. Wir haben nichts oder zu wenig getan. Damit ist dieser Plan gescheitert.“

Unterdessen hat die syrische Armee (SAA) im Süden von Aleppo die Versorgungsstraße der islamistischen Söldner komplett gekappt. Nach Informationen von Al-Masdar News soll die SAA am Sonntag eine Offensive der Terror-Miliz ISIS im östlichen Deir Ez-Zor vereitelt haben. Dabei sollen 15 ISIS-Kämpfer ums Leben gekommen sein.

Syrische Armee erobert Daraja

Zudem hat die SAA die einstige Rebellenhochburg Daraja nach mehrjähriger Belagerung wieder unter Kontrolle gebracht. Zuvor durften – wie von der Staatsführung und Aufständischen vereinbart – Einwohner und Kämpfer den wenige Kilometer südlich von Damaskus gelegenen Ort verlassen.

Das berichteten Aktivisten und Staatsmedien am Samstag. Mitte vergangener Woche wurde nach mehrtägigen Verhandlungen dann die Evakuierung vereinbart. Im Norden des Bürgerkriegslandes spitzt sich derweil der Konflikt zwischen der türkischen Armee und Kurden-Verbänden zu.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurden gemäß der seit Freitag geltenden Abmachung mehr als 3200 Menschen, darunter Zivilisten und Kämpfer, in Bussen aus Daraja weggebracht. Die Zivilisten seien zu Unterkünften in eine Gegend im Westen von Damaskus gefahren worden, die unter Kontrolle der Regierung steht. Etwa 800 Kämpfer seien in die von Rebellen beherrschte Provinz Idlib gebracht worden.

Im Juni hatte erstmals nach knapp vier Jahren ein Hilfskonvoi mit Lebensmitteln den belagerten Ort erreicht. Zuvor hatten lediglich Schmuggler durch Tunnel mitunter Nahrung nach Daraja gebracht. Für die Armee ist der Ort wichtig, weil er direkt an einem Militärflughafen liegt.

Der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge besuchte der Gouverneur der Provinz Damaskus, Alaa Ibrahim, den Ort. Er versprach demnach den Wiederaufbau Darajas. Die Regierung hat damit über einen weiteren Teil des Hinterlandes von Damaskus – der Machtbasis von Präsident Baschar al-Assad – die Kontrolle zurückgewonnen. In anderen Teilen gelten teils lokale Waffenstillstände.

Die Oppositionellen werfen der Regierung vor, viele dieser Erfolge lediglich durch Belagerung und Aushungern erreicht zu haben. Nach Schätzung der Vereinten Nationen leben in dem Bürgerkriegsland derzeit etwa 600 000 Menschen in belagerten Orten, die Stadt Aleppo nicht mitgezählt. (so/dpa)

 

 

 



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