„SZ“: Ex-EU-Kommissarin verschwieg Briefkastenfirma – Verstoß gegen Verhaltenskodex der EU-Kommission

Briefkastenfirmen sind Unternehmen, die ihren Sitz häufig in Steueroasen haben und deren wahre Eigentümer nach außen meist nicht bekannt sind. Ihr Betrieb ist nicht illegal; sie können aber zum Beispiel für Steuerflucht missbraucht werden.
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Kroes soll während ihrer Zeit als EU-Kommissarin Direktorin der Mint Holdings Limited auf den Bahamas gewesen sein.Foto: Olivier Hoslet/Archiv/dpa
Epoch Times22. September 2016
Die frühere EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes war nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ während ihrer Amtszeit Direktorin einer Briefkastenfirma auf den Bahamas. Die Niederländerin habe damit gegen den Verhaltenskodex der EU-Kommission verstoßen.

Kommissionsmitgliedern sei jegliche Nebentätigkeit verboten, meldet die Zeitung. Kroes habe auf Anfrage von einem „Versehen“ gesprochen. Ihr Anwalt sagte der Zeitung, sie übernehme die „volle Verantwortung“ und werde den Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker unterrichten.

Die heute 75-Jährige sei von 2000 bis 2009 – und damit auch als EU-Kommissarin – Direktorin der Mint Holdings Limited auf den Bahamas gewesen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf interne Dokumente aus dem Unternehmensregister des Inselstaats, die ihr zugespielt worden seien. Diese offenbarten Details über 175.888 Briefkastenfirmen und Stiftungen, die zwischen 1990 und 2016 gegründet wurden.

Briefkastenfirmen sind Unternehmen, die ihren Sitz häufig in Steueroasen haben und deren wahre Eigentümer nach außen meist nicht bekannt sind. Ihr Betrieb ist nicht illegal; sie können aber zum Beispiel für Steuerflucht missbraucht werden. In den Daten fänden sich die Namen weiterer hochrangiger Politiker, hieß es.

Die Bahamas-Enthüllungen sind in diesem Jahr bereits das zweite Datenleck in der Welt der Steueroasen. Anfang April hatten Medien weltweit über Tausende von einer Kanzlei in Panama gegründete Briefkastenfirmen berichtet, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben sollen.

(dpa)


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