Taiwan weist WHO-Vorwurf einer rassistischen Kampagne gegen Tedros zurück

Von 9. April 2020 Aktualisiert: 20. Mai 2020 15:11
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warf der Regierung in Taiwan vor, rassistische Verunglimpfungen gegen ihn geäußert zu haben. Taiwans Außenministerium verurteilte am Donnerstag diese „grundlosen“ Anschuldigungen und fordert nun eine Entschuldigung von Tedros.

Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Äthiopier ist, hatte Taiwan beschuldigt, hinter einer rassistischen Kampagne gegen ihn und Afrikaner im Allgemeinen zu stehen, schreibt „Bloomberg“.

Taiwans Außenministerium verlangte daraufhin eine Entschuldigung von Tedros für die – wie das Ministerium es ausgedrückte – „unnötigen und verleumderischen“ Behauptungen.

Tedros wirft Taiwan Rassismus vor

„Vor drei Monaten kamen diese Attacken aus Taiwan“, sagte Tedros und verwies auf Kritik und Beleidigungen im Internet. „Taiwan und auch das Außenministerium wussten von der Kampagne. Sie haben sich nicht davon distanziert“, sagte der WHO-Chef. Stattdessen habe Taipeh begonnen, ihn „inmitten all dieser Beleidigungen und Verunglimpfungen zu kritisieren“.

„Wenn Menschen als Gemeinschaft anfangen, uns zu beleidigen, dann reicht das“, sagte er. „Das können wir nicht tolerieren. Aber da ich keinen Minderwertigkeitskomplex habe, wenn ich persönlich betroffen bin oder von rassistischen Verunglimpfungen angegriffen werde, ist mir das egal, denn ich bin ein sehr stolzer Schwarzer“, zitiert „Bloomberg“ den WHO-Chef.

Taiwan weist die Anschuldigungen zurück

„Ohne die Fakten überprüft zu haben, weichen Tedros‘ grundlose und unwahre Anschuldigungen nicht nur von der Realität ab, sie haben auch unserer Regierung und unserem Volk schweren Schaden zugefügt“, erklärte das taiwanische Außenministerium laut „Bloomberg“. „Diese Art von Verleumdung ist äußerst unverantwortlich.“

„Wir sind ein reifes und hochentwickeltes, fortgeschrittenes demokratisches Land und haben unser Volk absolut nicht dazu angestiftet, den Generaldirektor der WHO persönlich anzugreifen, und wir haben absolut keine rassistischen Kommentare abgegeben“, zitiert „The New York Times“ aus einer Erklärung des Außenministeriums in Taiwan.

Staatspräsidentin Tsai Ing-wen äußerte „starken Protest“ gegen Tedros‘ Behauptung, sie stecke hinter rassistischen Angriffen. Tsai lud den WHO-Chef am Donnerstag ein, nach Taiwan zu kommen, sich den dortigen Umgang mit der Pandemie anzuschauen und damit „dem Druck Chinas zu widerstehen“ und auch um zu sehen, „wie Taiwaner sich verpflichten, sich der internationalen Gesellschaft zu widmen, obwohl sie diskriminiert und isoliert sind“.

„Wir werden seit vielen Jahren aus internationalen Organisationen ausgeschlossen und wir wissen besser als jeder andere, wie es sich anfühlt, diskriminiert und isoliert zu werden“, erklärte Tsai Ing-wen auf Facebook.

Taiwan darf seit 2017 nicht mehr an der jährlichen Hauptversammlung der WHO teilnehmen. Regierungschefin Tsai wirft der Organisation vor, sich dem politischen Druck aus Peking zu beugen.

Positive Reaktionen für Taiwans Reaktionen in der Krise

„Bloomberg“ zufolge hat sich der taiwanische Außenminister Joseph Wu kritisch über den Umgang der WHO mit der Corona-Pandemie und den Ausschluss Taiwans aus der Organisation geäußert, aber es war ihm auch unklar, auf welche Kampagne rassistischer Angriffe sich Tedros bezog.

Taiwans Reaktion auf das Virus wurde von so unterschiedlichen Stimmen wie dem US-Außenministerium, Bill Gates und Barbra Streisand gelobt. Die Insel hat bisher 379 Fälle und fünf Todesfälle gemeldet.

Während Taiwans Regierung ein Gründungsmitglied der Vereinten Nationen war, nahm die Volksrepublik China erst im Jahr 1971 ihren Sitz in diesem Gremium ein, schreibt „Bloomberg“. China beansprucht die selbstverwaltete Insel als Teil seines Territoriums. Taiwans Regierung lehnt diesen Anspruch ab, die Insel sei eine unabhängige, souveräne Nation.

Tedros vermied es, Trump namentlich zu nennen

Nach der Kritik von Donald Trump am Umgang der WHO mit der Corona-Pandemie hat sich Tedros gegen die Aussagen des US-Präsidenten gewehrt und eine „Politisierung des Virus“ zurückgewiesen.

„Wir sollten keine Zeit damit verschwenden, mit dem Finger auf andere zu zeigen“, sagte WHO-Vorsitzende Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf, berichtet AFP.

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Tedros betonte, dass sich „alle politischen Parteien darauf konzentrieren, ihr Volk zu retten“. Diese sollten das Virus nicht politisieren, wenn sie „nicht noch mehr Leichensäcke wollen“. Tedros warnte:  „Wenn es Risse auf nationaler und globaler Ebene gibt, dann hat das Virus Erfolg.“ Der WHO-Chef drängte auch die USA und China, besser zusammenzuarbeiten oder zu riskieren, die Pandemie in eine größere Krise zu verwandeln.

Guterres: Jetzt sei Zeit für „solidarische Zusammenarbeit“

Der US-Präsident hatte der UN-Organisation am Dienstag massive Versäumnisse im Kampf gegen das Virus vorgeworfen. Die WHO habe im Kampf gegen das Virus eine „fehlerhafte Empfehlung“ abgegeben. „Zum Glück habe ich frühzeitig ihre Empfehlung zurückgewiesen, unsere Grenze zu China offen zu lassen“, schrieb der US-Präsident auf dem Internetdienst Twitter.

Trump hatte Ende Januar ein Einreiseverbot für Reisende aus China verhängt. Außerdem griff er das Land, in dem das Virus erstmals aufgetaucht war, wegen der Pandemie wiederholt scharf an.

Auch UN-Generalsekretär Guterres betonte am Mittwoch, jetzt sei nicht die Zeit, die frühere Reaktion auf die Corona-Pandemie zu kritisieren. „Wenn wir erstmal das Blatt bei dieser Epidemie gewendet haben, dann wird es eine Zeit geben, um zurückzublicken. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt“, ließ Guterres über seinen Sprecher mitteilen. Jetzt sei die Zeit für „solidarische Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft, um dieses Virus und seine erschütternden Folgen zu stoppen“.