Taylor Swift bricht selbstgewähltes politisches Schweigegelübde – und stößt auf geteilte Reaktionen

Man kennt es „All Too Well“: Einige Zeitgenossen schätzten den „Blank Space“ nicht, den Sängerin Taylor Swift bezüglich politischer Vorlieben offenließ, und wollten wissen, ob es sich bei ihr auch um „A Perfectly Good Heart“ handele. Nun hat sie sich mit einem als „Delicate“ einzustufenden Statement zur bevorstehenden Kongresswahl auf eine „Treacherous“ Slope begeben und damit „Bad Blood“ hinterlassen.
Titelbild
Taylor Swift.Foto:  Jimmy Morris/dpa
Von 10. Oktober 2018

Dass auf diversen Oldiesendern ab und an noch John Denver gespielt wird, ändert nichts an der Gesamtsituation: Countrymusik gilt in weiten Teilen Europas als latent politisch unkorrekt und deshalb suspekt. Das hat mehrere Gründe: Zum einen identifiziert sich der moralisch gefestigte Bewohner des aufgeklärten Kontinents generell mit dem kosmopolitischen intellektuellen Großstadtmenschen und nicht mit dem bodenständigen amerikanischen Hillbilly oder Cowboy. 

Dann kommt noch dazu, dass in den meisten Countrytexten ein positives Verhältnis zur Familie, zum Christentum, zum eigenen Land oder zu traditionellen Kleinstadtwerten zum Ausdruck kommt – im „kritischen“ Europa ein absolutes No-Go. Dass das gehobene städtische Publikum hüben wie drüben keine Countrysänger kennt und auch nicht, was sie singen, soll angesichts der patriotischen Aufwallungen nach 9/11 auch dazu beigetragen haben, dass man bereits die Wiederwahlchancen George W. Bushs 2004 völlig unterschätzt hatte.

Für die Dixie Chicks als Ausreißer kam es noch dicker: Sie verloren nach ihren harten Worten gegen den 43. Präsidenten in den Vereinigten Staaten mehr an Käufern ihrer Alben als sie in Europa dazugewinnen konnten. Sogar Deutschland wurde 2006 beim Grand Prix d’Eurovision für die Entscheidung, mit Texas Lightning eine Countryband zu schicken, mit Platz 14 abgestraft.

Nach „Red“ fast nur noch Pop

Der Erfolgsweg der 1989 in Reading, Pennsylvania geborenen Taylor Allison Swift begann 2006 ebenfalls im Countrygenre. Ihre Debütsingle „Tim McGraw“ erreichte Platz 6 in den US-Countrycharts, ihr Debütalbum mit ausschließlich selbstgeschriebenen Songs wurde mit Fünffach-Platin ausgezeichnet. In den Jahren 2008, 2010 und 2012 folgten drei weitere Erfolgsalben, „Fearless“, „Speak Now“ und „Red“ – wobei es bereits für das Erstgenannte eine Country-lastige US-Fassung und eine Pop-orientierte für die übrigen Länder gab.

Mit Fortdauer ihrer musikalischen Karriere und mit weltweit steigender Popularität entfernte Taylor Swift sich zunehmend von ihren Country-Wurzeln und die Pop-Einflüsse wurden stärker. „Red“ wurde zum letzten Album, das beide Bereiche abdeckte – das „Rolling Stone“-Magazin führte noch im Vorjahr die darauf enthaltene Ballade „All Too Well“ auf Platz 29 seiner Wertung der 100 bislang besten Songs des Jahrhunderts. Im Country-Bereich veröffentlichte Taylor Swift seither nur noch vereinzelte Stücke, wie etwa die Duette „Highway Don’t Care“ mit Tim McGraw 2013 oder „Babe“ mit Sugarland 2018.

Mit der Longplay „1989“, die im Jahr 2014 erschien, haben endgültig die „fetten Beats“ anstelle der akustischen Westerngitarre das Ruder übernommen und die Musik von Taylor Swift wurde Club-tauglich. Was ihr jedoch insbesondere innerhalb der liberalen Künstlerszene vielfach angekreidet wurde, war, dass sie – offenbar um ihr Stammpublikum zu behalten – ein Image als Sauberfrau pflegte. Im Unterschied zu anderen Stars mit Country-Wurzeln, etwa Miley Cyrus, leistete sie sich auch als Pop-Diva keine Skandale oder Obszönitäten, mittels derer sie signalisiert hätte, dass sie „erwachsen“ geworden wäre. Sie stand auch bewusst nie für erotische Fotoaufnahmen zur Verfügung.

Druck vonseiten progressiver Kollegen stieg stetig

Zudem zeigte sie sich mit politischen Statements sehr zurückhaltend. Bei der progressiven Gemeinde gilt so etwas, wie man es auch aus Deutschland vom Beispiel Helene Fischer weiß, als anrüchig. Wer Ruhm und Reichtum als Musiker oder Schauspieler erwirbt, möge diesen auch nutzen, um „Haltung“ zu zeigen.

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2008 setzte sich Taylor Swift für Aktionen zur Steigerung der Wahlbeteiligung ein. Allerdings erklärte sie auch:

„Ich denke nicht, dass es meine Aufgabe ist, zu versuchen, Menschen dahingehend zu beeinflussen, wie sie wählen sollen.“

Nach der Wahl räumte sie gegenüber Rolling Stone ein, Barack Obama gewählt zu haben und seine Wahl zu begrüßen, allerdings hielt sie sich in den darauffolgenden Jahren wieder mit politischen Statements zurück. Gleichzeitig wuchs der mediale Druck auf die Sängerin, sich in den Dienst politisch korrekter Anliegen zu stellen, zumal sie zunehmend auch als „gierig“ dargestellt wurde. Immerhin hatte sie sich nicht nur Rechte an Titeln und Musik von „1989“ schützen lassen, sondern auch an einzelnen charakteristischen Textzeilen. Zudem waren viele ihrer Titel über Monate hinweg nicht auf Streaming-Plattformen verfügbar, da sie ausbleibende Tantiemen infolge von Gratismonaten für Nutzer von Apple Music nicht akzeptieren wollte.

Am Sonntag hat sich Taylor Swift jedoch erstmals seit längerer Zeit mit einem explizit politischen Statement zu Wort gemeldet. Auf Instagram gab die im Bundesstaat Tennessee lebende Sängerin ihrer Absicht Ausdruck, die demokratischen Kandidaten Phil Bredesen für den Senat und Jim Cooper für das Repräsentantenhaus wählen zu wollen. Zudem rief sie ihre Follower dazu auf, sich für die Wahlen registrieren zu lassen und verband ihre Aussage mit heftiger Kritik an der amtierenden republikanischen Senatskandidatin Marsha Blackburn.

„Systemischer Rassismus“

Swift erklärte, einige Vorfälle in ihrem Leben und in der Welt während der letzten beiden Jahre hätten sie von ihrer Zurückhaltung in politischen Dingen Abstand nehmen lassen. Sie glaube an den „Kampf für LGBTQ-Rechte“ und dass der „systemische Rassismus, den wir in diesem Land gegenüber farbigen Menschen immer noch beobachten können, erschreckend, verstörend und weit verbreitet“ sei.

Marsha Blackburn vertritt seit 2013 ihren Stimmkreis im Repräsentantenhaus, nun bewirbt sie sich um einen Senatssitz. Taylor Swift wirft ihr vor, gegen „gleichen Lohn für Frauen“ und gegen ein Gewaltschutzgesetz gestimmt zu haben, das Frauen vor häuslicher Gewalt schütze. Zudem „glaubt sie, Geschäfte hätten ein Recht, schwulen Paaren Dienstleistungen zu verweigern. Auch denkt sie, diese hätten kein Recht, zu heiraten.“

Auf „PJ Media” untersucht Tyler O’Neil, was es mit diesen Vorwürfen tatsächlich auf sich hat, und er kommt zu dem Ergebnis, dass Taylor Swift die politische Bilanz Blackburns in unzutreffender Weise darstellt.

Was die gleiche Bezahlung anbelangt, hat Blackburn 2009 gegen den Lilly Ledbetter Fair Pay Act gestimmt, der unter anderem Fallfristen für Klagen gegen Arbeitgeber wegen angeblich ungerechtfertigter Diskriminierung bei Löhnen beseitigt. Die Frist für Klagen sollte demnach nicht mit dem Datum der Auszahlung des letzten Monatslohnes beginnen, sondern bereits mit Beginn der angeblichen Diskriminierung. Begründet hatten die Gegner des Gesetzes ihren Widerstand dagegen damit, dass zum einen nicht Washington zentralistisch entscheiden solle, was ein gerechtfertigter oder nicht gerechtfertigter Lohnunterschied sei.

Zum anderen wäre das Risiko, das mit dem Gesetz verbunden sei, dass Arbeitgeber Frauen aus Angst vor nachgeschobenen Klagen gar nicht erst einstellen würden. Eine Ablehnung gleicher Bezahlung sei damit in keiner Weise verbunden.

Vorwürfe an Blackburn halten Überprüfung nicht stand

Was den Violence Against Women Act (VAWA) anbelangt, hatte Blackburn dessen Fassung von 2012 unterstützt und auch auf bundesstaatlicher Ebene ähnliche Vorhaben mitgetragen. Allerdings lehnte sie die Neufassung aus dem Jahr 2013 ab, womit das speziell auf häusliche Gewalt gegen Frauen gerichtete Gesetz zunehmend zweckentfremdet und mittels eigener Klauseln auch auf andere Gruppen (LGBT, Ureinwohner, illegale Einwanderer) ausgedehnt würde. In der heutigen Fassung werden auch schon Personen geschützt, die sich „als Frauen identifizieren“.

Die Frage, inwieweit private Unternehmen berechtigt sind, aus religiösen Gründen die Mitwirkung an Handlungen abzulehnen, die sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, hat der Supreme Court mittlerweile in seiner Entscheidung zum Fall Masterpiece Cakeshop v. Colorado Civil Rights Commission geklärt. Der Bäcker Jack Philips hatte sich geweigert, eine Torte für eine „Homo-Hochzeit“ zu backen, weil die Ehe nach seiner Überzeugung begrifflich die Verschiedenheit der biologischen Geschlechter der Partner voraussetze. Er wäre jederzeit bereit gewesen, andere Dienstleistungen für die Auftraggeber zu erbringen.

Marsha Blackburn erklärte in diesem Zusammenhang, diese Option sollte Geschäftsleuten im Sinne der Vertragsfreiheit und der von der Verfassung gewährleisteten Glaubensfreiheit offenstehen. Der Supreme Court sah es ähnlich.

Kein Dixie-Chicks-Effekt zu erwarten

Ob Taylor Swift sich mit dieser Erklärung einen Gefallen getan hat, wird sich weisen. Einer jüngst veröffentlichten CBS-Umfrage liegt Blackburn derzeit acht Punkte vor ihrem demokratischen Kontrahenten, ob Swifts Wahlaufruf diesen Trend noch ändern kann, ist höchst ungewiss.

Die Affäre dürfte, da es sich um eine lokale Angelegenheit handelt, auch nicht einen so tiefgreifenden Effekt haben wie die Bush-Kritik der Dixie Chicks, die zur Folge hatte, dass deren Plattenverkäufe in den USA in den Keller sanken. Insgesamt scheint jedoch der Rückhalt unter US-amerikanischen Countryfans dauerhafter und nachhaltiger zu sein als der kurzfristige, der in der globalisierten Pop-Welt die Regel ist. Den Heimatmarkt zu vergraulen in der Hoffnung, Europa zu erobern, hat sich schon für einige Hollywood-Größen als Fehlkalkulation erwiesen.



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