Tochter des ermordeten Politikers Nemzow erhebt Vorwürfe gegen Kreml

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Blick über Moskau mit dem KremlFoto: über dts Nachrichtenagentur
Epoch Times20. Juli 2015

Die Tochter des ermordeten russischen Oppositionsführers Boris Nemzow, Schanna Nemzowa, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kreml, dessen Propaganda und Teile der russischen Medien, die gegen Oppositionelle in ihrem Heimatland vorgehen. Die Verantwortlichen seien "keine Journalisten, das sind Propagandisten, die sich verbrecherischer Methoden bedienen", sagte Nemzowa im Interview der europäischen Zeitungsallianz LENA, zu der auch "Die Welt" gehört.

Nemzowa fordert vom Westen Einreiseverbote gegen die Hauptverantwortlichen für die "Hass-Propaganda" des Kreml: Der Mord an ihrem Vater sei auch ein Resultat der Hass-Propaganda und Hetze: "Sie haben aus meinem Vater einen Nicht-Menschen gemacht, den man töten kann."

Die russische Regierung übe "konkreten Druck" auf sie aus, mische sich in die Ermittlungen ein und wolle, dass der Mord an ihrem Vater nicht aufgedeckt werde, so Nemzowa weiter. Sie werde deshalb nicht nach Russland zurückkehren, solange Wladimir Putin dort an der Macht sei: "Im Moment ist es für mich gefährlich, dort zu leben".

Der frühere Vize-Premierminister und Oppositionsführer Nemzow war am 27. Februar in Sichtweite des Kremls von Unbekannten ermordet worden. Die Ermittlungen in dem Mordfall seien "in eine Sackgasse geraten, sie laufen äußerst langsam", beklagte die 31-Jährige. "Die Machthaber haben mich über Mittelsmänner aufgefordert, mich von meinem Anwalt zu trennen, der meine Interessen als Geschädigte im Ermittlungsverfahren vertritt." Man habe ihr mitgeteilt, sie solle sich einen Rechtsbeistand nehmen, der dem Kreml passe. Sie habe "kategorisch `nein` gesagt", sagte Nemzowa der "Welt."

Der Kreml habe ihr daraufhin ausrichten lassen, dass er ihre Haltung "sehr bedauere". Sie nehme den Druck auf sie "sehr ernst", so Nemzowa weiter. Die Menschen in Russland stünden vor der Wahl: "Entweder man hält seinen Mund, dann passiert einem nichts, oder man sagt, was man denkt, und riskiert alles." Weil sie weiter wissen wolle, wer ihren Vater ermordet habe, sähe sie der Kreml als Gefahr: "Sie wollen de facto, dass ich aufhöre, um die Aufklärung des Mords an meinem Vater zu kämpfen. Das ist enorm zynisch."

Im Ermittlungskomitee sei ihr oft gesagt worden, es sei "sehr schlecht", dass sie Journalistin sei, weil sie "zu viele Fragen stelle". Insbesondere missfällt den Machthabern laut Nemzowa, dass in den Medien so viel über den Mordfall berichtet werde.

(dts Nachrichtenagentur)



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