Tschernobyl: Erhöhte Radioaktivität in Gegend um AKW-Ruine nach Ausbruch von Waldbränden

Von 7. April 2020 Aktualisiert: 7. April 2020 10:00
In der Sperrzone rund um das frühere AKW Tschernobyl in der heutigen Ukraine sind Waldbrände ausgebrochen. Erhöhte Radioaktivität erschwert Medienberichten zufolge die Löscharbeiten. Vor fast genau 34 Jahren war ein Reaktor innerhalb des AKW-Komplexes explodiert.

Knapp 34 Jahre nach der Katastrophe im damals sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl wird die Gegend rund um das heute ukrainische Pripjat von Waldbränden heimgesucht. Wie „Euronews“ berichtet, versuchen ukrainische Feuerwehrleute, zwei Feuer in der Sperrzone rund um die Ruine des früheren AKWs unter Kontrolle zu bekommen. Es soll zu einem Anstieg der Radioaktivität gekommen sein.

Mehr als 100 Brandbekämpfer sind seit Samstag (4.4.) im Einsatz. In ihrem Kampf gegen die Flammen sind sie mit Hubschraubern und weiterem Gerät ausgestattet. Mittlerweile sollen sich die Brände innerhalb eines Areals von etwa 100 Hektar der insgesamt 2.600 Quadratkilometer großen, bewaldeten Sperrzone ausgebreitet haben, die 1986 nach der Katastrophe rund um die Kraftwerksruine eingerichtet worden war.

Um 16-fach höherer Wert an Radioaktivität in der durch Waldbrände betroffenen Gegend

„Es gibt schlechte Nachrichten: Die Radioaktivität ist im Zentrum der Brandherde höher als üblich“, erklärt der Chef des Umweltinspektionsdienstes der Ukraine, Jehor Firsow, auf Facebook. Er postete das Video von einem Geigerzähler, der ein 16-fach höheres Level an Radioaktivität auswies als üblich.

In einer überarbeiteten offiziellen Erklärung auf der offiziellen Seite der Behörde wird die radioaktive Belastung nicht erwähnt. Die diesbezüglichen Werte waren in der etwa 100 Kilometer südlich davon gelegenen Hauptstadt Kyjiw am Montag innerhalb des Normbereiches.

Etwa 124 Feuerwehrleute sollen im Kotowsky-Waldgebiet rund um das Dorf Wolodymyriwka das größere der beiden Feuer bekämpfen. Es soll 20 Hektar umfassen, dazu gäbe es auch einen kleineren Brand, der bereits „lokalisiert“ sei, wie es vonseiten der Behörden hieß. Zu Beginn hatte es am Sonntag geheißen, die erhöhte Radioaktivität würde „Probleme“ bei der Bekämpfung der Brände infolge der Belastung bereiten, die damit in einzelnen betroffenen Gebieten einhergehe.

Nach Tschernobyl-Katastrophe 1986 nur Verkaufsverbote und Betretungswarnungen

Seit etwa 20 Jahren gibt es in der Gegend rund um Tschernobyl keine industrielle Aktivität mehr. Nach der Katastrophe hatten die Behörden hunderttausende Menschen aus einem weiten Gebiet rund um das Kraftwerk evakuiert. Heute ist die Zone weithin unbewohnt, etwa 200 Menschen seien jedoch geblieben.

Am 26. April war im AKW-Komplex von Tschernobyl ein Reaktor des Blocks 4 explodiert. Die Behörden meldeten das erst Tage nach dem Vorfall und nachdem im angrenzenden Schweden deutlich erhöhte Radioaktivitätswerte zu erkennen waren. Die Explosion hatte zur Folge, dass sich eine radioaktive Wolke über Europa ausbreitete.

Vielfach werden in Medien Parallelen zwischen der Bedrohung durch die radioaktive Wolke über Europa im Jahr 1986 und der heutigen Corona-Pandemie gezogen. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen unterschieden sich zum Teil jedoch deutlich. Damals gab es hauptsächlich temporäre Verkaufsverbote für Produkte wie Frischmilch, Pilze, Molke oder Futtermittel aus radioaktiv belasteten Regionen. Zudem wurde von der Nutzung von Sandspielplätzen für Kinder oder dem Betreten feuchter Wiesen temporär abgeraten. Weiterreichende Ausgangsbeschränkungen gab es damals keine.

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