Türöffner für Pädophilie? Experten warnen vor Kita-Projekt

Von 25. Oktober 2019 Aktualisiert: 25. Oktober 2019 23:09
Für 250 Euro kann jedermann sich zum „Lehrling“ im „Original Play“ ausbilden lassen und dieses fortan für Kitas und Schulen organisieren. Der intensive Körperkontakt, den das Spiel beinhaltet, soll dieses auch für Pädosexuelle interessant machen.

Ein pädagogisches Konzept, das mittlerweile auch in Deutschland und Österreich für Kindergärten und Grundschulen angeboten wird, ist nach Berichten des ARD-Politikmagazin „Kontraste“ und der ORF-Sendung „ZiB2“ ins Gerede gekommen.

Es handelt sich dabei um das sogenannte „Original Play“, das der US-amerikanische Geograf Fred Donaldson entwickelt hat und mittlerweile weltweit anbietet. In den USA selbst kooperiert Donaldson mit der Vereinigung „Parenting the Gods“ von Motivationstrainerin Blanca Vergara. In Europa werden „Original Play“-Lehrgänge unter anderem in Deutschland, Österreich und Polen angeboten. Aber auch in der Flüchtlingsarbeit im Libanon arbeiten einige Einrichtungen mit dem Konzept.

Deutlicher Männerüberhang unter den Interessenten

Kritikern zufolge würden die Ausrichter des „Original Play“ ein „sektenähnlich organisiertes Geschäftsmodell“ betreiben. Jedermann könne sich dort für 250 Euro zu einem zweitägigen Workshop anmelden und anschließend selbst als Organisator der „Spiele“ an Kinderbetreuungseinrichtungen herantreten.

Das Geschäftsmodell und die unzureichende pädagogische Qualifikation der Betreiber sind jedoch nicht die einzigen Kritikpunkte an dem Konzept. Schwerer wiegt, dass besorgte Eltern und Experten das „Original Play“ als potenzielles Einfallstor für Pädophilie betrachten und es Anhaltspunkte dafür gibt, dass dieses überdurchschnittlich viele Pädophile als Interessenten anziehe.

Der Grund: Das Spiel bietet die Aussicht auf intensiven Körperkontakt mit Kindern – und in die „Kuschel- und Raufausbildung“ auf Matten mischen sich auch fremde Erwachsene ein. Der in München und Salzburg tätige Kinderpsychiater Karl Heinz Brisch zweifelt, wie unter anderem der „Standard“ berichtet, die Wissenschaftlichkeit der Methode und die „Seriosität der sehr körpernahen Intimitätsspiele“ an. Sein Fazit:

Dieser Verein müsste sofort verboten werden, weil er in einer hochkritischen, undifferenzierten Weise Körperkontakt in einer geschützten Situation im Kindergarten zu Kindern sucht – und das in einer vollkommen unkontrollierten Art und Weise.“

Schmerzen nach „Dorn im Po“

Auch Trauma-Expertin Michaela Huber spricht gegenüber der ARD von einer „Einladung zur Übergriffigkeit an Kindern“.

Offenbar ist es dort, wo das „Spiel“ schon einmal praktiziert wurde, mehrfach auch bereits zu unerwünschten Vorfällen gekommen. Der „Focus“ zitiert eine Mutter, der gegenüber ihre Tochter über Schmerzen im Po geklagt habe, nachdem diese dort einen „Dorn“ gespürt habe. Es könnte sich dabei den Schilderungen des Kindes zufolge um einen Penis gehandelt haben. Ein Vater berichtet:

Unser Sohn hat uns in dem Kontext mit diesem Original Play sehr explizite, sexuelle, gewalttätige Dinge erzählt und auch vorgespielt.“

Der Erfinder des Spiels erklärt, sein Konzept orientiere sich am „ursprünglichen Spieltrieb“, wie er ihn nicht nur bei Kindern, sondern auch an freilebenden Tieren beobachtet habe. Dieses „ursprüngliche Spiel“ kenne „keine Regeln, kein Gewinnen und kein Verlieren“ und solle die Beziehungen „zwischen Individuen und Gruppen“ verbessern.

„Kontraste“ berichtete zudem von sechs Verdachtsfällen von Kindesmissbrauch, die im Vorjahr in Berlin und Hamburg die Ermittlungsbehörden auf den Plan gerufen hätten. Die Verfahren seien aber nach kurzer Zeit eingestellt worden, weil die Kinder zu klein waren, den Eltern nicht geglaubt worden sei oder Ermittlungsfehler gemacht worden sein sollen.

Neue Sensibilität?

Die neue Sensibilität und der auch aufseiten von Medien und Politik zu verzeichnende Wille, gegen Anbieter zweifelhafter Körperspiele vorzugehen, weist auf einen möglichen Paradigmenwechsel hin. Während etwa in der berüchtigten Odenwaldschule in Deutschland oder im heftig kritisierten „Medienkoffer Sexualerziehung“, der unter Unterrichtsministerin Dr. Hilde Hawlicek in Österreich Mitte der 1980er Jahre an Schulen versandt wurde, das spielerische Ermöglichen von Körperkontakt ausdrücklich vorgesehen und erwünscht war, scheinen die nunmehrigen Warnungen vor dem „Original Play“ den Bedenken von Erziehungsberechtigten doch Rechnung zu tragen.

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