US-Ökonomen: Umverteilung kein probates Mittel gegen Armut – Wachstum und legale Einwanderung helfen

Von 23. Oktober 2018 Aktualisiert: 23. Oktober 2018 16:13
Umverteilung und großzügige Spenden werden immer noch vielerorts als Wege gepriesen, Menschen aus der Armut zu helfen. Eine Autorengruppe rund um den Harvard-Ökonomen Lant Pritchett hat diese These auch in einer jüngsten Studie einmal mehr als Mythos entlarvt. Eigeninitiative, Wirtschaftswachstum und legale Einwanderung seien demnach ungleich wirksamer.

Auf dem Blog der „Bibliothek der Wirtschaft und Freiheit“, die vom Liberty Fund des 1973 verstorbenen Geschäftsmann Pierre F. Goodrich in Indianapolis gegründet wurde, rezensierte Bryan Caplan ein jüngst veröffentlichtes Thesenpapier des Centers for Global Development. Dieses setzte sich mit der Frage der globalen Armutsbekämpfung auseinander.

Die Quintessenz der Autorengruppe rund um Harvard-Ökonom Lant Pritchett ist eine einfache: So gut wie jedwede Reduktion der Armut rührt von wirtschaftlichem Wachstum und legaler Migration her. Kaum einen nennenswerten Effekt haben demgegenüber Umverteilung oder Philanthropie.

Pritchett erläutert den Zusammenhang wie folgt: Es gäbe demnach vereinfacht zwei Wege, um den Armen in der Welt zu helfen. Einer besteht darin, dass ein reicher Mensch einen Dollar gebe und damit in etwa den gleichen Gegenwert an den Armen ausfolge. Der andere bestehe darin, dass der Reiche dem Armen erlaubt, zum üblichen Lohn in seinem Unternehmen, seinem Land und seiner Branche zu arbeiten und kein aktiver Zwang stattfinde, um dies zu verhindern. Auf diese Weise würde die betreffende Person zum Produkt des Reichen beitragen – wobei die Kostenneutralität entweder von vornherein bestehe oder ohne größeren Aufwand hergestellt werden könne.

Auch die besten Programme gegen Armut weniger wirksam als Vertragsfreiheit

Natürlich könne der Dollar in den Händen der armen Person mehr an Wohlstand bewirken als würde der Reiche ihn ausgeben, da der Grenznutzen für die arme Person deutlich höher ist. Der Verteilungseffekt sei in beiden Varianten jedoch derselbe.

Unter den bestehenden Umständen wäre also das Mindeste, was man tun könne, lediglich die Freiheit von Menschen, die arbeiten wollen und solchen, die diesen Arbeit geben wollen, zu gewährleisten, eine Transaktion zum beiderseitigen Nutzen über die Grenzen hinweg zu tätigen. Und doch wäre das längerfristig die bessere Option gegenüber dem Optimum dessen, was direkte Hilfe bewirken könnte, die diesen nicht auch noch ermögliche, sich zu den Arbeitsmöglichkeiten hin zu bewegen.

Zwar seien die besten Anti-Armuts-Programme besser als gar nichts, aber sie stellen lediglich einen Tropfen auf dem heißen Stein dar verglichen zur Größe des Problems.

Ökonomen kritisieren an Verteilungs- und Investitionsprogrammen oft, dass die Empfänger dieser Leistungen diese nicht ausreichend wertschätzen würden. Pritchett meint, dies anhand der Ergebnisse einer Studie aus dem Jahre 2016 auch empirisch nachweisen zu können, die Pascaline Dupas und Edward Miguel von der Stanford-Universität durchgeführt hatten.

Konkrete Hilfsangebote nur unzureichend angenommen

Sie beobachteten beispielsweise Gesundheitsprogramme in Afrika, die Nahrungsmittel, Stipendien, den Bau von Toiletten, Netzbetten in Malariagebieten oder Güter von Vitaminpräparaten über Seife bis hin zu Latrinenplatten zur freiwilligen Inanspruchnahme bereithielten. Die Nachfragequote – die den Wert der jeweiligen Güter für den Verbraucher ausdrückt – war beispielsweise im Fall eines Wasserfilters im Wert von 15 Dollar in Ghana, dessen Preis durch Subvention auf sechs Dollar sank, nur zehn Prozent. Ein Latrinenboden in Tansania, der zu identischen Konditionen zu haben war, wurde nur von 20 Prozent der Bezugsberechtigten nachgefragt. In Deutschland gibt es übrigens ähnliche Erfahrungen mit dem staatlich geförderten Bildungspaket für Hartz-IV-Empfänger.

Empirisch gesehen ist die Eigeninitiative der Betroffenen der häufigste Weg aus der Armut. Eine von Pritchett und Kollegen durchgeführte Erhebung über zehn Jahre hinweg, die in Dörfern von 14 Ländern und drei indischen Bundesstaaten stattfand und 2009 ausgewertet wurde, verglich man die wirtschaftliche Situation ausgewählter Haushalte zu Beginn und zum Ende der Beobachtungsperiode.

Etwa 4000 Menschen sei es in den zehn Jahren gelungen, so berichteten diese selbst oder ihre Nachbarn, aus der Armut auszubrechen. Von diesen hätten 87 Prozent durch Eigeninitiative ihrem Leben eine Wende gegeben – 60,1 Prozent haben eine Arbeit außerhalb der Landwirtschaft gesucht, 17,4 Prozent in der Landwirtschaft, 4,7 Prozent haben Kapital gebildet und 5,5 Prozent einfach nur härter gearbeitet. Nur 0,3 Prozent, in Zahlen: 12 Personen von 3991, nannten die Hilfe von Nichtregierungsorganisationen als Grund für die Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse.

Frage des Willens

Die rein auf materiellen Wohlstand und ökonomische Zusammenhänge abstellende Betrachtungsweise Pritchetts mag natürlich etwas unterkomplex wirken. Auch legale Einwanderung und eine Beschäftigung von Einwanderern zu ortsüblichen Löhnen – was beides in vielen Fällen nicht stattfindet – ändern nicht viel daran, dass kulturelle Faktoren eine Politik der offenen Grenzen, wie der Ökonom sie fordert, zu einem unkalkulierbaren Risiko machen.

Was seine Studien jedoch ohne Zweifel unterstreichen, ist, dass eine Verbesserung von Lebensverhältnissen in Bereichen mit niedrigem Einkommen in erster Linie eine Frage des Willens aufseiten der Betroffenen ist, keine einer von oben definierten „Verteilungsgerechtigkeit“.

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