USA: Afro-amerikanische Miliz will „neue schwarze Nation“ entstehen lassen – „vielleicht in Texas“

Von 21. Juli 2020 Aktualisiert: 21. Juli 2020 9:51
Als „Not F**king Around Coalition“ (NFAC) bezeichnet sich eine bewaffnete afro-amerikanische Miliz, die in Minneapolis während der jüngsten Unruhen Geschäfte schwarzer Unternehmer bewacht hat. Ihr Führer „Grand Master Jay“ will einen schwarzen Staat auf US-Territorium.

Mit einem Aufmarsch in Stone Mountain im US-Bundesstaat Georgia hat eine afro-amerikanische Miliz Aufsehen erregt, die sich „Not F**king Around Coalition“ (NFAC) nennt.

Ihr Anführer, der sich als „The Official Grand Master Jay“ bezeichnet, hat noch einmal nachgelegt und einen eigenen Staat für eine „schwarze Nation“ gefordert. Die Regierung der Vereinigten Staaten solle demnach „jedem afroamerikanischen Nachkommen der Sklaverei“ ein eigenes Grundstück auf einem solchen Territorium ermöglichen, „vielleicht in Texas“, so der „Grand Master“.

Miliz propagiert „Auge um Auge“-Ansatz

Das Ethos der Miliz, die vor einem Jahr erstmals öffentlich in Erscheinung getreten sei, gebe es schon länger als die „Black Lives Matter“-Bewegung, erklärte der frühere Hip-Hop-Musiker, der im bürgerlichen Namen John Jay Fitzgerald Johnson heißt, gegenüber dem „Atlanta Black Star“.

Mit deren Protesten habe man nichts gemein, man stehe für einen „Auge um Auge“-Ansatz, wenn es darum geht, bewaffneten Selbstschutz innerhalb der Community zu üben. Während der Proteste nach dem Tod des Afro-Amerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis sollen Einheiten der NFAC vor Ladengeschäften schwarzer Unternehmer postiert gewesen sein, um diese vor Plünderungen zu schützen.

Gegenüber dem „Atlanta Black Star“ betonte Jay auch die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung der Ordnung innerhalb der eigenen Community und der Ausübung der Rechte des Zweiten Verfassungszusatzes, der den freien Waffenbesitz schützt.

Die NFAC repräsentiere „ein Element, das immer schon existiert hat in Amerika“. Es seien vorwiegend Veteranen, die sich der Gruppe angeschlossen hätten, „und erwachsene Menschen, die gesetzestreue Bürger sind, die sehen, was los ist und die auch verantwortungsvolle Waffenbesitzer sind, die die Verfassung verstehen. Das unterscheidet uns nicht von den meisten anderen Amerikanern – nur, dass wir eben alle schwarz sind.“

Steigende Mitgliederzahl seit mutmaßlichem Mord an Ahmaud Arbery

Die Miliz war bislang vor allem dort aufgetreten, wo rechtsextremistische weiße Gruppierungen Aufmärsche durchführten. Man wolle damit, so Jay, „ein zweites Greensboro“ verhindern. In der Stadt in North Carolina wurden 1979 fünf Menschen erschossen, die sich zu einer Protestkundgebung gegen eine Versammlung von Neonazis und Ku-Klux-Klan-Anhängern versammelt hatten.

Der jüngste Auftritt in Georgia stand im Zusammenhang mit dem Tod des 25-jährigen Ahmaud Arbery im Februar in Brunswick, der beim Joggen mit drei Pick-Up-Fahrern aneinandergeraten war und mutmaßlich beim Kampf um eine Schusswaffe durch eine Kugel, die aus der Waffe abgefeuert wurde, ums Leben kam.

Während aus dem Umfeld der übrigen Beteiligten erklärt wurde, Arbery sei illegal auf deren Grundstück eingedrungen, gibt es Videomaterial, das zeige, dass die übrigen Involvierten von sich aus die Konfrontation gesucht und Arbery vorsätzlich getötet hätten. Dies wirft ihnen nun auch die Staatsanwaltschaft vor.

In einem in den sozialen Medien weit verbreiteten Video erklärte Grand Master Jay, die NFAC könne zum „Rückgrat der Armee einer neuen schwarzen Nation werden“. Mit den „Black Panthers“, die bereits zuvor als bewaffnete Bewegung militanter Afro-Amerikaner in Erscheinung getreten war, wolle man auch nichts zu tun haben: „Wir sind keine Protestbewegung, wir sind keine Demonstranten, wir unterstützen diese Bemühungen nicht.“

„Nation of Islam“ als Vorbild für NFAC?

Inwieweit die NFAC Bezüge zur „Nation of Islam“ aufweist, die seit den späten 1960er Jahren schwarzen Separatismus predigt, lässt Jay offen. Diese hatte mit ihrem Versuch, Separatismus mit islamischen Lehren zu verbinden, unter anderem auch Persönlichkeiten wie Muhammad Ali oder Malcolm X phasenweise für sich einnehmen können. Diese distanzierten sich davon jedoch, weil sie zur Überzeugung gelangten, diese schüre Rassenhass und sei mit dem Islam nicht vereinbar.

Kritik an der Häufigkeit von Straftaten innerhalb der schwarzen Community, wie sie jüngst auch Atlantas Bürgermeister Keisha Lance Bottoms im Zusammenhang mit dem Tod eines achtjährigen Mädchens am 4. Juli geäußert hatte, will Jay nicht gelten lassen. Angehörige einer bewaffneten afro-amerikanischen Gruppe hatten zuvor in ein Auto geschossen.

„Unerfahrene, untrainierte, undisziplinierte Typen mit Feuerwaffen“

„Zuallererst sollten wir nicht über Verbrechen von Schwarzen gegen Schwarze sprechen, ehe wir alle andere demografischen Gruppen besprochen haben, deren Verbrechensstatistiken vergleichbar sind.“ Die Kommentare von Bottoms seien „ignorant“, denn sie nährten das Stereotyp, wonach schwarze Menschen etwas Schlechteres wären.

Der Tod des Mädchens sei „unerfahrenen, untrainierten, undisziplinierten Typen mit Feuerwaffen“ zuzuschreiben, so Jay. Allerdings treffe die lokale Verwaltung von Atlanta eine Mitverantwortung für die „immer schlechter werdenden soziologischen Bedingungen“, die in der ganzen Stadt zu verzeichnen wären.

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