USA leiten kompletten Truppenrückzug aus Syrien ein

Die USA wollen ihre Streitkräfte vollständig aus Syrien abziehen. Der Rückzug der 2000 Soldaten sei bereits eingeleitet worden, und der Einsatz werde nun "in die nächste Phase" gehen", teilte Präsidentensprecherin Sarah Sanders mit.
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Die USA waren seit 2014 an der Spitze eines Bündnisses in Syrien und im Irak im Einsatz, um den IS zu bekämpfen.Foto: Hussein Malla/AP/dpa
Epoch Times19. Dezember 2018

Die USA wollen ihre Streitkräfte vollständig aus Syrien abziehen. Der Rückzug der 2000 Soldaten sei bereits eingeleitet worden, und der Einsatz werde nun „in die nächste Phase“ gehen“, teilte Präsidentensprecherin Sarah Sanders am Mittwoch in Washington mit. US-Präsident Donald Trump erklärte, er sehe die Mission der US-Armee in Syrien mit dem Sieg über die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) als erfüllt an.

Aus Regierungskreisen in Washington hieß es, dass ein „vollständiger Rückzug“ angestrebt werde. Er solle „so schnell wie möglich“ abgeschlossen sein. Ein Zieldatum wurde nicht genannt.

Der Rückzug der USA dürfte erhebliche Auswirkungen auf die Kräfteverhältnisse in Syrien haben. Kritiker warnten, durch den Abzug könnten Widersacher der USA wie Russland und der Iran ihren Einfluss in der Region noch weiter ausbauen. Der Abzug stellt auch den Fortbestand der kurdischen Milizen in Frage, die dort bislang mit Unterstützung der USA gegen den IS kämpfen.

Präsident Trump teilte in einer Twitter-Botschaft mit, dass die US-Mission in Syrien ihren Zweck erfüllt habe: „Wir haben ISIS in Syrien geschlagen, mein einziger Grund, während der Trump-Präsidentschaft dort zu sein.“

Trump hatte bereits im März unerwartet einen baldigen Abzug der US-Truppen aus Syrien in Aussicht gestellt, doch blieb es damals bei der Ankündigung, die offenbar ohne Abstimmung mit der Regierung getroffen worden war.

Die Entscheidung vom Dienstag stieß auch in Trumps eigener Partei auf Kritik. Durch den Abzug aus Syrien schade Trump seinem erklärten Ziel – nämlich, den Einfluss Irans in der Region einzudämmen, erklärte der republikanische Senator Lindsey Graham. „Der Abzug hintertreibt diese Bemühungen und gefährdet unsere Verbündeten, die Kurden.“

Der republikanische Abgeordnete Adam Kinziger, ein früherer Kampfpilot im Irak, zeigte sich erstaunt. „Wirklich?“, twitterte er. „Im Iran herrscht jetzt Freude.“

Der Nahost-Experte Charles Lister vom Washingtoner Middle East Institute bewertete Trumps Entscheidung als „außerordentlich naiv und kurzsichtig“. Der Abzug sei ein „Traumszenario“ für den IS, Russland, den Iran und die Regierung von Syriens Machthaber Baschar al-Assad – „sie alle profitieren erheblich von einem US-Rückzug“.

Israels Regierung, der die iranische Präsenz im Nachbarland Syrien ein Dorn im Auge ist, äußerte sich zurückhaltend. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte eine Prüfung der Auswirkungen an: „In jedem Fall werden wir wissen, wie wir Israels Sicherheit schützen und uns verteidigen.“

Erst vergangene Woche hatte Trumps Anti-IS-Beauftragter Brett McGurk versichert, die US-Truppen würden noch eine Weile in Syrien bleiben, da es „noch viele versteckte Zellen gibt“ und „kein Mensch so naiv sein wird zu glauben, dass sie einfach verschwinden“. Er fügte hinzu: „Niemand behauptet, dass die Mission erfüllt sei.“

Die USA unterstützen in Syrien die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im Kampf gegen die IS-Miliz. Vergangenen Freitag war es dem kurdisch-arabischen Bündnis gelungen, mit Hadschin eine der letzten IS-Bastionen in Ostsyrien einzunehmen. Damit bleiben der Extremistengruppe in Syrien nur noch zwei Dörfer im Euphrat-Tal an der irakischen Grenze sowie einige Gebiete in der Badija-Wüste. Allerdings werden in der Region noch mehrere tausend kampferprobte IS-Mitglieder vermutet.

Das Engagement der USA in Syrien belastete das Verhältnis zum Nato-Partner Türkei schwer. Dort stieß die US-Militärhilfe für die SDF schon immer auf scharfe Kritik, da deren Rückgrat die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bilden. Diese sind eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden, die im Südosten der Türkei seit 1984 gegen den türkischen Staat kämpft. Erst vergangene Woche kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine neue Offensive gegen die YPG in Nordsyrien an. (afp)



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