Papst Franziskus.Foto: TIZIANA FABI/AFP/Getty Images

Vatikan bekräftigt Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses – auch bei Missbrauch

Epoch Times2. Juli 2019 Aktualisiert: 2. Juli 2019 16:51
Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals hat der Vatikan die Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses bekräftigt.

Die Rufe nach Aufhebung des Beichtgeheimnisses werden immer lauter. Der Grund: massenhafter Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche. Der Vatikan will davon aber nichts wissen und meint sogar, die Forderung sei ein „Angriff auf die Freiheit der Kirche“.

Keine Regierung und kein Gesetz könne „das Sakrament der Beichte entweihen“, heißt es in einer offiziellen Note des päpstlichen Gerichtshof.

Nachdem die Diskussionen über sexuellen Kindesmissbrauch in der Kirche aber nicht abreißen wollen, sah sich der Vatikan nun offenbar dazu veranlasst klarzustellen, dass eine Aufweichung des Beichtgeheimnisses zur Aufdeckung von Sexualstraftaten in der Kirche nicht in Frage kommt. Die Pflicht des Beichtgeheimnisses komme „direkt von Gott“, heißt es in der Mitteilung.

Das Beichtgeheimnis sei nicht mit dem Berufsgeheimnis etwa von Medizinern oder Anwälten vergleichbar. Solche Regelungen „weltlicher Gerichte“ könnten nicht auf die Kirche übertragen werden.

Jede politische oder gesetzliche Initiative gegen die Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses wäre eine „Verletzung der Religionsfreiheit sowie der Gewissensfreiheit von Beichtendem wie Beichtvater“, so die Mitteilung. Die Verletzung des Beichtgeheimnisses wird in der katholischen Kirche mit der schwersten Kirchenstrafe, der Exkommunikation, geahndet.

USA und Australien handeln

In den meisten Ländern wird das Beichtgeheimnis respektiert. Das heißt, Informationen, die während einer Beichte an den katholischen Priester weitergegeben werden, müssen nicht offengelegt werden. Doch wegen des seit Jahren andauernden Missbrauchsskandals wird eine Änderung dieser kirchlichen Auflage gefordert.

Der australische Bundesstaat Canberra hat Priester bereits dazu verpflichtet, das Beichtgeheimnis bei Missbrauchsfällen zu brechen. Auch im US-Bundesstaat Kalifornien gab es im Mai einen dementsprechenden Vorstoß. Katholische Priester sind nun zur Auskunft gegenüber Behörden verpflichten, wenn sie im Beichtstuhl über sexuellen Missbrauch an Kindern erfahren.

Die Kirchenvorsteher in den USA und Australien sprechen sich vehement gegen solche Gesetze aus. Mit dem Schreiben des Gerichtshofs haben diese nun von offizieller Stelle Unterstützung erhalten.

Opfervertreter fordern Auflösung des Beichtgeheimnisses

Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Anne Barrett Doyle vom Anti-Missbrauchs-Portal BishopAccountability.org berichtet, halten die Opfervertreter die Auflösung des Beichtgeheimnisses jedoch für dringend notwendig. In kirchlichen Geheimdokumenten aus den USA und Australien werde ersichtlich, „dass in zahlreichen Fällen die Beichte genutzt wurde, um den Missbrauchstäter von Schuld freizusprechen.“ Die betroffenen Priester könnten somit ihr Amt weiter wahrnehmen. Mit diesem Vorgehen werde den Schuldigen weiterer Missbrauch ermöglicht, beklagt Anne Barrett Doyle. (so)



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