Verkalkuliert – schwerste Wirtschaftskrise seit 1998: Putin setzt auf russische Reserven, aber sie reichen nicht

Epoch Times18. Dezember 2014 Aktualisiert: 18. Dezember 2014 12:26

Im vergangenen Februar fand ein geheimes Treffen einiger Kreml-Insider statt, die eine entscheidende Frage für Wladimir Putin beantworten sollten: Kann es sich Russland leisten die wirtschaftlichen Verluste hinzunehmen, die nach der Annexion der Krim, einer Halbinsel im Schwarzen Meer, folgen würden? 

Moskau sagte ja. 

Russland war sich sicher, reich genug zu sein um die finanziellen Auswirkungen, die durch eine Krise mit der Ukraine entstehen würden, zu überstehen. Die aktuelle Situation lässt aber darauf schließen, dass dies eine Fehlkalkulation war. Die Zentralbank musste am Montag ihren Leitzins um 6,5 Prozentpunkte auf 17 Prozent anheben. Auch die Versorgung der Banken mit Dollar-Liquidität durch entsprechende Geschäfte wurde ausgeweitet.

Die russische Notenbank muss momentan mehrere Brände gleichzeitig bekämpfen. So stieg die Inflation in Russland zuletzt deutlich an. Die Notenbanker versuchen zudem, sich gegen den starken Verfall des russischen Rubel zu wehren, der in den vergangenen Monaten auch wegen des Verfalls der Ölpreise dramatisch an Wert verloren hat. 

Doch bisher haben die Rettungsversuche nichts geholfen. 

Verkalkuliert – "Die Reserven reichen nicht aus"

Trotz der positiven Prognosen, Russland könne eine Sanktions-Welle überstehen, steht Putin jetzt vor der schwersten nationalen Wirtschaftskrise seit 1998. Amerikanische und europäische Sanktionen, und vor allem der Absturz des Ölpreises werden die Reserven, die Putin ermutigte die Krim trotz internationaler Proteste zu annektieren, bald aufgefressen haben. 

Die steigenden Rohölpreise ließen die russische Wirtschaft in den vergangenen Jahren in die Höhe schnellen. Die anwachsenden finanziellen Reserven waren ein Symbol der Wirtschaftsstärke. Die Gespräche im Februar waren für Putins Ukraine-Kurs entscheidend. Er glaubte, der Cash-Polster den sich Russland in den guten Zeiten aufgebaut hatte, könnte die Wirtschaft unbeschadet durch eine Krise führen.

Am 5. Dezember hatte Russland noch 416. Milliarden Dollar Gesamtreserven. Doch mit dem Zusammenbruch des Rubels werden diese Reserven schneller erschöpft sein als angenommen. Im russischen Volk verbreitet sich bereits die Panik.

"Wir stehen einem unkontrollierbaren Schock gegenüber, der das Vertrauen in Putins gesamtes Wirtschaftsmodell untergraben wird", sagte Kirill Rogow, Senior Research Fellow an dem Gaidar Institut für Wirtschaftspolitik, die die Regierung in Moskau beraten hat, berichtet Bloomberg. "Die Reserven reichen nicht aus." 

Deutschland äußert Bedenken an Sanktionen und bieten Russland Hilfe an

Unterdessen werden in Berlin und Brüssel die ersten Stimmen laut, sich von den Sanktionen gegenüber Russland zu distanzieren. Auch das Feindbild Putin wird plötzlich relativiert. Es macht sich die Angst vor Putins etwaige Nachfolger breit. Diese sind nämlich radikale Nationalisten. Wenn ein Machtwechsel passieren würde, müsste die EU einen möglichen Krieg der Ukraine finanzieren und würde durch den Niedergang des russischen Export-Marktes entscheidend geschwächt, berichten die Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

"’Der drohende Kollaps der russischen Wirtschaft alarmiert Deutschland und Europa. Die Lage ist tatsächlich ernst‘, sagte ein Sprecher von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch," berichtet Reuters.

"Wenn Russland uns um Hilfe bitten sollte, sollten wir das ernsthaft prüfen", sagte der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, dem "Handelsblatt" (Onlineausgabe).  "Allerdings gelten dafür dann die üblichen Bedingungen des IWF und der EU." Dazu gehörten auch kritische Fragen nach den milliardenschweren Militärausgaben des Landes in der Ukraine.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe, Karl-Georg Wellmann (CDU). "Wir haben kein Interesse an einer ökonomischen Desintegration Russlands. Die Sanktionen können sehr schnell zurückgefahren werden", sagte Wellmann dem "Handelsblatt". 

Es sei aber an Russland, dafür die Voraussetzungen zu schaffen. "Allerdings sind die Sanktionen nur ein kleiner Teil der Ursachen für den wirtschaftlichen Niedergang Russlands", fügte Wellmann hinzu. "Es ist unbedingt notwendig, endlich umfassende Strukturreformen in Wirtschaft und Gesellschaft anzugehen." 

Der Obmann der Unions-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter, verteidigte die Sanktionen der EU als bewusst gewähltes ziviles Mittel gegen die militärisch geprägten Souveränitätsverletzungen durch Russland. 

"Erst wenn Russland wieder uneingeschränkt die Souveränität der Ukraine anerkennt und die Separatisten nicht mehr unterstützt, kann eine Entschärfung der Sanktionen in Betracht gezogen werden", sagte der CDU-Politiker dem "Handelsblatt". "Moskaus Rückkehr an den Verhandlungstisch und die Fortführung eines friedlichen Dialogs zur Lösung des Konflikts sind selbstverständlich jederzeit willkommen." 

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Ein sofortiges Ende der Strafmaßnahmen fordert die Vize-Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht. "Wer Russland weiter destabilisiert, gefährdet Frieden und Sicherheit in ganz Europa. Eine solche Politik ist verantwortungslos", sagte Wagenknecht dem "Handelsblatt". 

"Die Fortsetzung des Wirtschaftskriegs gegen Russland schadet vor allem der Bevölkerung in Russland, deren Lebensstandard sich weiter verschlechtert, aber auch den Unternehmen und Beschäftigten in Europa, die nicht zuletzt auf sichere Energielieferungen aus Russland angewiesen sind." (so/dpa)