Was in Flushing geschah

Von und 28. Mai 2008 Aktualisiert: 28. Mai 2008 21:48
36 Millionen Chinesen haben bisher der chinesischen Kommunistischen Partei offiziell den Rücken gekehrt. In den letzten Tagen wurde das "Zentrum für Austritte aus der KPCh" im New Yorker Stadtteil Flushing Ziel chinesischer Randalierer, die vom chinesischen Generalkonsul Peng Keyu organisiert wurden.

Die Menge johlt. Wasserflaschen werden geworfen, chinesische Ausgaben der Epoch Times haufenweise aus den Boxen zur Gratisentnahme gestohlen und demonstrativ zerrissen. Der chinesische Generalkonsul in New York parkt sein Auto ein paar Blocks weiter und feuert die Demonstranten höchstpersönlich an — 90 Dollar soll jeder bekommen, der sich an den Protesten beteiligt. Der wütende Mob schreit, flucht und wird teilweise gewalttätig. Ein Mann wird verletzt, drei der „Demonstranten“ verhaftet.

„Wenn Du China liebst, tritt aus der KPCh aus“

Seit Samstag, den 17. Mai 2008, mehren sich die verbalen und physischen Angriffe auf das „Austrittszentrum aus der Kommunistischen Partei Chinas“ in Flushing in New York, einem rasch wachsenden Stadtteil von Queens. Schon früher gab es Übergriffe, berichten die Betreiber des Austrittszentrums. Viele Chinesen leben hier, selbst Werbeplakate sind auf Chinesisch und Englisch zweisprachig gestaltet. Ein kleines Chinatown außerhalb des richtigen New Yorker Chinatown.

„Ich komme mir vor wie in Peking“, sagt eine in Peking aufgewachsene Epoch Times-Redakteurin, als sie durch Flushings Main Street geht. Ähnlichkeiten bestehen zwischen Chinesen in New York und Peking im Moment auch im Umgang mit Kritikern an der kommunistischen Parteiherrschaft in China. Doch so konzertiert und rabiat waren die Anfeindungen und Übergriffe auf das Austrittszentrum, das hauptsächlich von Anhängern der vom Regime in China verfolgten Falun Gong-Bewegung betrieben wird, noch nie.

Am Dienstag, den 20. Mai, wird die Situation prekär. Mehrere hundert Chinesen versammeln sich vor der Queens Library und belästigen die dort stehenden Aktivisten, die mit Schildern wie „Wenn Du China liebst, tritt aus der KPCh aus“ und „Die wahre böse Natur des Regimes zeigen“ für einen Austritt aus der KPCh werben und das Überschreiten der Marke von 36 Millionen Austritten feiern. Friedlich und ruhig, wie das die New Yorker von Falun Gong-Praktizierenden – in New York gibt es eine besonders große Anhängerschaft – seit Jahren gewohnt sind.

60.000 Parteiaustritte täglich

Mittlerweile sind es nach Angaben des Austrittszentrums über 36 Millionen Chinesen, die eine solche Erklärung abgegeben haben. Ein Austritt aus der KPCh ist in den Statuten der Partei nicht vorgesehen. Angesichts eines Staates, in dem laut amnesty international zwischen 4 und 6 Millionen Menschen in Arbeits- und Umerziehungslagern sitzen, ein mutiger Schritt. Manche tragen sich unter ihrem richtigen Namen ein – darunter auch Prominente wie Huang Xiaoming, chinesischer Olympiamedaillen-Gewinner, oder Meng Wei-zai, der ehemalige Leiter der Kunstbehörde des zentralen Propagandaministeriums – andere benutzen Pseudonyme.

Bis zu 60.000 solcher Austrittsbekundungen erhält das „Quit CCP Center“ täglich, die meisten per Internet. Jeder, der diesen Schritt vollzieht, erhält eine Nummer, die er im Falle des Falles des Kommunismus – und vom Eintreten dieses Falles sind die Betreiber des Austrittszentrums überzeugt – als Nachweis vorzeigen kann. Die Austrittswelle begann im Anschluss an die Veröffentlichung der von der Epoch Times herausgegebenen „Neun Kommentare über die Kommunistische Partei“. Das 2004 veröffentlichte Buch legt den Ursprung, die Geschichte und die Verbrechen der KPCh dar.

Das Geständnis des Generalkonsuls Peng Keyu

Dass die Vertretungen des KP-Regimes im Ausland von solchen Aktivitäten nicht erfreut sind, ist verständlich. Dass die Unterdrückung Andersdenkender vom Festland Chinas in andere Staaten exportiert wird, ist ebenfalls nicht neu. Doch die Art und Weise und die Vehemenz, wie dies in New York passierte, ist neu. Auch in anderen Städten der USA, aber auch in anderen Ländern wie Australien kam es zu Übergriffen auf Mitarbeiter der jeweiligen Austrittzentren.

In einem von der World Organization to Investigate the Persecution of Falun Gong (WOIPFG) aufgezeichneten Gespräch gibt der Generalkonsul von New York unumwunden zu, dass die Aktion von ihm akkordiert wurde. Er sei persönlich vor Ort gewesen, brüstet sich Generalkonsul Peng Keyu. Eine Aufzeichnung des Gesprächs liegt der Epoch Times vor. Sein Auto habe er jedoch „weit weg” parken müssen, damit ihn niemand erkenne. „Wir mussten sehr vorsichtig sein mit dieser Art von Geschehnissen”, so der Generalkonsul. „Ich muss es vermeiden, gesehen zu werden.“

Die Vorgehensweise der Chinesen vor der Bücherei in Queens/New York ist dann wenig diplomatisch. „Eine junge Frau warf mit Eiern. Als die Polizei ihre Tasche beschlagnahmt hatte, fanden sie vier Eierkartons mit je zwölf Eiern“, berichtet Nick Guy Rostron, einer der Aktivisten, der an den Austritts-Feierlichkeiten teilnahm.

Weltweite Aktionen

Mit den Geschehnissen vertraute Personen berichten davon, dass Zhou Yongkang hinter den weltweiten Aktionen stehen soll. Er war von 1999 bis 2002 Parteisekretär des Zentralkomitees der Provinz Sichuan, in dem die jüngste Erdbebenkatastrophe stattfand, und auf solche Aktionen spezialisiert. Seit 2007 ist er Mitglied des ständigen Ausschusses des Politbüros und war von 2003 bis 2007 Minister für die öffentliche Sicherheit und ist für die Verfolgung von Falun Gong zuständig. Bei ähnlichen Vorkommnissen in der Vergangenheit seien oft bezahlte Studenten zum Einsatz kommen, die bei Nichtteilnahme Konsequenzen für ihre Aufenthaltsgenehmigung im Ausland befürchten mussten, hieß es aus dem Umfeld des Austrittszentrums.

Rong Yi, Vizepräsidentin des Austrittszentrums in New York, betonte, dass es die Chinesen dieses Mal darauf angelegt hätten, die chinesische buddhistische Lehre Falun Gong zu verunglimpfen. Nach den Angaben Frau Yis hätten die Chinesen bei den gut koordinierten und gut organisierten Protesten Falun Gong „verflucht“ und sie “Betrüger!“ genannt.

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Nr. 22/08

(Dayin Chen/ET)
(Dayin Chen/ET)
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