„Wer zu spät kommt, …“ Axel Retz mit aktueller Analyse von Migranten bis zur Deutschen Bank

Von 29. September 2016 Aktualisiert: 29. September 2016 22:45
Vor gut einem Jahr meldete sich der Journalist und Finanzanalyst Axel Retz in einem Offenen Brief an die Regierung und die Medien zu Wort, um seiner Sorge um unser Land Ausdruck zu verleihen. Wir veröffentlichen heute wieder eine seiner aktuellen Analysen als Denkanstoß.

Die Warner haben wieder Hochkonjunktur: Die einen sehen den Wirtschaftsstandort Deutschland wegen möglicher terroristischer Anschläge und der Bildung von Parallelgesellschaften in Gefahr, die anderen wegen zunehmender Fremdenfeindlichkeit. Schwarzsehen ist keine Tugend, den Kopf in den Sand zu stecken aber auch nicht. Verantwortungs- statt Gesinnungsethik ist das Gebot der Stunde. Davon sind GroKo und Medien weit entfernt. Noch ein Stückchen weiter weg sind sie von demokratischen Grundprinzipien und Meinungsfreiheit. Und damit pushen sie die AfD immer weiter nach oben.

Vermutlich hat der letzte Staatspräsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, den in der heutigen Überschrift angedeuteten Satz nie gesagt. Belegt ist nur, dass er am 5. Oktober 1989 beim Empfang auf dem Berliner Flughafen Schönefeld zu Erich Honecker geäußert hat: „Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren.“

(Zu) späte Einsicht: „Die Zeit zurückdrehen“

Das jetzt zu hörende Eingeständnis der Kanzlerin „Wenn ich könnte, würde ich die Zeit um viele, viele Jahre zurückdrehen, um mich mit der ganzen Bundesregierung und allen Verantwortungsträgern besser vorbereiten zu können auf die Situation, die uns im Spätsommer 2015 eher unvorbereitet traf.“, unterstreicht, dass Angela Merkel die Aussage Gorbatschows entweder nicht verstanden oder in den Wind geschlagen hat.

Und das gilt nicht nur für den Flüchtlingszustrom, sondern auch für die „Rettung“ des Euro, die Erosion der Beziehungen zu Russland und den Zerfall des innereuropäischen Zusammenhalts.

Bei all diesen Themen fährt die Bundeskanzlerin einen beharrlichen oder besser starrsinnigen Kurs. Die Ergebnisse: Das Flüchtlingsthema hat politisch fast alles andere in den Hintergrund gedrängt, die Zustimmungsraten zur Groko stürzen dramatisch ab, die Euro-„Rettung“ hat sich als Fass ohne Boden erwiesen und die nächste Bankenkrise steht vor der Türe, die Spannungen zwischen USA/Nato und Russland haben sich an den Rand eines neuen „heißen Krieges“ bewegt und die EU steht vor dem Zerfall und der Rückkehr zur Nationalstaaterei.

Heute die Zeit zurückdrehen zu wollen, ist eine späte Einsicht. Und nicht richtig ist m. E., dass Kanzlerin und Regierung von den Geschehnissen überrascht worden wären. Spätestens seit meinem „offenen Brief“ vom 11. 9. vergangenen Jahres https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/axel-retz-offener-brief-ermutigung-zum-eigenen-denken-ueber-den-inneren-und-den-aeusseren-frieden-a1270267.html waren Regierung und Medien informiert. Aber sie ließen die Dinge laufen.

Sie ließen sie auch laufen, obwohl am 24. 9. 2016 die Stellvertreterkriege zwischen den USA und Russland eskalierten und die Nato ihre Einkesselung Russlands immer weiter forcierte. Sie ließen sie ebenfalls laufen, obwohl sich die Wirtschaftslage immer weiter eintrübte. Sie ließen sie laufen, wenngleich immer klarer wurde, dass mit den Flüchtlingströmen auch Terroristen nach Europa kamen. Und sie ließen sie auch laufen, als Großbritannien der EU den Rücken kehrte, der Vertrauensverlust der Bevölkerung immer greifbarer wurde und letztlich in ein generalisiertes, offenes Misstrauen gegen die politische Kaste umschlug.

Niemand in Berlin kann von sich behaupten, die wirklichen Ursachen all dieser für Europa durchaus dramatischen Entwicklungen nicht zu kennen. Und wenn er/sie es doch kann, ist er/sie fehl am Platze. Wer immer in Deutschland ein politisches Amt bekleidet, ohne die Strategiepapiere bzw. Bücher beispielsweise der Herren Wolfowitz, Brzesinsky, Friedman und Barnett gelesen zu haben, befindet sich in einem sträflichen Zustand der Ahnungslosigkeit.

Einen Zustand der Ahnungslosigkeit kann man zumindest dem Teil der Medien, die ihre Berichterstattung nicht nach der Methode des Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg betreiben, nicht unterstellt werden. Dennoch wirkten sie geradezu wie besessen daran mit, jeden Kritiker der Euro-Rettung, des Säbelrasselns gegenüber Russland, der Kriege der Nato und der Flüchtlingskrise als „europafeindlich“, „fremdenfeindlich“, „rechts“ oder „nationalsozialistisch“ zu bezeichnen.

Destatis legt die Fakten auf den Tisch

Schon längst habe ich darauf hingewiesen, dass die hohe Zuwanderung für die Sozialsysteme und insbesondere die Renten keinesfalls die immer wieder prognostizierten, positiven Impulse setzen wird. Und dass die Islamisierung Deutschlands auch ohne weitere Zuwanderung gelingen wird, einfach, weil die Reproduktionsrate (Kinder/Frau) der Migranten weitaus höher ist als die der sgn. „Bio-Deutschen“, was immer darunter zu verstehen ist.

Am 16. September hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden (Destatis) meine Aussagen mit harten Zahlen untermauert, die ich ausschnittweise einmal weitergebe. Bitte beachten Sie, dass in diesen Daten die seit 2015 zugewanderten Migranten nicht berücksichtigt wurden, es sei denn, sie verfügten bereits über einen eigenen Haushalt, was so gut wie nicht der Fall ist.

Im „Mikrozensus“ (einer Art reduzierter Volkszählung) kam Destatis zu folgenden Ergebnissen (Stand 2015):

17,118 Millionen (erfasste) Migranten leben derzeit in Deutschland, was 21,1 Prozent der Bevölkerung entspricht. Bei den unter 18-jährigen beträgt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund 30 und bei den Kindern unter fünf Jahren 36 Prozent. 26,12 Prozent der Migranten haben keinen Berufsabschluss, 1,690 Millionen nicht einmal einen Schulabschluss. Was sich natürlich auch auf die Armutsgefährdung auswirkt. 12,5 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund fallen laut Destasis in diese Gruppe, bei den Migranten sind es 27,7 Prozent.

Zur Quote der Erwerbstätigen: 2015 betrug sie bei den „Biodeutschen“ 50,6 Prozent, bei den Migranten aus Afrika 35,5 Prozent, bei afghanischen 31,4 Prozent, bei Zuwanderern aus dem Irak 26,2 und ausgerechnet bei den immer wieder als besonders qualifiziert dargestellten, aus Syrien stammenden Migranten nur 16,9 Prozent.

Nach diesen Zahlen steht zu erwarten, dass bei den Einschulungen in wenigen Jahren Kinder mit Migrationshintergrund die Mehrheit stellen werden – was für das darauf bis jetzt so gut wie gar nicht vorbereitete Schulsystem enorme Anstrengungen bedeutet, vor allem bei der Anzahl neuer Lehrer und Dolmetscher, die es bis jetzt schlichtweg nicht gibt. Was die im Raum stehende Forderung betrifft, die Lerninhalte der Schulen abzusenken, wird sich das von ganz allein ergeben.

Migranten in der Arbeitswelt

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Ebenso zeichnet sich ab, dass ein Großteil der Migranten nie in der Arbeitswelt Fuß fassen wird und dass ein beachtlicher Prozentsatz der Zuwanderer, der doch einen Job findet, zwangsläufig im Niedriglohnbereich landet. Die am 23. 9. 2016 vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen belegen, dass 5,7 Millionen Menschen in Deutschland gerne mehr arbeiten würden. Womit sich die Frage stellt, wie die viel beschworene „rasche“ Integration der Migranten in den Arbeitsmarkt eigentlich funktionieren soll, erst recht, wenn sich die beim G20-Treffen skizzierte Vision vom vermehrten Einsatz der Robotik durchsetzt.

Die von Destatis veröffentlichte Erwerbstätigkeitsquote (in der die in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebrachten, 2015 eingetroffenen Zuwanderer wie gesagt noch gar nicht berücksichtigt sind), lässt keinen Zweifel daran, dass ein erheblicher Teil der Migranten auf dauerhafte Unterstützung angewiesen sein wird, erst recht, wenn der Familiennachzug in Gang kommt. Und auch wenn die Politik sie entweder verschweigt oder beschönigt, sind die Folgen klar:

Die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung werden steigen, die Lebensarbeitszeit verlängert, die Renten noch stärker abgesenkt werden. Und Steuererhöhungen und/oder die Maut für alle dürften auch wieder zum Thema werden – natürlich erst nach den Bundestagswahlen.

Die Flüchtlingsthematik darf gewiss nicht nur aus ökonomischem Blickwinkel betrachtet werden, unter den Tisch fallen darf sie aber auch nicht. Denn irgendwer muss nun einmal für die Kosten geradestehen.

Der Aufreger der vergangenen Woche war zweifellos die von BILD veröffentlichte Meldung, dass sich rund 550.000 abgelehnte Asylbewerber im Land befinden – teilweise seit vielen Jahren. Dem stehen in diesem Jahr (Januar – Juli) ca. 13.000 Abschiebungen gegenüber. Auch hier scheinen der Regierung die Fäden völlig entglitten zu sein.

Realitätsfremde Erwartungen und Hoffnungen

Abschließend lässt sich im Rückblick festhalten, dass sowohl bei den Zuwanderern als auch bei den „Wir schaffen das“-Anhängern völlig realitätsfremde Erwartungen und Hoffnungen vorlagen und teilweise auch immer noch vorliegen. Weder wartet auf die Migranten ein Haus, eine Arbeitsstelle und ein großes Auto noch werden die Zuwanderer Deutschlands Fachkräftemangel beheben oder seine Rentenkassen füllen – aus heutiger Sicht eher im Gegenteil.

Sicher werden sie die auf der Spitze stehende, demographische Pyramide entschärfen, aber ein statistisch verjüngter Altersdurchschnitt einer Bevölkerung allein, der ökonomisch rote statt schwarzer Zahlen bedeutet, ist kein Gewinn und damit eben auch nicht das, was GroKo und Industrieverbände prognostiziert hatten.

Und er ist nicht nur kein Gewinn, er ist auch politisch hochbrisant. US-Präsident Obama – einer der Hauptverantwortlichen für die Fluchtbewegungen – lobte zwar in dieser Woche vollmundig die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und verwies darauf, dass auch Amerika einst von Flüchtlingen und Migranten aufgebaut worden sei. Er vergaß allerdings den Hinweis, dass danach 90 Prozent der Ureinwohner Amerikas den Gang in die ewigen Jagdgründe angetreten haben, was in Australien ähnlich war.

Welche Ängste die Menschen in die Arme der AfD treiben, weiß ich nicht, aber dass die Partei nach neuesten Erhebungen (Infratest dimap) nun bundesweit 16 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen kann, sollte von der GroKo ernst genommen werden http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/09/23/umfrage-afdsteigt-bundesweit-auf-16-prozent/

Was die Menschen vielleicht wirklich zur AfD treibt, ist das Gefühl, nicht mehr gehört zu werden. Wenn leitende SPD-Funktionäre (die EU-Kommission immer vorneweg) vor ihrem Partei-Konvent forderten, die Proteste der Bevölkerung gegen Ceta und TTIP einfach nicht zu beachten, zeugt das vom Totalverlust der Einsicht in die einfachsten Regeln der Demokratie. Niemand, wirklich niemand treibt die Wähler effektiver in die Arme der AfD als CDU und SPD und natürlich die Deutschlandhasser aus den Reihen der DIE GRÜNEN.

Die Grundlage der Demokratie

Leser Uwe L. aus Bonn hat mich in dieser Woche noch einmal an dieses wunderschöne Zitat unseres früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann erinnert, das ich gerne weitergebe:

„Die Grundlage der Demokratie ist die Volkssouveränität und nicht die Herrschaftsgewalt eines obrigkeitlichen Staates. Nicht der Bürger steht im Gehorsamsverhältnis zur Regierung, sondern die Regierung ist dem Bürger im Rahmen der Gesetzte verantwortlich für ihr Handeln. Der Bürger hat das Recht und die Pflicht, die Regierung zur Ordnung zu rufen, wenn er glaubt, dass sie demokratische Rechte missachtet.“

Und heute? Heute wird jeder in die rechte Ecke gestellt, der es wagt, in einem Satz die Worte „Flüchtlinge“ und „aber“ gemeinsam auszusprechen oder laut über den fehlkonstruierten Euro oder die EU nachzudenken.

Wären solche Menschen alle Nazis, was wären nach dieser Lesart dann die Niederländer, die Franzosen, die Dänen, die Österreicher, die Ungarn und die Einwohner der baltischen Staaten, die Slowenen oder gar die Briten?

Deutsche Bank: Twin Towers einsturzgefährdet

Die beiden im Frankfurter Westend stehenden Hochhäuser der Deutschen Bank, auch als „Soll und Haben“ bezeichnet, könnten vom gleichen Schicksal ereilt werden wir die WTC-Skyscraper am 11. September 2001. Hineinfliegen muss da niemand. Kontrolliert sprengen muss man sie auch nicht. Wenn, dann brechen sie unter den nicht enden wollenden Prozessen mit Milliardenforderungen und unter der weit über 60 BILLIONEN Euro liegenden Derivate-Exposition zusammen.

Am Dienstag vergangener Woche soll es dazu ein Geheimtreffen von SPD-Finanzpolitikern gegeben haben http://deutschewirtschafts-nachrichten.de/2016/09/24/spd-politiker-geheime-krisensitzung-wegen-deutscher-bank/ Dass diese Damen und Herren wirklich wissen, um was es geht, darf bezweifelt werden. Denn ansonsten hätten sie, spätestens seit 2007/2008, konsequent gegensteuern müssen.

Ein Geldhaus wie die Deutsche Bank, über das mittlerweile von den Medien mehr durch kriminelle Machenschaften denn durch hamburgische Kaufmannstugenden berichtet wird, ist dank der Laissez-faire-Politik der Regierung und des „too big to fail“-Dogmas tatsächlich zu einem Monster angeschwollen, das die Finanzmärkte jederzeit in den Abgrund reißen kann. Und der deutsche Branchenprimus spielt diesbezüglich international sicher in der ersten Reihe mit.

Charttechnisch betrachtet, sieht es momentan hier nach dem Versuch einer Bodenbildung aus. Aus meiner Sicht wüsste ich nichts, was das garantieren würde. Natürlich wird es im Falle des Falles (etwa der Durchsetzung der US-Forderung nach 14 Milliarden US-Dollar) zu finanziellen Rettungsversuchen der Bundesregierung kommen, die so gut wie sicher mit den öffentlichkeitswirksamen Hinweisen garniert werden, dass sich die Bank auf einem guten Weg befinde und ihre Probleme bald überwunden haben werde. Siehe Griechenland.

Axel RetzAxel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt die Portale www.private-profits.de und www.moneyversum.de

Die Meinungen unserer Gastautoren entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion oder der anderer Gastautoren, sie dienen der Meinungsbildung und Meinungsvielfalt unserer Leser.

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