Wer zuletzt lacht: Der Komiker, der Präsident der Ukraine wird

Epoch Times22. April 2019 Aktualisiert: 22. April 2019 7:03
Wolodymyr Selenskyj ist neuer Präsident der Ukraine. "Keine Versprechen - keine Entschuldigungen", war auf einem seiner Wahlplakate zu lesen. Was steckt hinter dem Komiker und Schauspieler?

Wolodymyr Selenskyj ist gleich zwei Mal zum Präsidenten der Ukraine gewählt worden – erst in seiner Fernsehserie „Diener des Volkes“, am Sonntag dann im realen politischen Leben.

Der 41-Jährige Komiker und Schauspieler war als Außenseiter gegen Amtsinhaber Petro Poroschenko ins Rennen gegangen. Doch die weit verbreitete Unzufriedenheit mit der ukrainischen Führungselite verhalf ihm schließlich zum Wahlsieg.

Selenskyjs Anhänger hoffen, dass er frischen Wind in die Ukraine bringt. Seine Kritiker hingegen vermuten, dass hinter ihm der Oligarch Igor Kolomoiski steht – ein mächtiger Gegenspieler des bisherigen Präsidenten Poroschenko.

Selenskyj umging etablierte Medien – setzte auf soziale Netzwerke

Selenskyjs Weg ins Präsidentenamt ähnelte dem Drehbuch seiner populären Fernsehserie „Diener des Volkes“, deren dritte Staffel nur wenige Tage vor der ersten Wahlrunde angelaufen ist. Darin spielt er einen Geschichtslehrer, der zum Präsidenten gewählt wird, nachdem sich ein Video, in dem er gegen die Korruption im Lande wettert, im Internet rasant verbreitete. Auch im echten Leben verdankt Selenskyj seine Beliebtheit seinem erfolgreichen Auftritt im Internet.

So verwischte er im Wahlkampf häufig die Grenzen zwischen Politik und Unterhaltung: Statt auf traditionelle Wahlkampfauftritte und Interviews mit etablierten Medien zu setzen, wandte er sich über soziale Netzwerke an die Wähler. Außerdem trat er bis unmittelbar vor dem ersten Wahlgang noch mit seiner Comedy-Truppe auf.

Zahlreiche ukrainische Redaktionen hatten sich darum kurz vor der Stichwahl in einem Appell an Selenskyj gewandt und ihn aufgefordert, ihre Fragen zu beantworten und sein wenig konkretes Wahlprogramm zu präzisieren. Doch der zweifache Vater kokettierte mit seinem vagen Programm: „Keine Versprechen – keine Entschuldigungen“, war auf einem seiner Plakate zu lesen.

Selenskyj mit Ronald Reagan verglichen

Selenskyj stammt aus der Industriestadt Krywy Rig, hat Jura studiert und ist Dollar-Millionär. Mit seiner erfolgreichen Comedy-Truppe ging er unter anderem in Russland auf Tour, zudem trat er in russischen Filmen auf. Er stammt aus einer jüdischen Familie, hat aber stets betont, dass Religion für ihn Privatsache sei.

Beobachter vergleichen Selenskyj mit dem früheren US-Präsidenten Ronald Reagan, der ebenfalls zuvor als Schauspieler bekannt wurde. Andere sehen Parallelen zum italienischen Komiker Beppe Grillo und zu US-Präsident Donald Trump.

Selenskyj nur Strohmann Kolomoiskis?

Während des Wahlkampfes hatte es wiederholt Vorwürfe gegeben, Selenskyj sei lediglich ein Strohmann für die Interessen des umstrittenen ukrainischen Oligarchen Kolomoiski. Ihm gehört der Fernsehsender, in dem „Diener des Volkes“ und andere Sendungen mit Selenskyj ausgestrahlt werden.

Der hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und unlängst sogar erklärt, Kolomoiski werde ins Gefängnis kommen, falls er irgendwelche Gesetze gebrochen habe.

Als einer der reichsten Männer der Ukraine war Kolomoiski unter dem scheidenden Präsidenten Petro Poroschenko zunächst Regionalgouverneur gewesen. Nach einem Streit um ein staatliches Ölunternehmen musste er aber zurücktreten und lebt heute im Ausland.

Selenskyj werden Verbindungen zu Russland vorgeworfen

Zudem berichteten Fernsehjournalisten im Januar, Selenskyj mache Geschäfte in Russland – ein Vorwurf, der angesichts der politischen Spannungen zwischen den beiden Ländern schwer wiegt: Im Konflikt in der Ostukraine sind bisher rund 13.000 Menschen getötet worden.

Selenskyj erklärte, an einer zyprischen Firma beteiligt zu sein, der wiederum eine russische Firmengruppe gehöre. Er kündigte an, seine Anteile zu verkaufen.

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Selenskyj gehört zu dem Teil der ukrainischen Bevölkerung, der vor allem Russisch spricht. Amtsinhaber Poroschenko hatte ihn dafür während des Wahlkampfes kritisiert und sich über die schlechten Ukrainischkenntnisse seines Herausforderers lustig gemacht. Zudem warf er ihm vor, er habe einem politischen Schwergewicht wie Russlands Präsidenten Wladimir Putin nichts entgegenzusetzen.

Selenskyj hingegen betonte wiederholt, er werden Russland auffordern, ukrainisches Gebiet zu verlassen und Reparationen für den Konflikt zu zahlen. Außerdem kündigte er an, die Ukraine weiterhin am Westen auszurichten. (afp)