Wir reden vom Holocaust – Warum nicht vom Völkermord in China?

Von 17. Januar 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 21:30
Jährlich erinnern wir uns an die Judenverfolgung durch das Naziregime. Heute kennen wir die Wahrheit. Weniger in Erinnerung sind uns jedoch die mindestens 38 Millionen Chinesen, die von Mao Zedong ermordet wurden. Und von der internationalen Gemeinschaft kaum anerkannt war bis vor kurzem die systematische Verfolgung von Falun Gong in China. Die friedliche, buddhistische Qigong-Übung wurde einst von 70 - 100 Millionen Chinesen praktiziert und unterliegt seit 1999 einer völkermordartigen Verfolgung.

Jedes Jahr am 27. Januar erinnern die Vereinten Nationen an den Holocaust, dem im Zweiten Weltkrieg die Menschen jüdischer Herkunft zum Opfer fielen: Es ist auch der Gedenktag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau in Polen am 27. Januar 1945.

Rund sechs Millionen Juden wurden durch die „Rassenpolitik“ der Nazis getötet. Als im Jahr 1942 der junge Pole Jan Karski versuchte, die Alliierten von der Realität der Vernichtungslager, die er selbst erlebt hatte, zu überzeugen, antwortete Felix Frankfurter – Richter am US Supreme Court und selbst jüdisch: „Ich habe nicht gesagt, dass dieser junge Mann lügt. Ich sagte, dass ich außer Stande bin, ihm zu glauben. Das ist ein Unterschied.“

Heute kennen wir die Wahrheit. Weniger in Erinnerung sind uns jedoch die mindestens 38 Millionen Chinesen, die von Mao Zedong ermordet wurden. Und von der internationalen Gemeinschaft kaum anerkannt war bis vor kurzem die systematische Verfolgung von Falun Gong in China. Die friedliche, buddhistische Qigong-Übung wurde einst von 70 – 100 Millionen Chinesen praktiziert und unterliegt seit 1999 völkermordartiger Verfolgung.

Hintergrund: "Seit 16 Jahren führt Chinas kommunistisches Regime einen beispiellosen Krieg gegen die eigene Bevölkerung: Geschätzte 100 Millionen Menschen und damit jeder dreizehnte Chinese sind seit dem 20. Juli 1999 Zielscheibe der Verfolgung von Falun Dafa. Der traditionelle buddhistische Kultivierungsweg aus fünf Qigong-Übungen und einer anleitenden Lehre nach den Prinzipien "Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht" hatte niemals vor, in China irgendeine politische Rolle zu spielen." (Siehe: 20. Juli: 16 Jahre Verfolgung von Falun Gong in China: Die Frage nach dem Warum?)" 

Richter Frankfurter zitierte ich bereits in einem Artikel, den ich nach der Rückkehr von meiner Recherche-Reise nach China im Jahr 2006 für meine Regionalzeitung, Yorkshire Post, schrieb. Seitdem habe ich viele ähnliche Artikel geschrieben.

Als Vizepräsident des Europäischen Parlaments für Demokratie und Menschenrechte traf ich in Peking heimlich Falun Gong-Praktizierende, die vormals politische Häftlinge waren. Einer davon erzählte mir, wie sein Freund aus der Gefängniszelle verschwand. Im Gefängniskrankenhaus sah er dann seine durchlöcherte Leiche wieder, der offenbar Organe entfernt worden waren – zum Verkauf.

Regierungen bestätigen die Fakten

Ein Beschluss des Europäischen Parlaments vom 12. Dezember 2013, den ich unterstützt habe, verurteilt uneingeschränkt den Organraub, den das chinesische Regime speziell an Falun Gong-Gewissensgefangenen verübt.

In der gleichen Woche akzeptierte ein US-Kongressausschuss eine ähnliche Resolution und eine Petition mit 1,5 Millionen Unterschriften wurde an die Vereinten Nationen übergeben.

Das war die globale Antwort auf eine Reihe ähnlicher Resolutionen, die in letzter Zeit von Parlamenten und Verbänden verabschiedet wurden.

Mit diesen Aktionen schließt sich eine Glaubwürdigkeitslücke: Das selektive Auswählen und Töten von Gefangenen für ihre Körperorgane, speziell von Falun Gong-Praktizierenden, gleicht einem Völkermord.

Sie sind in China die einzigen Gefangenen, deren Blut- und Urinproben als Teil eines Auswahlprozesses genommen werden. Tausende von ihnen wurden nach Gewebeproben buchstäblich auf Abruf ermordet – im Auftrag eines der 169 Transplantationszentren Chinas. Jedes Jahr finden dort rund 10.000 Operationen statt und meist mit Organen von Gefangenen – weil es in China aus kulturellen Gründen kaum Organspender gibt.

Seit die Verfolgung von Falun Gong im Jahr 1999 begann, starben nach Schätzungen der Ermittler David Kilgour und David Matas zehntausende Menschen durch Organraub.

Rechtsanwalt Gao Zhisheng

Seit meinem Peking-Besuch 2006 habe ich mich gegen diese entsetzlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingesetzt.

Dort knüpfte ich auch ersten Kontakt zu Gao Zhisheng, dem christlichen Menschenrechtsanwalt. Sein Bericht, den er 2005 über die Verfolgung der Falun Gong-Praktizierenden veröffentlichte, führte zur Schließung seiner Pekinger Anwaltskanzlei.

Nach meinem Besuch bei Gao blieben wir in Kontakt über Reformen in China – doch wurde er am 15. August 2006 verhaftet und später wegen „Subversion“ verurteilt. Gao wurde mehrfach verhaftet, unter Hausarrest gestellt und verschwand schließlich für lange Zeit.

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Das hinderte ihn zunächst nicht daran, weiter aktiv zu sein und durch mich offene Briefe an das Europäische Parlament und den US-Kongress überbringen zu lassen. Schließlich wurde er in einem unbekannten Gefängnis zum Schweigen gebracht.

Im Januar 2013 gelang es seiner Familie laut Presseberichten endlich, Kontakt zu ihm in einem Gefängnis der Provinz Xinjiang aufzunehmen. Seiner Frau, die ich in Washington im März 2013 traf, seinem Sohn und seiner Tochter war zum Glück die Flucht in die USA gelungen.

Am 2. Dezember 2012 eröffnete ich die letzte in einer Reihe von Anhörungen zur Menschenrechtslage in China im Europäischen Parlament in Brüssel. Mit einem Plädoyer für die Freilassung von Gao, verstärkt durch die Video-Aussage seiner Tochter Gege.

Eins von Gaos „Verbrechen“ war ein Treffen mit dem ehemaligen UN-Berichterstatter für Folter, Dr. Manfred Nowak, im Frühjahr 2006. (Nowak war übrigens mein Vorgänger, als ich im Jahr 2013 mit der Ehrenmedaille des European Inter-University Center für Menschenrechte und Demokratisierung ausgezeichnet wurde.) Nowak behauptet, dass zwei Drittel der Gefangenen, die in China „Umerziehung durch Arbeit“ erleiden, Falun Gong-Praktizierende seien.

Nachdem ich Hunderte im Exil lebende Falun Gong-Praktizierende getroffen habe, die vormals in China inhaftiert waren, habe ich keinerlei Zweifel, dass das wahr ist. Und ich bezweifle auch nicht, dass Tausende Praktizierende ihr Leben durch jenes abscheuliche Transplantations-Geschäft verloren haben, das von der Volksbefreiungsarmee betrieben und organisiert wird.

Diese Aktivitäten verstoßen gegen Artikel 2 der Völkermordkonvention. Ich plädiere für die Einrichtung eines internationalen Registers der Folterer und Mörder, damit ihre Namen dem Internationalen Strafgerichtshof für die zukünftige Strafverfolgung zur Verfügung stehen. Denn diese wird erst in einem freien China möglich sein.

Im Gegensatz zu China ist die Europäische Union eine Demokratie und vom 22. bis 25. Mai wird in der EU gewählt, darunter auch in meiner Region Yorkshire und Humber. 2010 wechselte ich zu den Liberaldemokraten, weil mir die Konservative Partei zu anti-europäisch wurde. Ich hoffe trotzdem, für weitere fünf Jahre gewählt zu werden, damit ich weiter die Wahrheit über die Verfolgung und Ermordung der Falun Gong-Praktizierenden vom Europäischen Parlament aus verbreiten kann.

Edward McMillan-Scott, Mitglied des Europäischen Parlaments (UK Liberaldemokraten), war bis 2014 Vizepräsident des Europäischen Parlaments für Demokratie und Menschenrechte.

Originalartikel auf Englisch: We Recall the Holocaust: We Should Recognize Genocide in China Today