WM 2014: Warum es für Brasilien besser war die WM zu verlieren

Epoch Times8. Juli 2014 Aktualisiert: 8. Juli 2014 21:22
Proteste gegen den FIFA Weltcup 2014Proteste gegen den FIFA Weltcup 2014Foto: YASUYOSHI CHIBA/Getty Images

Das vorzeitige WM-Aus von Neymar, dem brasilianischen Stürmerstar, schockte die Fans und das Brasilien-Team. Wenn man sich jedoch die Gesamtsituation ansieht, könnte der Ausfall Neymar’s vielleicht das Beste gewesen sein was dem Land seit langem passieren ist. 

Warum? Da dies wahrscheinlich einer der Gründe war, dass Brasilien die Weltmeisterschaft verloren hat! 

Beim Halbfinale Brasilien gegen Deutschland, stand es schon in der 30. Minute 5:0 für Deutschland. Am Ende vernichtete Deutschland Brasilien mit einem 7:1. 

Diese WM hat nichts mehr mit der Einkommensungleichheit oder den vertriebenen Bürgern oder der massiven Verschuldung Brasiliens zu tun. Es dreht sich alles nur um die Verletzung Neymar’s und dem WM-Aus von Silva und ob Brasilien diese "Schicksalsschläge" überwinden und die WM trotzdem noch gewinnen hätte können. Sie konnten es nicht. 

Wenn Brasilien die WM gewonnen hätte, hätte die brasilianische Regierung den WM-Sieg als Sieg Brasilien’s propagiert. Bei genauerer Betrachtung wäre dies jedoch kein Sieg des brasilianischen Volkes gewesen.

Die WM hat Opfer gefordert

Brasilien ist ein Land in dem das durchschnittliche Monatseinkommen 680 Dollar beträgt, berichtet die Huffingtonpost. Millionen brasilianischer Bürger müssen mit einem Bruchteil dessen auskommen. Andererseits wurden Milliarden von Dollar in die Fußballstadien gepumpt. Ein Weltcup-Sieg, und eine Regierung welche sich mit diesem Erfolg gerühmt hätte, wäre nicht das gewesen was dieses Land jetzt braucht.

Tickets für das Megaevent zu kaufen ist mit Sicherheit das letzte an was die Armen und Unterprivilegierten in Brasilien denken. 

Vielmehr werden sie auf die mindestens 15.000 Vertriebenen allein in Rio aufmerksam machen und auf die 11,5 Milliarden Dollar die für die WM ausgegeben wurden. Von dieser Summe wurden rund 3.6 Milliarden US-Dollar von Steuergeldern verwendet. Dieser Weltcup ist der teuerste aller Zeiten. Vier der 12 Stadien für denen die 11,5 Milliarden Dollar ausgegeben wurden, hatte die FIFA noch nicht einmal verlangt. 

Man könnte denken, dass sich die Brasilianer für das Halbfinale viele Tore für ihr Team und den letztendlichen WM-Sieg gewünscht hätten. Aber dem war nicht so. Das Volk hatte sich gewünscht, dass Geld wäre in den Kauf eines Hochgeschwindigkeitszuges in Sao Paulo, zu den Armen, in das Bildungswesen oder zur Verbesserung der Flughäfen, die zur Zeit Zelte als Terminals benutzen, geflossen, berichtet die Huffingtonpost.

"Wie immer werde ich auch heute für Brasilien rufen. Aber zum ersten Mal wünsche ich mir nicht das sie gewinnen", sagte Erivaldo Jose Costa, Hotel-Arbeiter aus Rio de Janeiro, im Interview mit der Sunday Times. "Wenn wir gewinnen, wird die Regierung dies zu ihren Gunsten nutzen und sagen, welch großer Erfolg die WM war und sie werden all unsere Probleme hinter einer Maske verstecken." 

Mit der Niederlage gegen Deutschland sind zumindest diese Sorgen aus der Welt geschafft. Doch wie geht es nach der WM weiter?

[–Volkskomitee gegen Ungerechtigkeiten der WM–]

Die Missstände durch die WM haben dazu geführt, dass die Menschen Gruppen bildeten um sich zu wehren. In Sao Paulo wurde vor drei Jahren ein Volkskomitee gegründet um gegen die Ungerechtigkeiten, die mit dem Megaevent kommen würden, zu kämpfen. 

"Der Cup wirkt sich auf verschiedene Populationen aus. Zum Beispiel auf jene, die ihre Waren aus Fahrzeugen verkaufen und denen es verboten ist in die Nähe der Stadien oder in die Nähe der Fan-Zonen zu fahren", sagte Vanessa Dos Santos, eine Veranstalterin, der International Business Times. "Es wirkt sich auf die Prostituierten aus. Viele von ihnen sind Kinder, die die "Vorteile" der WM nutzen," fügte sie hinzu. 

Über die massiven Ausgaben für die Fußballstadien sagte Tita Reis, ein Mitglied des Volkskomitees der WM, der brasilianischen Zeitung O Globo Told: "Das Geld hätte in Häuser, Schulen und Universitäten investiert werden sollen."

Die Probleme der brasilianischen Bevölkerung

Die Hälfte der ländlichen Bevölkerung Brasiliens hat keinen Zugang zu ihren Grundbedürfnissen, Dingen wie sauberes Trinkwasser. Laut dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung fehlt es dem Land an mehr als 5 Millionen Dollar um Häuser bauen zu können, die dringend benötigt würden.

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Stadien wie Arena da Amazonia, welche noch keine Käufer haben, benötigen rund 250.000 Dollar pro Monat an Nebenkosten. Es ist unklar wer diese Rechnungen in Zukunft zahlen wird. 

Eine Umfrage des Pew Research Center ergab, dass 61 Prozent der brasilianischen Befragten gegen Brasilen als Austragungsort der WM 2014 waren. Sie sagten, Brasilien war eine schlechte Wahl als Gastgeberland. Geldressourcen für Schulen, Gesundheitsversorgung und andere öffentliche Dienstleistungen sind in die Vorbereitungen des Weltcups gesteckt worden. 34 Prozent der Befragten hatten daran geglaubt, die WM würde dabei helfen Arbeitsplätze zu schaffen und den 12 WM-Städten einen wirtschaftlichen Aufschwung bereiten. 

Noch schlimmer ist die Tatsache, dass die meisten brasilianischen Menschen es sich nicht einmal leisten konnten, ein Spiel zu besuchen. Nur eine Million der drei Millionen Tickets, welche zur Verfügung standen, wurden auf dem brasilianischen Markt verkauft und die Tickets kosteten regulär weit über 100 Dollar, so die Huffingtonpost. 

Für die FIFA ist die Weltmeisterschaft 2014 jedoch ein voller Erfolg. Nicht nur dass sie um satte 4 Milliarden Dollar reicher geworden ist, sie hat sich auch neue Freunde in der brasilianischen Regierung gemacht.

Warum ist es also nun besser, dass Brasilien die WM verloren hat? Wenn das brasilianische Team gewonnen hätte, wären die Hilferufe der Armen und Verzweifelten Brasiliens von den Jubelschreien der Fußball-Fans übertönt worden. Durch die Niederlage Brasiliens, besteht jedoch die Hoffnung das die Schreie der Bevölkerung im ganzen Land und in der Welt doch noch gehört werden. (so) 

Quelle: Huffingtonpost