„WSJ“ zeigt auf: Der systemische Polizei-Rassismus in den USA ist ein Mythos

Von 6. Juni 2020 Aktualisiert: 8. Juni 2020 10:16
Jüngste Studien zeigen, dass es keinen systemischen Rassismus innerhalb der US-amerikanischen Polizei gibt. Die im Zuge des Todes von George Floyd vorgebrachten Vorwürfe gegen die US-Strafbehörden sind haltlos.

In den USA ist die Debatte über den angeblichen weit verbreiteten Rassismus innerhalb der Strafverfolgungsbehörden erneut entfacht. Grund: Der Tod George Floyds. Der 46-jährige Afroamerikaner kam während eines Polizeieinsatzes ums Leben. Der Hauptverantwortliche, der ehemalige Polizist Derek Chauvin, wurde wegen Mordes angeklagt und befindet sich in Haft.

In der Zeit von US-Präsident Barack Obama wurde heftig über Rassismus innerhalb der US-Polizei diskutiert. Vergangenen Freitag (25.5) schaltete sich Obama schließlich auch in die derzeitige Rassismus-Debatte ein.

Unter anderem schrieb er: Millionen schwarze Amerikaner würden von den Strafverfolgungsbehörden aufgrund ihrer Rasse unterschiedlich behandelt. Für diese Menschen sei dieser „Wahnsinn“ tragische und schmerzhafte Normalität. Deshalb forderte der Ex-Präsident, der die USA acht Jahre lang regiert hatte, die Polizei und die Öffentlichkeit auf, eine neue „Normalität“ zu schaffen, in der „Bigotterie nicht länger unsere Institutionen und unsere Herzen ansteckt“.

Wenig später forderte der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, eine Polizeireform und -aufsicht. Damit wolle er die „Progressiven“ des Landes unterstützen. Insbesondere diejenigen, „die jung und nicht weiß sind“.

Biden forderte auch, eine nationale Polizeiaufsichtskommission einzurichten und den Einsatz von Würgegriffen durch die Polizei zu verbieten. Er sagte, man müsse gegen „die bösen Polizisten“ entschieden vorgehen. „Wir alle müssen uns intensiv mit der Kultur auseinandersetzen, die es zulässt, dass sich diese sinnlosen Tragödien weiterhin ereignen.“

Er sagte, alle Afroamerikaner müssten um ihre Sicherheit vor diesen Polizisten fürchten. Zudem würden schwarze Kinder angewiesen, „den Missbrauch durch die Polizei zu tolerieren, nur damit sie nach Hause kommen können“. Barack Obama machte diese Aussage nach einem hinterhältigen Mord an fünf Polizisten in Dallas im Juli 2016. Die Polizisten wurden auf einer eigentlich friedlich verlaufenden Demonstration gegen Polizeigewalt grundlos erschossen. Während der Gedenkfeier der ermordeten Polizisten sagte der damalige Präsident: Afroamerikanische Eltern fürchteten zu Recht, dass ihre Kinder von Polizeibeamten getötet werden könnten, wenn sie nach draußen gingen.

Der demokratische Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, prangerte auf einer Pressekonferenz am Freitag (29.5) „den Schandfleck des grundlegenden, institutionellen Rassismus“ bei der Strafverfolgung an. Er sagte: Schwarze hätten das Recht, die Versprechungen von Polizeireformen als „leeres Geschwätz“ abzutun.

„WSJ“: In den USA gibt es keinen institutionellen Rassismus

In einer Analyse kommt das „Wall Street Journal“ aber zu dem Schluss: Es gibt keinen institutionellen und systemischen Rassismus innerhalb der amerikanischen Strafverfolgungsbehörde und der Polizei. Weder sei dies in der Obama-Zeit so gewesen noch heute. Der Tod George Floyds sei tragisch und die Aufnahmen seiner Verhaftung „widerwärtig“, aber dieses Ereignis sei nicht repräsentativ für die 375 Millionen Kontakte, die Polizeibeamte mit der Zivilbevölkerung jährlich haben.

Der renommierten Zeitung zufolge gebe es keine Beweise, dass eine strukturelle Voreingenommenheit im Strafrechtssystem in Bezug auf Verhaftungen, Strafverfolgung oder Verurteilung gegenüber Schwarzen stattfindet. Bei Verbrechen und verdächtigem Verhalten werde bei den allermeisten Polizeiaktionen nicht nach Rasse eingeteilt, alle Verdächtigen würden gleich behandelt.

Das zeigt die Zeitung in einer Statistik auf: Im Jahr 2019 wurden in den USA 1.004 Menschen von Polizisten erschossen. Die meisten dieser Menschen waren bewaffnet oder anderweitig gefährlich. Etwa ein Viertel davon waren Afroamerikaner (235). Die Zahl ist seit 2015 stabil geblieben.

Die Zeitung verweist darauf, dass der Anteil schwarzer Opfer unter dem liege, was die Kriminalitätsrate von Schwarzen vorhersage. Ein Schusswaffengebrauch von Polizisten hänge davon ab, wie oft Beamte auf bewaffnete und gewalttätige Verdächtige träfen. Im Jahr 2018 das letzte Jahr, für das solche Daten veröffentlicht wurden wurden 53 Prozent der bekannten Tötungsdelikte in den USA von Afroamerikanern durchgeführt. Zudem begehen schwarze Menschen etwa 60 Prozent aller Raubüberfälle im Land, obwohl sie lediglich 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Dem Bericht zufolge hat die Polizei 2019 neun unbewaffnete Schwarze und 19 unbewaffnete Weiße erschossen. Wobei bei mindestens einem Fall von „unbewaffnetem Schwarzen“, der Verdächtige eine geladene Waffe in seinem Auto mitführte. Im Jahr 2015 wurden demnach 38 Schwarze und 32 Weiße von der Polizei erschossen.

Das Journal schlüsselt weiter auf: Im Jahr 2018 gab es 7.407 schwarze Mordopfer. Geht man von einer vergleichbaren Zahl von Opfern im vergangenen Jahr aus, so stellen diese neun Schwarzen durch Polizeischüsse Getötete lediglich 0,1 Prozent aller 2019 getöteten Afroamerikaner dar. Im Gegensatz dazu ist die Wahrscheinlichkeit 18 Prozent , dass ein Polizeibeamter von einem schwarzen Mann getötet wird, um ein Vielfaches höher als die Wahrscheinlichkeit, dass ein unbewaffneter schwarzer Mann von einem Polizeibeamten getötet wird.

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Studie: Keine Hinweise auf Rassismus bei Schusswaffengebrauch der Polizei

Es gibt einige Studien, die die Behauptung der systemischen Voreingenommenheit der Polizei widerlegen, heißt es in dem „WSJ“-Bericht weiter. Beispielsweise eine Studie, die im August 2019 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht wurde. Es gebe keinen signifikanten Hinweis darauf, dass ein Mensch einer bestimmten Rasse eher von der Polizei erschossen wird, als ein Mensch einer anderen Rasse, schlussfolgerten die Forscher.

Eine 2015 vom Justizministerium durchgeführte Analyse des Philadelphia Police Department ergab, dass weiße Polizeibeamte weniger wahrscheinlich als schwarze oder hispanische Beamte unbewaffnete schwarze Verdächtige erschießen. Eine Untersuchung des Harvard-Ökonomen Roland G. Fryer Jr. fand auch keine Hinweise auf Rassendiskriminierung bei einem Schusswaffengebrauch der US-Polizei.

In dem Bericht wird auch darauf hingewiesen, dass das falsche Narrativ über systemischen Rassismus innerhalb der Polizei während der Präsidentschaft von Barack Obama zu gezielten Tötungen von Beamten geführt habe. Dieses Muster könne sich in der jetzigen Krise wiederholen.

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