Zensur: Indien sperrt 860 Porno-Websites

Epoch Times5. August 2015 Aktualisiert: 5. August 2015 10:37
857 Porno-Websites wurden am Wochenende in Indien blockiert. Es ist die größte Zensuraktion in der Geschichte des indischen Webs.

Haben Pornos etwas mit Indiens massiver Gewalt gegen Frauen zu tun? Ein Aktivist meint "Ja!" und versuchte vor dem Obersten Gerichtshof ein totales Pornoverbot in Indien zu erwirken. Mit der Aktion folgte die Modi-Regierung nun seiner Empfehlung. Er hatte die 857 Online-Portale mit den stärksten Besucherzahlen aufgelistet und um deren Sperrung gebeten.

Durchgeführt wurde die Aktion von Indiens Telekommunikations-Behörde und so flimmerte Freitag abend plötzlich statt eindeutiger Bilder nichts oder eine Sperrmeldung über die Bildschirme. Ein Sprecher der Behörde erklärte laut CNN, dass der Bann einer Empfehlung des Obersten Gerichtshofs folgte. Dieser hatte vor kurzem Kamlesh Vaswanis Antrag bearbeitet und untersucht, ob zwischen Online-Pornos und Indiens vielen Vergewaltigungen ein Zusammenhang besteht.

Der Gerichtshof verhängte zunächst kein generelles Verbot, da man sonst „die Grundrechte Erwachsener einschränken würde, die zu Hause anschauen könnten, was sie wollten“, hieß es. Maßnahmen seien jedoch „eine Sache der Politik“ und diese hätte sich bei der Bekämpfung von Kinderpornos bisher „lethargisch“ verhalten.

Am Montag dankte Rechtsanwalt Vaswani nun Premier Modi für die partielle Porno-Sperre – auch wenn laut New York Times tausende andere Websites weiterhin empfangbar waren.

Ein Verbrechen, das Indien erschütterte

Vaswani sagt, dass ihn die brutale Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen Neu Delhierin im Jahr 2012 zum Anti-Porno-Aktivisten gemacht habe. Die junge Frau war im Beisein ihres Freundes von vier Männern in einem Bus attackiert worden und zwei Wochen später gestorben. Ihr Begleiter überlebte schwer verletzt. Das öffentliches Entsetzen über den Fall sorgte dafür, dass Indien die Todesstrafe als Höchststrafe für Vergewaltiger einführte.

Aus Vaswanis Sicht ist Porno-Konsum ein Faktor, der den Nährboden für solche Verbrechen bereitet: „Nichts kann einen Menschen gründlicher zerstören, seinen Geist aushöhlen, seine Zukunft vernichten und sein Potential zunichte machen oder die Gesellschaft ruinieren wie Pornografie,“ schrieb er in seiner Petition an den Obersten Gerichtshof . Er nannte Pornos „schlimmer als AIDS, Krebs oder jede andere Epidemie.“ In Indien sind Gewaltverbrechen gegen Frauen extrem weit verbreitet.

Test zur Einschränkung der Internetfreiheit?

Die Modi Regierung gilt als konservativ-hinduistisch und die Behörden begründeten den Porno-Bann moralisch. Die Zensuraktion hat ebenso glühende Befürworter wie Gegner. Kritiker sahen darin einen Versuch, die Meinungsfreiheit einzuschränken und mehr Internetkontrolle auszuüben. Die Sperre sei zeitlich begrenzt, bis die Regierung neue Maßnahmen gegen Kinderpornographie verabschiedet habe, zitierte die Times of India einen Beamten, der anonym bleiben wollte. Der Bann von Pornos und Kinderpornos im Speziellen wurde in Indien seit einem Jahr diskutiert, berichtete der Sydney Morning Herald. (rf)

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