Zwei Wochen nach der Flutwelle

Von 13. Januar 2005 Aktualisiert: 13. Januar 2005 0:35
Allmählich ändert sich die Situation der Anrainerstaaten rund um den indischen Ozean

14 Tage nach der Flutwelle am 26. Dezember 2004 wandelt sich allmählich die Situation der Anrainerstaaten am indischen Ozean. Neben den Aufräumarbeiten geht es zunehmend um das wirtschaftliche Überleben. Die internationale Staatengemeinschaft hat bei der Geberkonferenz in Jakarta Hilfeleistungen und ein Frühwarnsystem versprochen.

Fast zwei Wochen nach der Flutwelle geht Herr Jürgen Koch, von der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit in Thailand, durch die verlassenen Hotelanlagen auf Phi Phi Island. Das beliebte Urlaubsziel vieler deutscher Urlauber war, laut dem thailändischen Regierungssprecher, Jakrapob Penkair, am härtesten von der Flutwelle betroffen, die hier am 26 Dezember 2004 bis zu 10m hoch und mit mehreren hundert Stundenkilometern Geschwindigkeit über die Insel hereinbrach. „Hier ist es immer noch sehr oberflächlich aufgeräumt. Ich bin mir nicht sicher, ob endgültig alle Leichnahme beseitigt worden sind. Das sieht noch relativ schlimm und chaotisch aus“ meint Koch. Dabei sollen in Thailand, das mit ungefähr 5.300 Todesopfern betroffen war, die Aufräumarbeiten schon am weitesten fortgeschritten sein. Neben den geringen Opferzahlen waren hier im Unterschied zu Indien, Indonesien oder Sri Lanka hochentwickelte Touristengebiete betroffen. Für den Regierungschef Thailands, Shinawatra Thaksin, der zuletzt wegen seines harten Vorgehens gegen moslemische Aufständische und wegen seiner Drogenpolitik verurteilt worden war bedeutet die Katastrophe zugleich auch Wahlhilfe vor den Parlamentswahlen am 6. Februar.

In Indonesien war schon vor der Flutwelle wenig Tourismus

Die Hauptstadt der Provinz Aceh in Indonesien, Banda Aceh, erreichte die Tsunami nur zirka sieben Minuten nach dem Seebeben. In Indonesien sind mit mittlerweile mehr als 100.000 die meisten der ungefähr 160.000 Todesfälle zu beklagen. Mehr als eine Million Menschen wurden obdachlos. Die Versorgung mit Hilfsgütern läuft mittlerweile reibungslos obwohl „noch nicht alle Ecken erreicht sind“ wie von vor Ort zu hören ist. Sogar angesichts der Katastrophe setzt sich der jahrzehntelange Kampf zwischen Regierungstruppen und Rebellen mit ungeminderter Härte fort. Nach letzten Meldungen aus der Krisenregion wird die für die Bevölkerung katastrophale Situation vor Ort sogar für den weiteren Ausbau der jeweiligen Stellungen genutzt. Die islamische GAM möchte eine Loslösung der Region aus dem indonesischen Staatenbund. Die Regierung fürchtet den Wegfall wertvoller Bodenreserven, vor allem Erdöl und hat den Rebellen in den letzten Jahren Teilautonomie gewährt und die Scharia zugelassen.

Das Beispiel Indonesien zeigt auch die Auswirkung, wenn der Tourismus als Einnahmequelle für die Bevölkerung vor Ort wegfällt: Nach dem Bombenanschlag auf eine viel besuchte Diskothek, im Oktober 2002, nahmen schon damals die Touristenzahlen nach dem ersten Monat um 60 Prozent ab. Aus Angst vor weiteren Anschlägen blieben zahlreiche Geschäfte in den Touristenorten fast leer und in manchen Restaurants wurde man nicht selten als einziger Gast bedient. Durch das Ausbleiben der Touristen wurden Stellen abgebaut, Löhne gekürzt und selbst die wenigen, die ihre Arbeitsplätze behalten durften oder durch Glück eine andere Stelle fanden, arbeiteten seither für noch weniger Geld.

Ausgewogene Verteilung in Sri Lanka

Sri Lanka war neben Indonesien mit 30.500 Toten am stärksten betroffen. Laut Aussage von Roland Steurer, der über die GTZ die Aufbauarbeit, finanziert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und durch das Außenministerium, in Colombo koordiniert, ist die erste Phase der humanitären Hilfestellung mittlerweile vorbei. In den nun folgenden sechs Monaten der „Soforthilfemaßnahmen“ soll das Leben der heimatlos gewordenen Menschen stabilisiert werden. In den darauf folgenden fünf Jahren sollen dann die Hütten mit lokalen Arbeitskräften und lokalen Baustoffen entstehen. „Sonst entwickeln die Leute ein klare Schenkungsmentalität“ so Steurer. Gleichzeitig werde über die Ankurbelung der Bauwirtschaft der jetzt entstandene negative Beschäftigungseffekt ausgeglichen. Besonderer Wert soll dabei auf eine ausgewogene Verteilung der Hilfsmittel auch für nicht unmittelbar durch die Flutwelle betroffene Nachbarn gelegt werden, damit kein Neid entsteht. Die Katastrophe in Sri Lanka kam allerdings zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: gerade sollte nach dem Waffenstillstand zwischen Regierung und Tamilen der ohnehin wenig vorhandene Tourismus ansteigen. Auf den Tourismus wurde als Alternative für die Bekleidungsexporte gesetzt. Gerade der Textilsektor, der nach Angaben der WTO 54 Prozent der gesamten Ausfuhren beträgt, könnte durch Wegfall der 40 jährigen Quotenregelung mit Ende 2004, stark zurückgehen.

Hilfe der Staatengemeinschaft

Vergangen Mittwoch erklärte Bundeskanzler Schröder, dass die Bundesregierung die Fluthilfe für Südostasien von 20 auf 500 Mio. Euro aufstocken wolle. EU Kommissionschef Manuel Barroso verkündete anlässlich der Geberkonferenz in der indonesischen Hauptstadt Jakarta vergangenen Donnerstag eine Erhöhung der Hilfestellung auf 1,5 Milliarden Euro. Weiterhin beschloss der internationale Krisengipfel bei der Geberkonferenz ein Frühwarnsystem gegen Flutwellen im indischen Ozean zu installieren.

Im Gegensatz zu Europa haben die USA mittlerweile ungefähr 13.000 Soldaten, 21 Schiffe, 29 Flugzeuge und 46 Hubschrauber zur Verfügung gestellt. US Präsident George Bush kündigte an, unter seiner Führung eine Allianz mit Indien, Japan und Australien bilden zu wollen.

Nicht nur im pazifischen Raum können Tsunamis entstehen

Wie der pazifische Raum sind aber auch Europa und Amerika, nach einhelliger Meinung der Experten, nicht sicher vor Tsunamis. Neben Seebeben können auch Gesteinsrutsche Flutwellen verursachen. So fürchten Geologen, dass die instabile Flanke eines Vulkans auf La Palma eine Tsunami erzeugen könnte. Die so entstandene Flutwelle könnte neben Europa auch Großstädte in den USA wie beispielsweise New York und Boston bedrohen. Auch von einer Gesteinsrutschung auf Teneriffa könne eine derartige Gefahr ausgehen. Ob und wann dies allerdings passieren wird ist jedoch ungewiß, letztendlich bestimme der Zufall. Eine andere Theorie für das Auftreten von Tsunamis findet sich übrigens bei der Urbevölkerung auf Java: anläßlich des Ausbruches des indonesischen Vulkans Krakatau am 27. 08. 1883, der damit einhergehenden Flutwelle und ungefähr 36.000 Toten, sahen sie damals den Grund dafür in der moralischen Schwäche der Herrschenden und der Bevölkerung.

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