Von der Diavolezza hat man einen schönen Rundumblick auf viele Dreitausender. (Foto: Elke Backert)

Willkommen, Allegra, Benvenuti!

Von 25. Dezember 2007 Aktualisiert: 25. Dezember 2007 9:52
Eine winterliche Bahnreise durch Graubünden in der Schweiz

Man schreibt das Jahr 1864. Der St. Moritzer Hotelpionier Johannes Badrutt wettet mit seinen englischen Sommergästen, Graubünden sei auch im Winter ein idealer Ferienort. Badrutt stößt auf Skepsis und schlägt deshalb vor: Sie erhalten ihr Geld zurück, sollte ihnen der Aufenthalt nicht gefallen. Die Engländer nehmen die Wette an, kommen an Weihnachten und – bleiben bis Ostern. Alle Jahre wieder. Die Winterferien in Graubünden sind geboren.

Willkommen, allegra, benvenuti! heißt es heute. Drei Sprachen, Deutsch, Rätoromanisch, Italienisch, so freuen sich die Touristiker, machten Graubünden zum vielsprachigsten Kanton der Welt.
Man schreibt das Jahr 1889. In einer Volksabstimmung entscheiden sich die Bündner für den Bau einer „Centralbahn“ durch das innere Graubünden. 1898 wird sie gebaut und 1903 eröffnet, die spektakuläre 60 Kilometer lange Albulalinie von Thusis nach Celerina und St. Moritz, die mit ihren vielen Kehrtunnels und Schwindel erregenden Viadukten eine bis heute optimale Streckenführung in diesem gebirgigen Gelände aufweist.

Von der Diavolezza hat man einen schönen Rundumblick auf viele Dreitausender. (Von der Diavolezza hat man einen schönen Rundumblick auf viele Dreitausender. (Foto: Elke Backert)

„Willkommen an Bord“, begrüßt eine Lautsprecherstimme die heutigen Passagiere. Aus der „Centralbahn“ wurde der Bernina Express der Rhätischen Bahn mit hohen, bis ins Dach reichenden Panoramafenstern, auf dass auch die Gipfel der Schweizer Bergwelt gemütlich im Sitz lehnend betrachtet werden können. Die Füße ruhen, welch Luxus, auf weichem Teppichboden. Rot die Bahn, rot die Uniformen der Schaffner. In Chur, Kapitale Graubündens und älteste Stadt der Schweiz, startet die winterliche Bahnreise, deren Endstation heutzutage die italienische Grenzstadt Tirano ist. Die Churer Altstadt mit verwinkelten kopfsteingepflasterten Gassen, die den Mühlbach überdecken,mit hübschen Plätzen und bemalten schmalen spitzgiebligen Häusern im bündnerischen Heimatstil wird gekrönt vom burgähnlichen Bischofssitz mit Schloss, den Domherrenhäusern, mächtigen Wehrtürmen und der Kathedrale. In den Weinbergen dahinter liefern – wer weiß das schon – die Reben ausgezeichnete Blauburgunder und Müller-Thurgau.

Als wahres Meisterwerk der Bahnbaukunst gilt der auf sechs eleganten Bogen von je 20 Metern Spannweite ruhende Landwasserviadukt. Ein Schmuckstück von 130 Meter Länge. (Als wahres Meisterwerk der Bahnbaukunst gilt der auf sechs eleganten Bogen von je 20 Metern Spannweite ruhende Landwasserviadukt. Ein Schmuckstück von 130 Meter Länge. (Foto: Elke Backert)

Aus dem Rahmen fällt in Chur ein Walliser „Strickbau“ aus Holz mit einem „Seelenbalken“, einem winzigen Fenster, aus dem die Seele eines Verstorbenen entfleuchen kann. Chur rühmt sich seines Bistums das älter als das Trierer sei und Mitte des 4. Jahrhunderts gegründet wurde.

Der Bernina Express, die längste Meterspurbahn der Welt, verlässt Chur in westlicher Richtung. Zur Rechten erhebt sich der Schneegipfel des Calanda. Bei der Station Reichenau/Tamins treten gleich zwei Schönheiten ins Blickfeld. Wo sich die Rhein-Quellflüsse vereinigen – der Hinterrhein kommt vom Rheinwaldhorn, der Vorderrhein aus dem Tomasee im Oberalpmassiv –, thront massiv Schloss Reichenau aus dem 17. Jahrhundert. Weitere Schlösser, Burgen und Burgruinen folgen, etwa Schloss Ortenstein und Schloss Rhäzüns. Über Letzteres schwebt gerade eine Luftseilbahn Richtung Feldis. Im Mittelalter hatte das „Burgenland“ des Domleschg strategische Bedeutung als Zubringer zu den Säumerpfaden über die Pässe Splügen, Septimer, San Bernardino und Julier. Jetzt aufgepasst: Vor der Station Thusis ist die enge Viamala-Schlucht zu sehen und beim Dorf Sils der Eingang zur Schynschlucht.

Den Rhein lässt die Bahn hinter sich und begleitet die schäumenden, eisblauen Wasser der Albula. Bis Tiefencastel folgen drei Brücken und 14 Tunnels. Nach dem längsten zeigt sich der Bahnhof Solis – auch im Winter in Blumenschmuck. Der Soliser Viadukt ist mit einer Höhe von rund 90 Metern der höchste im gesamten Netz der Rhätischen Bahn. 164 Meter ist er lang. Als wahres Meisterwerk der Bahnbaukunst gilt der auf sechs eleganten Bogen von je 20 Metern Spannweite ruhende Landwasserviadukt. Ein Schmuckstück von 130 Meter Länge.

Ab Filisur verraten die alten Sgraffito-Fassaden aus mächtigem Mauerwerk mit kleinen Fenstern den architektonischen Einfluss des nahen Engadin, das hinter Samedan beginnt. Bei Bergün, romanisch Bravuogn, hat der Zug eine Höhe von 1376 Meter erreicht. Falls einer aussteigen möchte: Römerturm, ein Wachturm mit Zwiebelhaube aus dem 17., der Turm der Dorfkirche aus dem 12. Jahrhundert sowie das älteste Wohnhaus von 1554 dürfen bestaunt werden. Wer weiter fährt, sieht dank der beiden verwirrenden Kehrtunnel Bergün gleich dreimal. Je weiter der Zug hinaufklettert – auf der 12,6-Kilometer- Strecke bis Preda (1788,7 m hoch) hat er 416 Höhenmeter zu überwinden, fünf Kehrtunnels, zwei gewöhnliche Tunnel, neun Viadukte und zwei Galerien –, um so schneereicher zeigt sich die Landschaft. Den wilden Kurven rücken Mutige und Übermütige in Preda mit dem Schlitten zu Leibe. Die rasante Fahrt endet nach sechs Kilometern und 400 Höhenmetern in Bergün, wo die Rhätische Bahn die Rodelfans nochmals zum Start nach Preda bringt. Ein Abenteuer, das man sich auch abends bei beleuchteter Rodelbahn nicht entgehen lassen sollte.
Mit einer Scheitelhöhe von 1820 Metern ist der Albulatunnel der höchstgelegene Alpendurchstich Europas, die Linie eine der genialsten Bahnstrecken und weltberühmt. Verständlich, dass sich der Kanton mit der Albulalinie um Aufnahme in das Unesco-Welterbe beworben hat.

In Pontresina wird die Wechselstrom-Lokomotive gegen zwei Triebwagen mit Gleichstrom ausgewechselt, bevor der Zug durch lichte Lärchenwälder, jetzt schneeweiß gepolstert, auf die Hochebene von Morteratsch klettert. Mit etwas Glück entdeckt man eine Steinbock-Kolonie, die Engadiner Glücksbringer. Beide Orte sind für Skifahrer – traumhaft soll die Abfahrt von der Diavolezza mit herrlichem Panorama auf Piz Bernina, Piz Palü und auf den Morteratschgletscher sein – und Schnee-Wanderer zu empfehlen. Das Grand Hotel Kronenhof in Pontresina, das aus dem Gasthaus zur Krone (1851) hervorging, zeugt von der langen Tradition, schon seit Beginn des Tourismus vor über 100 Jahren auch in hohen Alpenregionen dem Luxus zu huldigen.

Die Tschuggen Wellness-Bergoase, die der Tessiner Stararchitekt Mario Botta dem Grand Hotel angliederte, bietet alles, was man zum Entspannen braucht. (Die Tschuggen Wellness-Bergoase, die der Tessiner Stararchitekt Mario Botta dem Grand Hotel angliederte, bietet alles, was man zum Entspannen braucht. (Foto: Elke Backert)

Das gilt auch für das Tschuggen Grand Hotel in Arosa. Eisenbahn-Freaks genießen vor allem die grandiose Fahrt mit dem Davos Express von Chur in den weltberühmten Winterkurort. Dabei verdienen die kleinen Bahnstationen, Puppenhäusern gleich, Beachtung. Die meisten tragen eine Inschrift, etwa: „Fürcht nicht die Welt, greif tapfer an.“
Arosa bietet über 60 Kilometer präparierte Spazier- und Winterwanderwege. Hier sind Kutschfahrten angesagt und Schlitteln, soweit die Kufen tragen, etwa 2800 Meter von Arosa-Untersee bis Litzirüti. Ab dort geht’s im Stundentakt zurück auf der schmalen Spur der Räthischen Bahn.

Das Tschuggen macht derzeit von sich reden, weil kein Geringerer als der Tessiner Stararchitekt Mario Botta dem Grand Hotel eine lichtdurchflutete Wellness-Bergoase angliederte mit allem, was dazugehört einschließlich des Blicks von den Sprudelliegen auf die verschneite Bergwelt.

Info:
Graubünden Ferien in CH-7001 Chur, Tel. 0041/81/2542424, www.graubuenden.ch, und Schweiz Tourismus in 60070 Frankfurt, Tel. (00800)10020030, Telefax (00800)10020031 (beide gebührenfrei), E-Mail: [email protected], www.MySwitzerland.com



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