Rimini.Foto: iStock

Italien kämpft um seinen Sommer-Tourismus: Trotz Corona sollen Urlauber höchsten Komfort erleben

Von 17. April 2020 Aktualisiert: 17. April 2020 20:15
Ob es nach der Corona-Krise vorerst nur Inlandstourismus geben oder es auch Österreichern und Deutschen schon wieder möglich sein wird, ihren Sommerurlaub in Italien zu verbringen, ist noch völlig offen. In den Tourismus-Hochburgen will man retten, was zu retten ist.

Eines jener Länder, die weltweit am schlimmsten von der Corona-Krise betroffen sind, ist Italien. Dies hat nicht nur mit der hohen Anzahl an Infizierten und Todesopfern zu tun. Auch im Tourismus, der zu den wichtigsten Einnahmequellen des Landes zählt, drohen massive Ausfälle.

Politiker wie Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatten bereits mehrfach angedeutet, dass der vor allem bei Österreichern und Deutschen beliebte Urlaub in Südtirol, an der Adria oder an den oberitalienischen Seen im kommenden Sommer ausfallen könnte.

Neuinfektionen und Todesfälle in Italien rückläufig

Zwar flacht auch in Italien die Infektionskurve ab und die sowohl die Zahl der Todesopfer als auch der Neuinfizierten ist deutlich rückläufig. Ob die verbleibende Zeit jedoch ausreichen wird, um erforderliche Schutzmaßnahmen auch im Fall ausländischen Urlauberzustroms zu gewährleisten, ist ungewiss.

Die Italiener wollen jedoch um ihre Sommersaison kämpfen – unabhängig davon, ob nur Inlandstourismus stattfinden kann oder auch ausländische Gäste ihre häufig bereits gebuchte Reise antreten können.

Wie die „Welt“ berichtet, machen sich findige Unternehmer Gedanken, wie sie die Strände benutzbar machen können. Unter anderem hat das Unternehmen Nuova Neon Group 2 aus Modena transparente Kästen mit Plexiglaswänden entworfen, die pro Seite 4,5 Meter lang sind und über einen 1,5 Meter breiten „Eingang“ verfügen.

Plexiglas-Boxen stoßen auf Interesse und Skepsis

In dem Konstrukt sollen zwei Sonnenschirme und Liegen im erforderlichen Abstand voneinander Platz finden, zudem sei ein Desinfektionsmittelspender eingebaut. Für Restaurants gäbe es ähnliche Entwürfe. Das Interesse sei groß, das Telefon stehe kaum still.

Andererseits gibt es auch skeptische Stimmen. Die Hitzeentwicklung in den Kästen wäre immens. Der Komfort wäre deutlich eingeschränkt, wenn Touristen nur mit Handschuhen und Maske ans Meer könnten. Zudem wäre der Strandurlaub gerade nicht auf Distanz aufgebaut – vor allem bei Kindern, denen man kaum beibringen könnte, zueinander Abstand zu halten. Mauro Vanni vom Verband der Badeanstalten in der Urlaubsstadt Rimini: „Der Strand ist ein Ort, an dem man sich per se einfach nahe kommt, gemeinsam isst, lacht, Zeit verbringt.“

Bibione setzt auf „Aufenthaltsräume mit viel Grün“

In der Adria-Gemeinde San Michele al Tagliamento, bekannt für ihren Stadtteil Bibione, der zu den beliebtesten Urlaubsorten im Norden des Landes zählt, will man mit viel Grün den nötigen Platz und die erforderliche Sicherheit an den Stränden gewährleisten.

„Unzulässig und schädlich für das Image der Strände“ nennt die Vorsitzende des Konsortiums Bibione Vive, Giuliana Basso, die Idee mit den Plexiglasboxen. Stattdessen, so heißt es in einer Erklärung, will man bis 30. Mai einen umfassenden Umbau der Strandanlage und der Zugangswege in die Wege leiten, der Risiken für Gäste und Personal minimiert.

In Bibione will man deshalb statt wie sonst üblich 18.000 diesmal nur 7.000 Sonnenschirme verwenden, um die Abstandsvorschriften zu wahren. Zudem wolle man kleine Aufenthaltsbereiche für die Gäste auf einer Fläche von jeweils bis zu 54 Quadratmetern schaffen, die von viel Grün umgeben sein sollen.

Tourismus soll auch Erholung von psycho-physischem Corona-Stress ermöglichen

In Abstimmung mit den zuständigen Stellen wolle man seinen Gästen gleichsam Open-Air-Apartments mit allen üblichen Annehmlichkeiten anbieten, insbesondere für Kinder. So soll es entlang der gesamten Küste am Ende Bereiche geben, die Räume zum Stillen und Windelwechseln für Säuglinge beinhalten, dazu soll es pädiatrische und dermatologische Serviceangebote geben – das alles in einem Bereich, der mit Pflanzen und Grünelementen umgeben sei.

Aus zahlenmäßiger Sicht rechne man nicht mit einem unvergesslichen Sommer, erklärt Basso. Man könne es aber „kaum erwarten, unsere Gäste am Meer zu sehen“. Der Sommer 2020 dürfe nicht verloren gehen, „sowohl für die Wirtschaft unseres Landes als auch weil wir dank des Meeres den enormen psycho-physischen Stress, den wir alle ohne Unterschied erlitten haben, kompensieren können.“

Anbieter bieten flexible Lösungen, sollte Reise nicht angetreten werden können

Einer der größten Beherbergungsbetriebe für Bibione und das benachbarte Lignano, die „Europa Tourist Group“, will auch auf die ungewisse Situation reagieren und bietet Gästen, die bereits gebucht haben, flexible Handhabung ihres Reisearrangements an.

Auf der Seite des Anbieters heißt es, Personen, die schon für Sommer gebucht hätten oder dies jetzt bereits in Erwartung einer Verbesserung der Situation täten, könnten bis sieben Tage vor dem geplanten Urlaubsantritt stornieren. Allfällig bereits geleistete Anzahlungen könnten in einen auch an Dritte übertragbaren Gutschein umgewandelt werden, der bis 31.12.2021 seinen Wert behalte. Zudem könne ein bereits gebuchtes und bezahltes Arrangement jederzeit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

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