Auf Entdeckungsreise in Qatars Hauptstadt Doha

Von 10. Februar 2010 Aktualisiert: 10. Februar 2010 0:23

Wie Phoenix aus der Asche ist die Fünf-Sterne-Fluggesellschaft „Qatar Airways“ enstanden. Am laufenden Band fliegt sie hochrangige Ehrungen ein und darf sich mit dem Titel „Beste Airline im Nahen Osten“ schmücken – nun schon zum vierten Mal hintereinander.

Unglaublich nur für den, dem entgangen ist, dass sich das ganze Emirat Qatar, für den die staatliche Fluglinie beispielhaft steht, in den letzten Jahren zu einem Energiezentrum des Nahen Ostens entwickelt hat oder zumindest auf dem besten Weg dorthin ist. Als „Horn der Arabischen Halbinsel“ 180 Kilometer in den Persischen Golf hineinragend, präsentiert sich die Hochhaussilhouette seiner Hauptstadt Doha.

Tradition und Zukunft geben sich ein Stelldichein
Einerseits der kleine, eher beschaulich wirkende Stadthafen, in dem die in Reih’ und Glied vor Anker liegenden Dhaus (Segelschifftyp mit trapezförmigen Segeln) bereits wie Museumsstücke wirken. Andererseits die sich im Hintergrund mächtig auftürmende Galerie der Wolkenkratzer entlang dem halbmondförmigen „Corniche“-Strand und in der von Kanälen durchzogenen Buchten- und Villenlandschaft des „West Bay Complex“. Ganz zu schweigen von dem für 30.000 Bewohner geplanten Superkomplex „The Pearl“ auf einem nahe der Küste aufgeschütteten Luxuseiland, wo ein moderner Yachthafen den Kontrapunkt setzt zu den traditionellen Dhaus.

Um städtebaulichen Wildwuchs zu verhindern, folgen seit dem Jahr 2000 alle architektonischen Aktivitäten einem innerstädtischen Bebauungsplan, der in der Hauptstadt mit traditionellen Dachkonstruktionen und Arkadenreihen eine größere bauliche Einheitlichkeit gewährleisten soll. Er betrifft nicht nur die Hochhäuser, die seitdem mit charakteristischen orientalischen Accessoires ausgestattet sind. Zugleich bezieht er sich auch auf Hotelfassaden und Einkaufszentren wie den unglaublich weitläufigen „Souk Waqif“, in dem nach alten Vorbildern eine einkaufsfreundliche Markt-Bauweise vorherrscht.

Von Armut zum Luxus
Welch ein Unterschied zu der Zeit, als im letzten Jahrhundert die Haupteinnahmequelle Qatars noch aus Naturperlen bestand, die vor der Küste von Perlentauchern aus dem Meer geholt wurden. Doch dann überfluteten billigere Zuchtperlen den Weltmarkt und ließen viele Menschen ohne Existenzgrundlage in Armut zurück.

Das änderte sich schlagartig, als das bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entdeckte Erdöl kommerziell gefördert und im Rahmen der OPEC weltweit exportiert wurde. Das war der eigentliche Motor, der Qatar aus dem Mittelalter direkt in die Neuzeit hinein katapultierte und gemeinsam mit den riesigen Erdgasvorkommen den Grundstein legte für einen sichtbaren Wohlstand.

Und natürlich für eine Fülle von Modernisierungsmaßnahmen. So entstanden ein modernes Verkehrssystem, Bildungseinrichtungen und Universitäten mit Weltniveau. Außerdem investierte es auch in den erhofften Tourismus. Dieser begann in größerem Stil im Dezember 2006, als Doha mit seinen repräsentativen Sportstätten als Gastgeber der 15. Asienspiele für einige Wochen im Mittelpunkt des Interesses stand.

Und Doha ist am Ball geblieben
Die touristische Infrastruktur wird ständig erweitert und lädt auf dem Weg in den Mittleren oder Fernen Osten ein zu einer mehrtägigen Flugunterbrechung am Persischen Golf. Zum Beispiel zur Besichtigung der riesigen Pferdeställe mit ihren rassigen Araberhengsten, deren Anblick und Berührung zu einem sinnlichen Erlebnis wird.

Oder gar – der Höhepunkt von allem – zur Erforschung des supermodernen „Museums für Islamische Kunst“ nach dem Entwurf des chinesisch-amerikanischen Star-Architekten Ieoh Ming Pei. Mit verwinkelten Steinflächen an der Außenfassade im Spiel von Licht und Schatten lädt es Kulturinteressierte aus aller Welt über eine gradlinig auf das Museum zuführende Palmenallee zum Besuch ein.

Aber auch die Innenausstattung des französischen Designers Jean-Michel Vilmotte hält, was das Äußere verspricht. Mit 45.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sicherlich ein Eldorado für islamische Kunst.

Residieren wie in 1001 Nacht
Selbst die Hotels der Hauptstadt Doha sind ein architektonisches Erlebnis. Zum Beispiel das „Grand Hyatt Doha“ an der West Bay Lagoon, das bei turmverzierter Außenfassade in orientalischem Stil mit einer riesigen Innenhalle aufwartet, die mit einer sich über mehrere Stockwerke erstreckenden Glasfront einen bezaubernden Blick über die Stadtkulisse freigibt.

Oder das „Sharq Village & Spa“, das mit unterschiedlichen auf dem Gelände verstreuten Gebäudeeinheiten seinen dörflichen Charakter in höchster Vollendung pflegt, sodass sich hier sogar der Emir von Qatar in einem Prachtflügel wie aus 1001 Nacht einquartiert hat und dieses Refugium, soweit er es nicht selber nutzt, generös ausländischen Staatsgästen überlässt. Ein unglaubliches, nie zuvor gesehenes Beispiel für orientalische Wohnkultur!

Zauber der Wüstenlandschaft
Dem Luxus in den Hotels steht die zauberhaft anmutende Urwüchsigkeit der Wüstenlandschaft von Qatar gegenüber. Niemand führt sie packender vor als Abdul vom „Gulf Adventures Tourism“. Mit seinem Allrad-Antrieb gleitet er über die Dünenkämme hinweg, als sei es für ihn eine Autobahn. Er kennt die Wüste seit Jahrzehnten, kennt die Wüstenbewohner mit ihren Kamelen und natürlich die schönsten Aussichtspunkte weit und breit.

Nicht zufällig hält er kurz vor Sonnenuntergang auf einer schwungvoll aufgetürmten Sandformation, die den Blick freigibt auf die Weite des Persischen Golfs und  die gegenüber liegende persische Küste. Und auch sonst weiß Abdul eine Menge zu berichten: über die rasant verlaufende Entwicklung des Landes, über den Golfkrieg und die hier stationierten Amerikaner, über den Sender Al Jazeerah und natürlich über die gesellschaftlichen Verhältnisse, zu denen er einige spitze Bemerkungen bereithält.

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Schwamm drüber
Schon kurz danach ist der Flughafen von Qatar in Sichtweite. Von außen zunächst ganz normal in schlichter Eleganz. Doch drinnen, im „Qatar Airways’ Premium Terminal“ für Business- und First Class-Reisende geradezu ein Paradies. Hier erwartet jeden Reisenden nach dem Check In eine persönliche Begleitung, die ihn hindurch geleitet durch all die Aufenthaltsmöglichkeiten, die dieser Trakt bis zum Abflug bereithält.

Von Feinschmecker-Restaurants und Gourmet-Ecken, hier natürlich gratis, führt der Weg zu ledergepolsterten VIP-Aufenthaltsräumen bis hin zu einem Wellness-Bereich mit Whirlpool und Schwimmbecken. Darüber hinaus gibt es zum Stressabbau sogar Massagemöglichkeiten, die den Paradies-Charakter dieser Anlage vervollständigen.

Dennoch sind seine Tage bereits gezählt. Denn in der Umgebung von Doha entsteht bereits ein neuer Flughafen, noch größer, noch luxuriöser, noch beeindruckender. Die Zukunft für das Emirat Qatar hat längst begonnen, auch für den Tourismus, bei dem sich ein solches Angebot längst herumspricht.

Bernd Kregel lebt in Bonn, studierte Philosophie, Theologie und Geschichte und ist promovierter Politologe.