Energiezentren im Gasteiner Tal

Von 13. Oktober 2011 Aktualisiert: 13. Oktober 2011 23:40
Gelegen im geologischen „Tauernfenster“ des Salzburger Landes, verfügt das Gasteiner Tal über ein unglaubliches energetisches Potenzial

„Aber bitte nur nackt“! Wie Zerberus persönlich überwacht Aufgießer Norbert an der Eingangstür die Einhaltung der Sauna-Etikette. Und da sitzen sie sich nun auf Wand füllenden Sitzgestellen gegenüber, wie Gott sie erschaffen hat: Männlein und Weiblein, nebeneinander und durcheinander.

Auf den ersten Blick erinnernd an das „Dies irae“ in einem Jüngsten Gericht irgendwo zwischen Hieronymus Bosch und Michelangelo. Doch schnell erweist sich der Gedanke an eine apokalyptische Naherwartung als gegenstandslos. Ganz im Gegenteil! Denn in den Gesichtern zeigt sich bereits die lustvolle Vorfreude auf einen der Aufgüsse, wie sie hier in der Alpentherme von Bad Hofgastein in täglichem Ritual zelebriert werden.

Aromatische Aufguss-Essenzen

Als Hohepriester des Wellnesstempels nähert sich Zeremonienmeister Norbert dem Aufgussofen-Altar in der Mitte des Raumes, wo er zu seiner Amtshandlung bereits mit Ungeduld erwartet wird. Statt heiliger Gerätschaften genügen ihm jedoch ein weißes Handtuch und einige kleine Aromafläschchen, gefüllt mit vielsagenden aromatischen Essenzen wie „Sommerflieder“, „Marokko Maracuja“ und „Blütenhonig“.

In verdünnter Form mit einer Kelle über die heißen Steine des Saunaofens ausgegossen, verströmen diese alsbald ihren betörenden Wohlgeruch, der vom Aufgießer mit meisterhaft kraftvollen Handtuch-Schwungbewegungen der schwitzenden Saunagemeinde jeweils individuell zugefächelt wird. Und jeder scheint sie zu spüren, die an alle Sinne sich verströmende Energie, die von dieser sakramental anmutenden Handlung ausgeht.

Ja, es liegt etwas Außergewöhnliches in der Luft des Gasteiner Tales im Salzburger Land. Kaiserin Sisi von Österreich und Fürst Otto von Bismarck haben es sicherlich gespürt, als sie damals zur Generalüberholung von Leib und Seele hierher anreisten. Heute jedoch weiß man mehr über das Energiepotenzial, das diese Thermenlandschaft auszeichnet. Vor allem sind es die „reifen“ Quellen, die mit ihrem warmen Thermalwasser aus den umliegenden Bergen herausströmen. Ganz im Gegensatz zu jenen Wasseradern, deren Inhalt andernorts erst wie Erdöl aus den Tiefenschichten der Erde zur heilenden Nutzung heraufgepumpt werden muss.

Schweißtreibende Heilstollen-Einfahrt

Und noch eine weitere Besonderheit soll es geben, „weltweit einmalig und weltweit begehrt“. So beschreibt Ärztin Dr. Sonja Hobarth den von ihr betreuten „Heilstollen“, der einst zur Goldgewinnung in einen der umliegenden Berge hineingetrieben wurde. Schmal und eng gestaltet sich die Einfahrt mit der Stollen-Schmalspurbahn, die Patienten mit Klaustrophobie einiges an Überwindung abverlangt. Wotan und Loge hätten sich jedoch sicherlich über diese bequeme Art der Fortbewegung gefreut, als sie einst nach Nibelheim aufbrachen, um sich das Gold des Nibelungen Alberich widerrechtlich anzueignen.

Heute jedoch geht es hier nicht mehr um das begehrte Edelmetall. Vielmehr ist es das von Marie Curie erforschte Radon, das als leicht radioaktives Gas eine heilsame Wirkung auf den Körper ausüben soll. Eingehüllt in Kapuzen-Bademäntel, den sieben Zwergen von Schneewittchen nicht unähnlich, packen einige Kurgäste aus. Zum Beispiel Susanne aus Linz. Sie berichtet über ihre rheumatischen Beschwerden, von denen sie heimgesucht wird. Eine einwöchige Kur jedoch garantiert ihr eine halbjährige Linderung. Ähnlich Petra und Waltraud, die mit Hilfe des Heilstollens ihre Atembeschwerden eine Zeit lang in den Griff bekommen.

So vergeht die Zeit bis zum Erreichen des vorgesehenen Stollens wie im Fluge, und der zweite Teil des Abenteuers kann beginnen. Auch wenn hier die Kleiderordnung nicht so streng gehandhabt wird wie in der Sauna, empfiehlt es sich doch, bei einer Temperatur von 37 Grad und mehr als 75prozentiger Luftfeuchtigkeit in der radongeschwängerten Luft einen Hitzestau am eigenen Leibe zu vermeiden. Denn immerhin ist die dreiviertel Stunde auf einer der in langen Reihen aufgestellten Liegen auch ohne Textilien immer noch schweißtreibend genug.

Energiepotenzial der Berglandschaft

Umso erfrischender eine anschließende Wanderung im nahe gelegenen Nassfeld, das bei leichtem Nieselregen am heutigen Samstag vor Erntedankfest seinem Namen alle Ehre macht. Doch plötzlich, bei aufbrechender Wolkendecke, kommt ein Leuchten in die Augen der Mitwanderer. Denn das metallisch-dumpfe Läuten am Rand des vorbei fließenden Baches erweist sich als ein Erkennungszeichen für den diesjährigen Almabtrieb. Allen voran Almhirt Max mit seiner prächtig geschmückten Leitkuh.

Traditionell und urwüchsig geht es auch zu tags darauf beim Erntedank-Festumzug in Bad Gastein. Begleitet von heimischen Musikkapellen ziehen bunt geschmückte Festwagen die Hauptstraße hinunter und demonstrieren, wie reichhaltig die landwirtschaftliche Produktpalette auch im vergangenen Jahr wieder war. Es sind zwei Welten, die hier für einen kurzen Moment aufeinander prallen: die landwirtschaftlich orientierte, immer noch authentisch wirkende Bergwelt vergangener Zeiten und auf der anderen Seite die später hinzu gekommene Kurwelt der Zugereisten, die der Stadt mit ihren repräsentativen Gebäuden ein galantes bis morbides Ambiente verleiht.

Aufwirbelnde Gischt des Wasserfalls

Die eigentliche Kostbarkeit Bad Gasteins ist jedoch nicht seine Architektur, sondern ein Naturphänomen, das den Ort weltweit bekannt gemacht hat. Es ist der Wasserfall der Ache, der die Stadt mit seinen herab stürzenden Wassermassen in zwei Hälften unterteilt. Aus der Froschperspektive betrachtet, erinnert er an die breit ausgelegte Haarpracht der Wassernixe Undine, deren wallende Strähnen im Kampf mit der Schwerkraft stets neue Formen annehmen.

Aufwirbelnde Gischt wird vom Luftstrom empor getragen und verteilt sich in der näheren Umgebung. „Ein Ursprung der Frische und der Energie“, behauptet Alfred Silbergasser, der sich als eine der imponierendsten Bekanntschaften im Gasteiner Tal entpuppt: inspirierend und mitreißend in seinen Ausführungen, bei denen er mit seinem geomantischen Hintergrundwissen Erstaunen hervorruft.

Ursprung vieler energetischer Phänomene ist für ihn das „Tauernfenster“. Es wurde geöffnet durch vulkanische Kräfte, die durch eine Schwachstelle im Erdmantel empor drängten, die geologischen Formationen nach oben wölbten und diese dadurch komplett durcheinander würfelten. Ein überzeugender Grund dafür, dass hier die Edelmetalle Gold und Silber, die sonst nur in tieferen Erdschichten vorkommen, sich an dieser Stelle selbst in Höhen von 2000 Metern abbauen ließen.

Schamanistische Wasserfall-Meditation

Noch interessanter wird es, als Alfred seinen schamanistischen Hintergrund durchblicken lässt. Persönlicher Kontakt zu Erd- und Wassergeistern? Da fällt es nicht Eingeweihten natürlich schwer, ihm zu folgen. Und dennoch überzeugt die Selbstsicherheit, mit der er seine sinnlich-übersinnlichen Wahrnehmungen vorträgt.

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Auch die Wassergeister des Gasteiner Wasserfalls gehören in diesen Erfahrungsbereich. Und so lädt er ein zu einer Wasserfall-Meditation am Fuße des rauschenden Wasserfalls. Und tatsächlich gelingt es dem Meditierenden für ein paar Minuten, die rationalen Denkstrukturen loszulassen und sich seinen beschwörenden Worten hinzugeben. Sie zielen ab auf die Verwurzelung mit Mutter Erde in Verbindung mit der männlichen Komponente des Wasserfalls, die sich beide im Herzchakra, dem Energiezentrum des Menschen, begegnen und vereinen.

Funken sprühende Bergwerk-Tradition

Ganz anders die Welt des bodenständigen Bergbau-Spezialisten Michael Lindebner. Nach mittelalterlichen Plänen hat er in seinem Bergbau-Museum „Knappenwelt Angertal“ eine komplett einsatzfähige Verhüttungsanlage aufgebaut, die bis hin zur Goldwäsche den gesamten Prozess der Metallgewinnung konkret vor Augen führt. Als er mit dem Blasebalg Funken sprühend das Feuer schürt und glühendes Eisen mit gezielten Schlägen bearbeitet, glaubt man für einen Moment, Opernheld Siegfried beim Schmieden seines Schwertes persönlich vor sich zu sehen.

Michael ist natürlich auch ein geschickter Schi-Abfahrtsläufer, so wie alle, die hier an der „Goldbergruppe“ der Hohen Tauern aufgewachsen sind. Einen Vorgeschmack auf die weiße Jahreszeit bietet in der klimatisch unberechenbaren Bergregion bereits der Tag nach dem Erntedankfest, als sich die erste weiße Decke der Saison über das Gasteiner Tal legt.

Ein früher Auftakt für die sechzig Prozent jener Jahresgäste, die die Winterfreuden bevorzugen. Wann immer man auch dem eineinhalbtausend Meter hoch gelegenen Gasteiner Tal einen Besuch abstattet: einen Energieschub, so erweckt es den Eindruck, erhält man in jedem Fall.

www.gastein.com, www.alpentherme.com, www.gasteiner-heilstollen.com, www.geoform-gastein.com