Freizeit in Asien: So verbringen die Asiaten ihren Feierabend

Epoch Times17. November 2017 Aktualisiert: 17. November 2017 16:40
Asien erscheint uns Europäern manchmal ewig weit entfernt, und doch ist der fremde Kontinent mit dem Flugzeug in nur wenigen Stunden erreichbar. Ähnlich ergeht es uns manchmal mit der kulturellen Prägung seiner Bewohner, denn dort haben sich ganz andere Bräuche und Traditionen entwickelt als hierzulande. Doch unterscheidet sich die tägliche Freizeitgestaltung moderner Asiaten wirklich so sehr von der unsrigen?

Eines vorweg: Natürlich gibt es in Asien – ebenso wenig wie in Europa – das eine Freizeitprogramm für alle. Jeder Mensch ist anders, das gilt in jedem Land der Erde, ob Ost oder West, Nord oder Süd. Allerdings haben sich in den verschiedenen Himmelsrichtungen unterschiedliche Vorlieben und Trends entwickelt, die sicher auf die voneinander abweichenden Mentalitäten zurückzuführen sind. Darum lohnt sich ein genauer Blick darauf, was unsere asiatischen Freunde in ihrer freien Zeit so treiben.

In manchen asiatischen Ländern neigen extrovertierte Menschen eher zu Extremen als hierzulande. Manche möchten um jeden Preis mit verrückten Aktionen auffallen, so wie es ihnen im Fernsehen Tag für Tag präsentiert wird. Vor allem das japanische TV-Programm hat es nämlich in sich, hier nehmen Quiz-Kandidaten häufig die irrsten Herausforderungen an, wie Kakerlaken mit dem Strohhalm aufzusaugen und Schuhe zu essen. YouTube und andere Videoplattformen bieten sich als perfektes Medium an, um ähnlich seltsame, private Aktionen ins Netz zu stellen, und davon machen abenteuerlustige Japaner und Japanerinnen regen Gebrauch.

Bei denjenigen Aspiranten mit den coolsten Vorreiter-Ideen bleibt der Ruhm natürlich nicht aus, doch ist dieser leider zumeist nur von kurzer Dauer. Die Masse derer, die solche Verrücktheiten in TV und Internet anschauen und sich köstlich darüber amüsieren, fällt natürlich sehr viel größer aus als die Anzahl der »Stars«. Nicht ganz so verhält es sich mit den seit vielen Jahren beliebten Karaoke-Shows, wo beinahe jeder schon einmal selbst am Mikro gestanden und fleißig geträllert hat. Hier gilt: Das Publikum ist die Prominenz und die Prominenz das Publikum! Auch bei uns in Europa hat Karaoke einen festen Platz im Leben einiger musik- und partybegeisterter Menschen erobert, doch von den Verhältnissen im asiatischen Raum sind wir noch meilenweit entfernt. In Taiwan beispielsweise reiht sich eine Karaoke-Bar an die nächste, dort ziehen sich zumeist Gruppen von etwa 10 bis 20 Freunden oder Kollegen in einen separaten Raum zurück, der die gesamte benötigte Technik enthält. Außerdem stehen gemütliche Sitzgelegenheiten zur Verfügung und natürlich eine freundliche Bedienung, die für die Bewirtung sorgt. In diesem privaten Umfeld fällt es sehr viel leichter, aus sich herauszugehen und am Mikro so richtig loszulegen! Großräumige Karaoke-Bars sind deshalb inzwischen sehr viel seltener geworden, denn vor einem unbekannten, großen Publikum zu stehen, das trauen sich am Ende doch nur sehr wenige.

Der Spieltrieb gehört ganz sicher zu den stärksten Kräften, die den Menschen antreiben, und das gilt ganz sicher für Erwachsene. An Orten wie Macau oder in Singapur wird dies sehr deutlich, denn dort sprießen die luxuriösen Casino Resorts wie Pilze aus dem Boden. Macau soll je nach Quelle sogar etwa den sechs- bis siebenfachen Umsatz der Spielbankmetropole Las Vegas vorweisen können, ein Wahnsinnsgeschäft, das nur teilweise auf die Aktivitäten der Touristen zurückzuführen ist. Doch auch wenn Macau mittlerweile den Mittelpunkt dieser Entertainment-Sparte in Asien darstellt, so sind Casinos in anderen asiatischen Ländern doch eher Randerscheinungen. Auch die Spiele unterscheiden sind oftmals, Roulette ist dafür ein perfektes Beispiel: im Vergleich zur Beliebtheit in der westlich geprägten Welt spielt der Kessel-Klassiker in Asien nur eine untergeordnete Rolle. Pai Gow Poker, Blackjack und verschiedene andere Titel wie Sic Bo oder Fan Tan kommen hier häufiger zum Einsatz. Glitzer, Glamour und die Chance auf den ganz großen Gewinn, das scheint etwas zu sein, was viele Asiaten anlockt und fasziniert.

 

Ein anderes Hobby vieler Menschen aus der asiatischen Hemisphäre macht sich längst auch in Europa breit: die sogenannten Mangas, in Filmform auch Animes genannt. Die japanischen Comics machen sich in beinahe jedem Haushalt breit: Shōnen und Seinen richten sich an den männlichen Teil der Bevölkerung, Shōjo und Josei sind für die Damenwelt bestimmt. Mangas besitzen ganz eigene Stilelemente und entwickeln darin eine enorme Vielfalt, die sich kaum noch überblicken lässt. In einigen Dingen sind sie jedoch alle gleich: Die gezeichneten Figuren mit den meist riesengroßen Augen durchleben Abenteuer mit starker Dramatik, ganz viel Action und oft auch jede Menge Herzschmerz. Es gibt zahlreiche verschiedene Herausgeber mit unzählbar vielen Hefte-Serien, darunter die Geschichten von weltbekannten Helden. Dass Mangas bereits in anderen asiatischen Ländern eine eigene Bezeichnung besitzen, zeigt auf, dass die große Welle längst auch Japans Nachbarn überschwemmt hat: Die chinesische Erscheinungsform nennt sich Manuha, die südkoreanische Manhwa. Das Wort Anime leitet sich von dem Begriff »Animation« ab, hier finden die Comicfiguren auf dem Display zu einem bewegten Eigenleben. Japans Trickfilmkultur ist ungeschlagen facettenreich, auf diesem Parkett macht dem bekannten asiatischen Land wirklich niemand etwas vor. Und für Millionen von Landsleuten gibt es kaum etwas Schöneres, als sich im Kino oder im heimischen Wohnzimmer in einen Anime-Film zu vertiefen! Das Ganze gibt es darüber hinaus auch noch in digitaler Spieleform, damit lassen sich die emotionalen Heldengeschichten noch auf eine ganze andere Weise durchleben, aktiv mitgestaltend und voll neuer Ideen und Überraschungen.

 

All diese Vergnügungsmöglichkeiten sind auch bei uns im westlich geprägten Raum verbreitet, doch eher auf einem etwas niedrigeren Level. Hinzu kommen viele andere Hobbys, die wir uns mit den Asiaten teilen, wie zum Beispiel das Shoppen oder der Sport. Zu den beliebtesten Sportarten zählen sowohl traditionelle Kampfsportarten als auch einige in den Kolonialzeiten etablierte, typisch westliche Ballspiele. In den ehemaligen britischen Kolonien haben sich Rugby, Cricket und Polo als lebendige Hinterlassenschaften der einstigen Herrscher erhalten, erstaunlich viele Asiaten lieben diese Sportarten, betätigen sich aktiv oder schauen sich Turniere im Live-Stream an. Hohe Popularität genießt auch der Fußball, der sich längst zu einem weltweiten Phänomen entwickelt hat, dem sich kaum jemand entziehen kann. Die traditionell asiatischen Sportarten hingegen lassen sich kaum von der bestehenden Kultur und Mentalität trennen, sie sind einfach ein Teil der Lebenseinstellung. Sepak Takraw gehört auf jeden Fall dazu, eine Sportart, die mit einem aus Rattan geflochtenen Ball ausgeübt wird. Dieser Ball darf nicht mit den Händen angefasst, aber ansonsten mit allen anderen Körperteilen vorangetrieben werden. Dabei entsteht eine enorme Dynamik mit akrobatischen Anteilen, die bewegungshungrigen Asiaten einfach nur Spaß macht. Und wieder gibt es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bezeichnungen für diesen schnellen Ballsport, er nennt sich in Indonesien beispielsweise Rago und auf den Philippinen Sipa. Buzkashi wird hingegen hoch zu Pferd gespielt, es stammt aus Zentralasien, einer typischen, traditionellen Reitergegend. Das Spielfeld ist die Steppe, der Spielball ein totes Kalb oder eine tote Ziege: etwas gewöhnungsbedürftig für westliche Augen, doch immerhin mit ganz viel Action verbunden. Jeder tritt hier gegen jeden an, und wem es gelingt, das tote Tier zu den Preisrichtern zu bringen, der hat gewonnen. Der Siegespreis fällt zumeist richtig lohnenswert aus, oftmals ist ein kostbares Pferd ausgeschrieben.

 

Eines wird an dieser Stelle klar: Asien präsentiert sich je nach Blickwinkel modern oder archaisch, doch die meisten Menschen sind durchaus mit Vollgas im 21. Jahrhundert angekommen. Vieles wirkt sogar noch moderner als bei uns, vor allem die Beschäftigung mit der digitalen Welt fällt deutlich ausgeprägter aus. Die allmähliche Globalisierung bringt es mit sich, dass sich asiatische Freizeittrends auch im Westen verbreiten, ebenso wie andersherum. Der Blick über den Tellerrand zeigt uns deshalb keine vollkommen fremde Welt, sondern nur eine andere Facette unseres eigenen Lebens, an der einen Stelle etwas stärker betont, an der anderen dann wieder abgeschwächt. Wie zwei Seiten eines Würfels mit unterschiedlicher Punktezahl. (red)

 

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