Nazi-Liedgut-Forscher über Gabalier: „Fragwürdige Botschaften“ und „einzelne Passagen gefährlich“

Epoch Times12. Februar 2019 Aktualisiert: 12. Februar 2019 16:06
Der Experte wisse, wann es in einem Schlager tatsächlich nur um Heimat geht - und wann mit „Heimat“ mehr gemeint ist.

Ein Volkslied-Experte hat sich auf Wunsch des „Spiegel“-Jugendablegers „bento“ mit dem Liedgut von „Volks-Rock-n-Roller“ Andreas Gabalier beschäftigt.

Der Historiker und Theologe an der Uni Freiburg, Michael Fischer, forsche zu „volkstümlichem Liedgut – aus der Zeit des Nationalsozialismus bis heute“, heißt es dort. Der Experte wisse, wann es in einem Schlager tatsächlich nur um Heimat geht – und wann mit „Heimat“ mehr gemeint ist.

Es wäre schön, wenn sich manche Kritiker intensiver mit mir beschäftigen würden. Dann wüssten sie, dass an den Vorwürfen aber so gar nichts dran ist“,

sagte Andreas Gabalier Anfang Februar anlässlich der Verleihung des Karl-Valentin-Ordens. Bento nahm seinen Vorschlag ernst und verhalf seinen jugendlichen Lesern nun zu einer Hintergrundanalyse zu teilweise offenbar gefährlichem Liedgut.

Gleich zu Beginn der Analyse wird deutlich, in welche Richtung der Zug fahren soll. Wenn Fischer über „reaktionären Kitsch“, spricht, der „schon nahe an der Selbstparodie volkstümlicher Musik“ dran sei und von dem man sich „nicht einlullen lassen“ dürfe, klingt das wie eine Warnung an die Jugend, hier mit ganz gefährlichem Gedankengut infiziert zu werden. Das macht dann auch der folgende Satz des Experten deutlich: Das ganze „Hulapalu“ mache „einzelne Passagen nicht weniger gefährlich“. 

Gabalier möge ein guter Entertainer sein, aber seine Lieder würden trotzdem fragwürdige Botschaften in sich tragen, so die Einschätzung des Forschers. 

„Im volkstümlichen Schlager werden meist nur Berge und Wiesen besungen, Gabalier aber wird politisch“, wird Fischer zitiert. Mit Begriffen wie „Freiheit“, „Kameraden“ und „Heimatsöhnen“ nutze der Sänger „bewusst Begriffe aus einem rechtspopulistischen Umfeld.“

Viele Bilder, die Gabalier zeichnet, würden sich in alten Soldatenliedern wiederfinden. Eben Adler, die über Gipfel gleiten, Kameraden, die standhaft bleiben. 

Im „eisernen Kreuz auf einem Gipfel“ aus dem Lied „Mein Bergkamerad“ sieht Fischer „eine gewollte Provokation“.

Im Lied heißt es: 

„Kameraden halten zusammen ein Leben lang

Eine Freundschaft, die ein Männerleben prägt

Wie ein eisernes Kreuz, das am höchsten Gipfel steht

Und selbst dem allerstärksten Sturmwind widersteht“

Die Formulierung „Wie ein eisernes Kreuz“ erinnere Fischer ganz sicher an die alte Kriegsauszeichnung: „Das kann kein Zufall sein, soviel Naivität kann man Gabalier kaum unterstellen,“ meint er.

 

Das Lied „Kleine Steile Heile Welt“ findet der Liedgutexperte „geradezu skandalös“. Im Text heißt es: 

„I glaub an den Petrus an der Himmelstür

Der sagt, komm her zu mir, Buab, I muss reden mit dir

Vaterunser beten, Holzscheitelknien“

Skandalös sei hier laut Fischer die Verbindung zwischen Vaterunser und der „Foltermethode“ Holzscheitelknien“. Jeden „religiös empfindenden Menschen“ müsse  das „empören“, so der Hinweis des Wissenschaftlers.

 

„Überholte Rollenbilder“ attestiert Fischer dem Lied „Mein Großvater Hat Gesagt“:

„Es schmeichelt uns sehr, doch es macht uns net an

Warum muss denn a Dirndl heut sein wie a Mann

Völlig verbissen, schon fast verkrampft emanzipiert

So dass man die ganze Freud am Knuspern verliert

Aber jeder von uns steht halt net auf an Mann

Wir beißen viel lieber an am echten Dirndl an“

Besungen werde hier nur, so die Analyse, was heute angeblich schlecht sei – zum Beispiel emanzipierte Frauen. „Ohne aber im Umkehrschluss zu fordern, dass sie wieder an den Herd zurück sollen und die Kinder hüten.“ Gabalier müsse hier so vage bleiben, sonst würde er viele weibliche Fans verlieren, sagt Fischer.

 

Fischer erkenne bei Gabalier zudem ein „Spiel mit Begriffen“, wie man es auch bei rechtspopulistischen Politikern oder Rechtsextremen finde. Dabei werde ein bisschen provoziert, meint der Wissenschaftler, und dann habe man alles nicht so gemeint. Mit anderen Worten drückt er es so aus: „Erst ‚Heil Hitler‘ rufen und später behaupten, man hätte ‚Grüß Gott‘ gemeint“.

Gabalier spiele bewusst den „naiven Lausbuben in Lederhosen“, aber „diese Rolle nehme ich ihm nicht ab“, so der Experte. (nmc)

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