Linksradikale Ausschreitungen in den USA.Foto: Getty Images

Kritische Theorie versus Autorität: Der Umgang mit Polarisierung in einer Zeit der Krise

Von 11. Mai 2021 Aktualisiert: 11. Mai 2021 11:30
Hat ein relativ unbekannter, in Ungarn geborener politischer Philosoph die Antwort auf die gefährlichen, reaktionären Polarisierungen, die kürzlich in der westlichen Gesellschaft aufgetaucht sind, entdeckt?

Der deutsche Philosoph, Jan Bentz versuchte bei einer kürzlich von Michael Severance abgehaltenen Konferenz des Acton Institutes in Rom, die brennenden Fragen zu den aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen zu beantworten. Die Ursachen für die extremen politischen Bewegungen, die die traditionellen Regierungsformen demontieren wollen, sowie für die Cancel Kultur und für die kritische Theorie zu verstehen, können die Antworten liefern.

Ob es sich um die ANTIFA-Unruhen in Portland, die gewalttätigen Proteste in Washington, DC oder das Black Lives Matter-Manifest handelt, Bentz glaubt, dass der angeborene Wunsch des Menschen nach Autorität eine Antwort auf diese gesellschaftspolitischen Bewegungen der Nachkriegszeit ist. Diesen Wunsch hat der ungarisch-amerikanische Philosoph Thomas Molnar identifiziert. Diese neuen Bewegungen versuchen, die traditionellen Autoritäten, also die von der Familieneinheit bis zur Regierung, zu demontieren. Sie wollen ihre eigene Version des Autoritarismus einsetzen.

Bentz bekräftigt, dass Molnar, der zur Nazizeit lebte und später die eiserne Faust der sowjetischen Kommunisten in seiner Heimat Ungarn erlebte, den Missbrauch von Autorität verstand. Der Begriff der Autorität selbst ist nämlich nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist das Vakuum, das durch Angriffe auf die Autorität entsteht.

Dies führe zu Missbrauch und Extremismus. Bentz weist insbesondere auf die destruktiven Bewegungen der Linken hin. Diese Bewegungen wurden von Philosophen gegründet, die die Kritische Theorie der Frankfurter Schule gründeten und sich später in liberalen akademischen Institutionen wie der Universität von Chicago einnisteten. Zu deren Lehrkörper gehörten übrigens auch Saul Alinsky und Barack Obama.

Die Grundlage: Was ist Autorität?

Bentz bezog sich auf Molnars Buch „Authority and Its Enemies“ („Autorität und ihre Feinde“, er veröffentlichte über 40 Bücher).

„Im Westen sehen wir die Autorität oft nicht als etwas Positives. Sie hat eher einen negativen Beigeschmack“, sagte Bentz. „Man denke nur an die Argumente der Linken: Wenn man „für“ traditionelle Formen der Autorität ist, dann muss man „ein Nazi sein“.“

Diese extremistische Rhetorik ist darauf ausgelegt, eine negative emotionale Reaktion auszulösen. Der Grund dafür ist laut Molnar, dass wir bereits die Früchte von mehr als 50 Jahren der Demontage rechtmäßiger Autorität und aller damit verbundenen Assoziationen erleben.

Um rechtmäßige Autorität zu verstehen, legte Bentz einige Richtlinien aus seinen Studien über Molnar fest.

  1. Autorität gewährt, dass in einer Gruppe jedes Individuum an und für sich frei ist und sich dafür entscheidet, Teil der Gruppe zu sein.
  2. Autorität ist ein Vermittler zwischen individueller Freiheit und der Gruppe. Unabhängig welcher sozialen Gruppe das Individuum angehört. Demnach strukturiert Autorität Ungleichheit. Wenn die Struktur der Gruppe nicht durch Autorität aufrechterhalten wird, ist das der Ort, an dem Ungleichheit existiert. Die Autorität ist also dafür zuständig, Ungleichheit zu verwalten und zu beseitigen.
  3. Diejenigen, die Autorität haben, sind im Wesentlichen damit beauftragt, die Gruppe zu einem höheren Gut zu führen, auf das sich alle geeinigt haben.

Bentz beschrieb weiter, dass, egal ob man das Konzept der Autorität mag oder nicht, sie überall existiert: In der Familie, der Schule, den Sportvereinen, der Kirchen und der Nation.

„Autorität existiert, sobald jemand das Sagen hat. Wenn keiner das Sagen hat, wird jede Gruppe desintegrieren, sie wird sich einfach auflösen.“ Er fährt fort: „Molnar schreibt, dass Autorität etwas ist, das in der menschlichen Natur verwurzelt ist. Autorität, auf Autorität zu hören und Autorität in einer Gruppe zu haben, ist etwas, das Teil der menschlichen Konstitution ist.“

„Er schreibt, dass wir der Autorität nicht folgen, wenn sie einen negativen Einfluss auf uns hat. Wir tendieren nicht zu schlechten Dingen. Wir folgen der Autorität, weil es eine gewisse innere Zustimmung gibt. Das gilt besonders dann, wenn die Autoritätsperson in Ordnung ist!“

Um diesen Punkt zu verdeutlichen zitierte Benz: „Letztendlich stimmen wir der Autorität zu, weil der Respekt vor der Autorität ein ebenso natürlicher Instinkt ist wie unsere Liebe, unsere Zufriedenheit, unser Mitleid und unser Stolz auf die eigene Leistung.“

Dies sei laut Bentz kein neues Konzept, aber vielleicht ein vergessenes. „Cicero postuliert, dass wir uns auch dann, wenn alle unsere Bedürfnisse befriedigt sind, zu Gruppen zusammenschließen werden. Wie ich schon sagte, werden sich Gruppen auflösen, wenn es keine natürliche Autorität oder Anführer gibt. Um Cicero zu zitieren: ,Was die Menschen dazu veranlasst, sich zusammenzuschließen, ist weniger Schwäche als das angeborene Bedürfnis, in der Gesellschaft ihrer Mitmenschen zu sein. Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, in Isolation zu leben oder in Einsamkeit umherzuwandern. Seine Natur drängt ihn, auch wenn er alles im Überfluss hat, sich mit anderen Menschen zu vereinen.'“

Der dekonstruierte Mensch

Woher kommen nun die reaktionären Bewegungen der Linken? Bentz sieht die Ursache dafür, dass seit mehr als einem halben Jahrhundert in den Universitäten gegen Autoritäten angestachelt wird. Dort werden diejenigen, die traditionelle Formen von Autorität befürworten, diskreditiert.

„Leute, die die Autorität angreifen, tun dies, indem sie ein Bild des ‚autoritären Führers‘ a la Mussolini bespielen.“ Er fährt fort: „Molnar erklärt, dass dieser Strohmann dieses Stereotypen eine ‚bestimmte Haltung darstellt‘. Es ist er Typ, der sich immer durchsetzen muss. Ein Mann, der ständig Befehle und Kommandos um sich wirft. Wenn wir ihn uns vorstellen, denken wir an einen Mann mit festem Kiefer, ernstem Gesicht, strengen Augen und steinernen Zügen. Er ist unbeugsam gegenüber menschlichen Beweggründen, unergründlich, unnahbar und rücksichtslos. Dieses Bild ist der Karikatur der Antifaschisten (Antifa) von Mussolini nachempfunden und ist nicht nur falsch, sondern auch kindisch, weil es oberflächlich und voreingenommen ist.“

Wenn Autoritätspersonen, sich nicht als „öffentliche Diener“ präsentieren, so Bentz, sondern so, dass die „Öffentlichkeit ihnen dienen muss“, werden sich mehr Menschen mit anderen zusammenschließen, um diese politischen, sozialen oder religiösen „Autoritäten“, die diese Karikatur verkörpern, zu bekämpfen. Sicherlich möchte kein vernünftiger Mensch mit der Unterstützung dieses autoritären Strohmanns in Verbindung gebracht werden.

„Die Menschen heute haben nicht das Gefühl, dass Führungskräfte für sie arbeiten. Sie haben eher das Gefühl, dass sie gegen diese Art von Führungskräften aufstehen müssen“, sagte Bentz. Molnar bezeichnet diese diktierende und bestrafende Autorität als „nackte Autorität“. Das wird von den meisten sehr negativ beurteilt.

Bentz schlussfolgert, dass durch diese Ablehnung eine Leere entsteht. Wenn die Vorstellung eines starken Mannes negativ ist, wer soll dann einspringen? Die Reaktionen dagegen führen sogar zur Demontage der Vaterfigur in der Familie oder der männlichen Identität in der Gesellschaft.

Es überrascht nicht, dass diese Reaktion von der antiautoritären marxistischen Frankfurter Schule kommt und gefördert wurde, so Bentz. Das waren die Philosophen Max Horkheimer, Theodor Adorno und Herbert Marcuse. Sie haben die „Kritische Theorie“ hervorgebracht. Molnar schrieb darüber, dass sie „der Zerstörung der Autorität dient und durch Anarchie ersetzt. Das führt zu nackter Macht und zerstörten Individuen.“

Dies sei nach Bentz der Schlüssel, um aktuelle gesellschaftspolitische Bewegungen zu verstehen, wie den Transgenderismus, die kritische Rassentheorie oder auch das, was das Weltwirtschaftsforum jetzt „The Great Reset“ (der große Neustart) nennt.

„Was so faszinierend ist, ist, dass in der ,Heranbildung’ dieses post-autoritären reaktionären ,neuen Menschen‘ das Individuum so desintegriert und von der Autorität losgelöst wird, dass es nach diesem Prozess ausgeliefert ist und nicht weiß, was es tun soll. Seinem natürlichen Instinkt gemäß, folgt es dann der nächsten Person. Diese wird diese Leere ausnutzen und ihm sagen: ,Folge mir'“, so Bentz. „Das ist der Grund, warum das ,NPC’-Mem ( fiktiver Charakter, der keine eigene Meinung hat) so populär wurde. Es verspottet das gesamte Konzept der Individualität in diesen antiautoritären Bewegungen.“

Der Neustart des Menschen für den großen Reset

Als nächstes sprach Bentz den „Great Reset“ (großer Neustart) direkt an. „Gerade jetzt, unter Ausnutzung der Krise einer Pandemie, versuchen die Leute, die die komplette Macht haben wollen, ihren Untertanen zu sagen, dass niemand das Sagen haben soll. Damit schaffen sie eine Situation, in der sie die Macht übernehmen können. Die meisten Menschen sind nicht sehr wachsam und achten oft nicht darauf, wie vor allem Politiker ihnen bei diesen Machenschaften einen Schritt voraus sind. Eine derart große Krise bietet einen Nährboden für Aktionen und Rhetorik dieser Art. Angst ist eine unglaublich starke Macht.“

Bentz erklärte, dass diese Art von gesellschaftspolitischer Rhetorik „utopisch“ ist und immer auf einen Punkt in der Zukunft verweist, der nie erreicht werden wird. Als Beispiel dafür nannte er die Rhetorik rund um die jüngste Pandemie und die Einschränkungen, die von den führenden Politikern der Welt auferlegt wurden.

Die Krise wird vorbei sein, wenn die Infektionsraten unter einen bestimmten Punkt fallen. Sie wird vorbei sein, wenn alle geimpft sind. Sie wird vorbei sein, wenn sich alle eine Zeit lang an bestimmte Vorschriften halten. Es wird immer eine Ausrede geben, um die Macht auszuweiten. Es wird nie vorbei sein, bis die Leute genug davon haben und sich auflehnen.“

Man brauche nur die Reaktionen der Menschen zu beobachten, um zu sehen, dass diese Methoden funktionieren, fuhr er fort. „Die Menschen sehen sich selbst als Schuldige im anhaltenden Machtkampf. ,Ich habe mich nicht genug sozial distanziert. Vielleicht sollte ich zwei Masken tragen. Vielleicht liege ich falsch mit den staatlich verordneten Impfungen und der Kontaktpersonennachverfolgung.'“

Mit dem Great Reset, der diese Krise ausnutzt, sieht Bentz die westliche Welt am Scheideweg. „Die Befürworter dieses ,neuen Menschen’ behaupten, dass es in Zukunft keinen Krieg, keine wirtschaftliche Ungleichheit und Weltfrieden geben wird, wenn alle für diese Utopie zusammenarbeiten. Natürlich soll das nach den Richtlinien des Weltwirtschaftsforums geschehen. Geführt werden dann wieder alle von einer neuen Autorität.

„Was dieser ,Great Reset‘ vorschlägt, ist die Erschaffung eines neuen Menschen, ein befreites Individuum, das zu seinem wahren Selbst gekommen ist. Es handelt sich um die vierte industrielle Revolution: Es geht um Transhumanismus, es geht um die Vergesellschaftung des Privateigentums, es geht um die Digitalisierung der menschlichen Angelegenheiten einschließlich der Währung und idealerweise um ein universelles Grundeinkommen. Das sind alles Utopien, während die Menschen im Alltag mit Zwangsmaßnahmen gegen ihren angeborenen Wunsch, frei zu sein, bombardiert werden.“

Der Mensch kann das Leiden nicht beenden, aber er kann es überwinden

Wie kann diese Denkweise also wieder gedreht werden? „Molnar kommt zu dem Schluss, dass die Menschen rational verstehen müssen, dass Autorität etwas Gutes ist. Ein positiver und natürlicher Wunsch nach dem Guten“, so Bentz.

„Jeder Anführer, die eine rationale und objektive Autorität aufrechterhalten will, muss die Gruppe, egal welche, dazu bringen, ein höheres Gut anzustreben. Dieses höhere Gut ist eines, dem sowohl die Individuen in der Gruppe als auch derjenige, der die Autorität innehat, zustimmen. Dieses Bestreben ist es, das die beiden Ebenen, die Autorität und das Individuum, miteinander verbindet.“

„Wir müssen auch bedenken, dass die Utopie, die als Gegenentwurf zur traditionellen Autorität vorgeschlagen wird, darin besteht, die Auswirkungen dessen auszurotten, was im Judäo-Christentum „Erbsünde“ genannt wird; nämlich harte Arbeit und Schmerz. Das Problem ist, dass diese beiden Auswirkungen nicht von Menschen ausgerottet werden können. Nicht nur das, sie können auch nicht auf eine unmittelbare oder machbare Weise ausgerottet, sondern nur überwunden werden.“

Die Vorfahren wussten das, und ermutigten daher zur Tugendhaftigkeit. Nicht nur das Individuum, sondern die ganze Gesellschaft sollte dahingehend hinarbeiten. Wir können von diesen reaktionären Idealen lernen, indem wir uns wieder auf die Befreiung des Menschen durch verstärkte und natürliche Autorität konzentrieren. Der Mensch kann nur dann wirklich frei sein, wenn er sich selbst im Lichte des Guten versteht.“

Frau Dail ist Rom-Korrespondentin für die Epoch Times, regelmäßige Mitarbeiterin des „National Catholic Register“ und Gastgeberin von „Intersections with Bree and Joey“ im „Guadalupe Radio Network“. Sie hat Beiträge für „Newsmax“, „Catholic News Agency“, „AP“, „The Daily Caller“, „The Catholic Herald“, „Catholic World Report“, „LifeSite News“, „OnePeterFive“ sowie Beiträge in neuen Medien veröffentlicht.

Das englische Original erschien zuerst in der englischen Ausgabe von The Epoch Times unter dem Titel: Critical Theory Versus Authority: Addressing Polarization in a Time of Crisis (deutsche Bearbeitung von ha)



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