Skandal um russisches Staatsdoping: „Es wurden Tausende Tests manipuliert“

Epoch Times16. Oktober 2019 Aktualisiert: 16. Oktober 2019 19:47
Der Chef der russischen Anti-Doping-Behörde, Juri Ganus, greift den russischen Staat wegen des Dopingskandals direkt an. Dabei wagt er sich auf dünnes Eis.

„Es gibt eine ernsthafte Bedrohung“, sagte RUSADA-Chef Juri Ganus Anfang des Monats in Moskau. Die Teilnahme an den Spielen in Tokio im kommenden Jahr und den Winterspielen in Peking 2022 sei fraglich, betonte Ganus laut Deutscher Presse Agentur.

Wegen des Skandals um Staatsdoping in Russland hatte das Internationale Olympische Komitee der stolzen Sportnation bereits die Teilnahme an den vergangenen Spielen verweigert. Nicht belastete Athleten durften daraufhin jedoch unter neutraler Flagge antreten.

Seit kurzem steht Russland wieder verstärkt unter Druck der Dopingkontrolleure: Der RUSADA wird vorgeworfen, Daten aus einem Analyselabor manipuliert zu haben. Moskau dementiert dies jedoch. Wenn sich der Fälschungsvorwurf erhärten sollte, droht der RUSADA eine erneute Suspendierung.

„Tausende Testresultate verfälscht“

Deshalb sind die Aussagen von Ganus, die er diese Woche auf einer Konferenz in Colorado Springs tätigte, brisant. Laut „New York Times“ sagte der RUSADA-Chef:

Russland hat Tausende Testresultate einer unbekannten Anzahl Athleten verfälscht“.

Der russische Staat habe damit versucht, frühere Spitzensportler des Landes zu schützen. Diese ehemaligen Sportler würden heute in der Regierung sitzen oder seien als ranghohe Sportfunktionäre tätig.

Nach langer Weigerung stellte Russland der Wada die Testdaten – die behördlich gesteuerte Doping-Vertuschung von 2012 bis 2015 belegen sollen – Anfang 2019 schließlich zur Verfügung. Daraufhin hob die Wada die Suspendierung der RUSADA auf.

Die Wada verglich die Testdaten mit Computerdaten, die der Organisation von einem Insider zugespielt worden waren. Dadurch wurden die Fälschungen schließlich erkannt.

RUSADA-Chef vom Staat überwacht

Der RUSADA-Chef äußerte nun den Verdacht, dass nur Personen in den höchsten staatlichen Positionen diese Manipulationen hätten vornehmen können. Nur sie hätten Zugang zu diesen Daten gehabt. Ganus betonte, dass solche Aussagen „gefährlich“ für ihn sein könnten – der letzte RUSADA-Chef ist 2016 unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Ganus sagte auch: er werde von den Behörden überwacht.

Dennoch äußerte er sich zu dem Skandal um das Staatsdoping: Ganus möchte es damit zukünftigen russischen Athletinnen und Athleten ermöglichen „unbefleckt auf die internationale Sportbühne zurückzukehren“.

Er betonte, dass Russland eine Sportnation ist und bedauerte, dass die Zuständigen für die Dopingthematik die Probleme nicht gelöst hätten. „Sie haben den falschen Weg gewählt,“ sagte er mit Blick auf das Moskauer Labor, aus dem die gefälschten Proben stammen – es gilt als Tatort und wird nach wie vor von den Behörden unter Verschluss gehalten. (so)

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