Laura Dahlmeier beim Schießen.Foto: Martti Kainulainen/Lehtikuva/dpa

Dahlmeier bleibt motiviert: «Als Mensch weiterentwickelt»

Epoch Times16. März 2018 Aktualisiert: 16. März 2018 11:18
Im Alter von nur 24 Jahren hat Biathletin Laura Dahlmeier schon alle wichtigen Titel gewonnen, ist die Überfliegerin ihrer Sportart. Fehlende Motivation fürchtet die zweimalige Olympiasiegerin aber nicht. Die Winterspiele 2022 in Peking sind noch kein Thema.

Aus dem zweiten Gesamtweltcupsieg in Folge wird wohl nichts, trotzdem zieht die zweimalige Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier im Interview der Deutschen Presse-Agentur schon ein positives Saisonfazit.

Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ spricht am Rande des Weltcups in Norwegens Hauptstadt Oslo außerdem über ihren wachsenden Ruhm, die sportliche Zukunft und ihre Urlaubspläne.

Können Sie eigentlich noch unerkannt vor die Tür gehen oder werden Sie mittlerweile ständig angesprochen?

Laura Dahlmeier: Als ich aus Südkorea nach Hause gekommen bin, ist mein Briefkasten übergequollen. Das war phänomenal, und das habe ich so noch nicht erlebt. Schon am Flughafen bin ich deutlich mehr angesprochen worden. Bei Olympia schauen mehr und vor allem andere Menschen zu, da steht man mehr im Fokus. Dadurch hat sich der Bekanntheitsgrad innerhalb Deutschlands sicher weiter gesteigert.

Sie suchen das Rampenlicht aber nicht gerade. Deswegen ist das sicher keine leichte Situation für Sie?

Dahlmeier: Es ist wie es ist, damit muss ich einfach umgehen. Primär ist es nie mein Ziel gewesen, mit Biathlon super bekannt zu werden, sondern ich wollte mich persönlich weiterentwickeln und eine der besten Athletinnen der Welt in meinem Sport werden. Alles andere gehört dazu. Es freut mich, dass sich so viele Menschen für mich interessieren. Das ganze positive Feedback kann auch motivieren und beflügeln. Auf der anderen Seite ist es auch eine Rolle, in die ich hineinwachsen muss, jeder Schritt wird mittlerweile kritisch beäugt. Ich habe ganz sicher nicht mehr so viel Ruhe wie früher.

Sie sind seit knapp zwei Wochen wieder im Weltcup unterwegs. Hatten Sie überhaupt schon Zeit, die Olympiasiege zu genießen?

Dahlmeier: Ich habe schon ganz gut abschalten können, auf meine Art und Weise. Ich war in den Bergen unterwegs. Ich reflektiere in diesen Momenten immer ganz gerne. Ich war sicher diese Saison nicht so dominant unterwegs wie vor einem Jahr, von daher ist mir in Pyeongchang schon eine Wahnsinns-Leistung gelungen. Ich war sofort im Sprint Olympiasiegerin und habe das zwei Tage später im Verfolger bestätigt – und dann auch noch Bronze im Einzel geholt. Für mich waren es wahnsinnig erfolgreiche Olympische Spiele, und mir ist es gelungen, die Jahresbestleistung am Höhepunkt abzurufen. Das habe ich in den letzten Jahren immer geschafft, das freut mich riesig.

Sie hätten durchaus noch zwei Medaillen mehr gewinnen können, aber in den Staffeln patzten ihre Kollegen. Hat Sie das frustriert?

Dahlmeier: Im ersten Moment denkt man da schon dran. Einmal kann sowas ja passieren, aber wenn es zweimal in zwei Tagen ist, dann ist das schade. Aber ich muss nicht traurig sein. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, das hat mich als Sportlerin weitergebracht, und ich habe mich als Mensch weiterentwickelt. Für mich überwiegt das Positive.

Mit dem Sieg im Gesamtweltcup dürfte es in diesem Jahr nichts werden, vor den letzten vier Einzelrennen liegen Sie auf Platz vier. Wären Sie enttäuscht, wenn es nicht klappt?

Dahlmeier: Nein, wäre ich nicht. Mein ganz großes Ziel war Olympia, da wollte ich topfit sein. Für mich ist es jetzt nur noch wichtig, Spaß zu haben, mich noch mal zu motivieren und gute Ergebnisse zu zeigen.

Jetzt steht noch das Wochenende in Oslo an, dann geht es zum Saisonfinale nach Tjumen. Sehnen Sie das Ende herbei?

Dahlmeier: Ich denke, dass es ganz normal ist, dass man sich am Ende der Saison darauf freut, dass es vorbei ist. Aber aktuell bin ich echt noch motiviert für die letzten Rennen.

Einige Athleten verzichten aus Protest wegen des russischen Staatsdopings auf das Finale in Tjumen. Haben Sie auch daran gedacht?

Dahlmeier: Es ist natürlich ein Thema, und man spricht untereinander darüber, sowohl im deutschen Team als auch international, aber ernsthaft habe ich nicht darüber nachgedacht, nicht hinzufahren. Als deutsches Team haben wir einen offenen Brief an den Weltverband geschrieben. Wir befürworten es nicht unbedingt, jetzt nach Russland zu reisen. Aber ich habe das ganze Jahr trainiert und liege sowohl in den Disziplin-Wertungen als auch im Gesamtweltcup nicht schlecht. Da ist nach vorne noch etwas möglich, und ich will angreifen. Darum wäre es in meinem Fall schade, einfach drei Rennen auszulassen.

Es wurde schon viel über ein mögliches frühes Karriereende von Ihnen spekuliert. Sehen wir Sie 2022 bei Olympia in Peking noch?

Dahlmeier: Das ist für mich noch gar kein Thema und alles viel zu weit weg, ich bin ja gerade noch in der aktuellen Olympia-Saison.

Olympia-Gold, WM-Titel, Gesamtweltcupsieg – Sie haben mit nur 24 Jahren alles gewonnen. Haben Sie Angst, dass nach all ihren Erfolgen vielleicht künftig die Motivation fehlt?

Dahlmeier: So weit bin ich noch gar nicht, ich bin im Kopf gerade nur im Hier und Jetzt. Ich werde mir nach den letzten Rennen ein bisschen Zeit für mich selbst nehmen, dann will ich abschalten und etwas Luft an die Sache lassen. Dann werde ich mir überlegen, wie es genau weitergehen soll. Wenn man gesund bleibt, weiter motiviert ist und Spaß an der Sache hat, finden sich ganz sicher auch neue Ziele.

In den letzten Jahren waren Sie im Urlaub in den USA, Nepal oder Chile klettern. Wo schalten Sie in diesem Frühjahr ab?

Dahlmeier: Ich bin noch in der Planung, werde dieses Jahr aber wahrscheinlich im Alpenraum bleiben. Eventuell kommt auch noch eine Woche Georgien zum Skitouren gehen hinzu. Ich will auf jeden Fall wieder ein bisschen weg, in die Berge.

Zur Person: Laura Dahlmeier (24) ist siebenmalige Weltmeisterin im Biathlon. In Pyeongchang gewann sie zweimal Olympia-Gold und einmal Bronze. Die Garmisch-Partenkirchnerin wurde 2017 erstmals zu Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ gewählt, nachdem sie in der vergangenen Saison auch den Gesamtweltcup gewonnen hatte. (dpa)


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