EGMR entscheidet in Pechsteins Streit mit CAS

Claudia Pechsteins Zug durch die juristischen Instanzen führt nach Straßburg. Dort wird eine Entscheidung über die Befugnisse des Sportgerichtshofs CAS erwartet.
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Befindet sich mit dem CAS in einem Rechtsstreit: Claudia Pechstein.Foto: Peter Kneffel/dpa
Epoch Times2. Oktober 2018

Für Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (46) wird es an diesem Dienstag auf juristischem Terrain wieder ernst. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) will in ihrem Rechtsstreit um die Rolle des Internationalen Sportgerichtshofs CAS eine wegweisende Entscheidung verkünden (10.00 Uhr).

Die fünfmalige Olympiasiegerin macht vor den Straßburger Richtern geltend, dass der CAS weder unabhängig noch unparteiisch sei.

DARUM GEHT ES: Es ist eine weitere Station auf Pechsteins bald ein Jahrzehnt währendem Weg durch die Instanzen. Die Eisschnellläuferin hatte sich 2009 vor dem CAS in Lausanne gegen eine zweijährige Sperre wegen auffälliger Blutwerte gewehrt. Das Sportgericht bestätigte die Sperre jedoch. Pechstein sieht ihr Recht auf ein faires Verfahren verletzt. Sie begründet den Vorwurf unter anderem mit der Art und Weise, wie die Richter des CAS ernannt werden. Außerdem sei ihr entgegen ihres ausdrücklichen Wunsches keine öffentliche Anhörung gewährt worden. Pechstein behauptet, nie gedopt zu haben, und fordert Schadenersatz für erlittenes Unrecht. Experten bescheinigen ihr eine geerbte Blutanomalie als Grund für ihre schwankenden Blutwerte.

KRITIK AM CAS: Immer wieder gibt es Kritik am Internationalen Sportgerichtshof. Einer der Hauptvorwürfe lautet, es handele sich nicht um ein unabhängiges Schiedsgericht, weil die Institution durch Sportverbände finanziert werde. Mitte September war das Thema hochgekocht. Ein belgisches Gericht hatte entschieden, dass die gesetzliche Verpflichtung, Streitigkeiten zwischen Spielern, Vereinen und Verbänden vor dem CAS zu regeln, rechtswidrig sei. Ausgangspunkt war eine Klage des Fußball-Clubs FC Seraing.

DER EUROPÄISCHE GERICHTSHOF FÜR MENSCHENRECHTE: Der EGMR mit Sitz in Straßburg beschäftigt sich mit Grundrechtsverletzungen aller Art: etwa Misshandlungen im Gefängnis, Freiheitsentzug oder Enteignungen. Hier können Bürger Beschwerde gegen den Staat einreichen, dem sie einen Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention vorwerfen. Pechstein beschwert sich formal gegen die Schweiz, wo der CAS sitzt. Besonders häufig geht es vor dem Straßburger Gericht – wie im Fall Pechstein – um das Recht auf ein faires Verfahren. Der EGMR gehört zum Europarat, einer Staatenorganisation mit 47 Mitgliedstaaten, darunter Nicht-EU-Länder wie Russland, die Ukraine und die Türkei. Mit der EU hat das Gericht nichts zu tun.

MENSCHENRECHTE UND SPORTPOLITIK: Auch in anderen sportpolitischen Fragen hat sich der EGMR schon zu Wort gemeldet. So stärkte er im Januar das bestehende Doping-Kontrollsystem. Doping-Fahnder dürfen nach Ansicht der Richter Profisportler verpflichten, Monate im Voraus Angaben zu ihren Aufenthaltsorten zu machen. Das sogenannte Whereabout-System verstoße nicht gegen ihr Recht auf Achtung des Privatlebens, hieß es in dem Urteil. (dpa)



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